Die Bürgerlichen sind in der Offensive. Sie hetzen gegen Frauen, Queers und Migranten: Frauenhäuser seien «Luxushotels» (SVP), Ausländer «kriminell» (FDP) und schuld an den sozialen Problemen (alle). Mit Sündenbockpolitik versuchen sie, von der Krise ihres Systems abzulenken und uns zu spalten.

Gegen ihre Spaltung von oben brauchen wir Einheit von unten. Schuld sind die Milliardäre – nicht Ausländer oder Opfer sexueller Gewalt! Gegen Sexismus und Rassismus müssen wir vereint kämpfen, gegen die herrschende Klasse. 

Der diesjährige 14. Juni hat das riesige Potenzial hierfür gezeigt: In Zürich und Genf gingen jeweils mehr als 30’000 Leute auf die Strasse. In Lausanne demonstrierten am Samstag 15’000. Das Motto der Feministischen Streikkollektive in der Westschweiz war: «Weil unser Leben mehr wert ist als ihre Profite!». Auf dem Front-Banner stand: «Ohne uns steht die Welt still – 2027 blockieren wir alles».

“Mit Klassenkampf in die Offensive!”, in diese Kerbe schlug auch die RKP. Wir haben mit einem Klassenprogramm gegen Unterdrückung an allen grösseren Demos und Kundgebungen interveniert und für einen wirklichen Care-Streik 2027 argumentiert.   

Interesse an unseren Ideen

In Bern liefen wir mit unserem Banner «Kein sicheres Leben ohne Sturz der Epsteinklasse» zur Besammlung der Kundgebung auf dem Bundesplatz ein. Wir skandierten Slogans wie «Trotz Millionen für die Banken, für die Pflege keinen Franken!». Einige Gruppen junger Frauen klatschten. Warum? «Weil ihr mit politischen Botschaften kommt». 

Wir stellten einen Büchertisch auf und suchten das Gespräch mit den Leuten. Zahlreiche Diskussionen zeigten, wie erwünscht unser Standpunkt war. Viele waren froh, darüber zu diskutieren, wie wir die SVP wirklich besiegen und Unterdrückung beenden können. In eineinhalb Stunden wollten über 40 Leute unsere Zeitung kaufen. 

Doch für die Organisatorinnen der Kundgebung waren wir ein Dorn im Auge. Bereits zu Beginn versuchten sie, uns zu isolieren und einzuschüchtern. Unsere Bücher, Zeitung und Fahnen seien hier nicht erwünscht. Gespräche blockten sie sofort ab, denn wir seien «Diskussions-unfähig». 

Streikkollektiv ruft die Polizei gegen Teil der Bewegung

Nach etwa eineinhalb Stunden friedlicher und konstruktiver Gespräche umkreiste rund ein Dutzend der Organisatorinnen unseren Tisch. Sie schrien uns ununterbrochen im Chor «Haut ab!» ins Gesicht und griffen uns physisch an. 

Dem nicht genug. Sie riefen die Polizei, um uns vom Platz zu schmeissen! Mehrere Polizisten führten rund 15 Genossinnen und Genossen ab, hinter einen Kastenwagen und nahmen ihre Personalien auf. Sie alle erhielten eine Verwarnung und ein Verbot, weiter politisches Material zu verteilen oder zu zeigen.

Die Polizisten nannten uns den Grund für ihren Einsatz: Die Organisatorinnen hätten entschieden, dass wir die Kundgebung stören würden und nicht Teil davon sein dürften. Sie würden diesen Entscheid nur ausführen. 

Viele Umstehende waren verwirrt und einige zurecht empört. Doch die Organisatorinnen  erreichten ihr Ziel: Mit Hooligan-Methoden und in Zusammenarbeit mit der Staatsrepression verdrängten sie uns aus der Bewegung.

Warum hat das Kollektiv das getan?

Das Feministische Streikkollektiv begründet den Rauswurf damit, dass wir uns nicht an den «Konsens» halten. Doch was ist der gemeinsame Anspruch der tausenden Leute, die auf den Bundesplatz strömten? Sie alle wollen eine Gesellschaft ohne Unterdrückung. Das ist das gemeinsame Ziel. 

Für das Erreichen dieses Ziels gibt es verschiedene Ideen. Das Kollektiv sagt, sie seien Anhänger der Intersektionalität und des Feminismus. Wir verteidigen andere Ideen – die des Marxismus. Diese zwingen wir niemandem auf. Wir sind dafür, dass alle ihre Vorschläge einbringen können. Wir versuchen, andere von unserem zu überzeugen. Alle können sich selbst eine Meinung bilden. Wenn alle Argumente gehört sind, können sich die besten Ideen demokratisch durchsetzen. Nur so kann ein höheres gemeinsames Verständnis und somit eine höhere Einheit im Kampf geschaffen werden.

Das Streikkollektiv hat offensichtlich einen fundamental anderen Umgang mit politischen Differenzen. Statt sie zuzulassen und auszudiskutieren, erheben sie ihre Ideen kurzerhand zum «Konsens». Damit erheben sie Besitzanspruch über die ganze Bewegung: Wer sich ihren Ideen und Methoden beugt, ist willkommen – alle anderen nicht.

Diese selbst-deklarierte Monopolstellung setzen sie mit Einschüchterung, Mobbing und Gewalt durch – gegen alle in der Bewegung, die ihre Ideen nicht teilen – und sich trauen, das offen zu sagen. 

Leider sind solche Methoden nicht neu. Wir erleben seit Jahren die schädliche Rolle der Identitätspolitik, auch international. Statt mit Argumenten zu überzeugen, werden andere Meinungen mit Hooligan-Methoden aus der Bewegung gedrängt und so eine politische Zensur durchgesetzt. 

Zum Vorwurf der «Übergriffigkeit»

Weil wir von der RKP mit ihren Ideen (Identitätspolitik, Intersektionalität) oder ihrer Praxis (Gendern, dezentrale Aktionen) nicht einverstanden sind, werden wir als «übergriffig» gebrandmarkt und rausgedrängt. 

Mit diesem Vorwurf stiften sie Verwirrung bei allen ehrlichen Leuten, die unter Übergriffen nicht Meinungsverschiedenheiten, sondern verbale oder tätliche Angriffe gegen Frauen oder Queers verstehen. Sie bedienen sich der ehrlichen Empörung gegen wirkliche Übergriffe, um ihre Hooligan-Methoden zu rechtfertigen. 

Man kann von Kommunismus halten, was man will. Aber den Opfern sexueller Gewalt ist sicher nicht geholfen, wenn das Thema sexuelle Übergriffe instrumentalisiert wird, um in einer politischen Debatte einen Standpunkt zum Schweigen zu bringen.

Zudem: Die wohl übergriffigste Instanz im Kapitalismus ist die Polizei. Sie hetzt Migranten in den Tod, schützt Vergewaltiger und reprimiert Bewegungen. Wenn das Feministische Streikkollektiv sich um wirkliche Übergriffe sorgt, sollte es nie wieder die Polizei auf Teile der Bewegung losschicken. 

Wir appellieren ans Streikkollektiv, seinen offensichtlichen Hass auf Kommunisten mal kurz beiseite zu legen und nachzudenken: Ihr habt am Sonntag die Polizei auf friedliche Genossinnen und Genossen, darunter Minderjährige (und zum Glück keine Sans Papiers!), geschickt. Wer spaltet hier? Wer gefährdet hier wen? 

Für Freiheit und Demokratie in der Bewegung

Wir stellen uns kategorisch gegen solche Methoden. Sie haben nichts mit Freiheit und Demokratie in der Bewegung zu tun. Tage wie der 14. Juni oder der internationale Frauenkampftag am 8. März repräsentieren eine seit Jahren und Jahrzehnten etablierte Tradition von Massenmobilisierungen gegen Frauenunterdrückung (und heute auch gegen Unterdrückung von Queers). 

Sie sollten nicht zum Monopol einer einzigen Organisation gemacht werden. Und ganz grundsätzlich: Strassendemonstrationen und Massenversammlungen einer Bewegung sind öffentliche politische Räume. Bei diesen haben alle, die gegen Unterdrückung kämpfen wollen, das Recht, teilzunehmen und ihre Gedanken frei zu äussern! Alles andere schadet der Bewegung, führt zu einer Entpolitisierung und einem Klima der Angst.

Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle

Zurecht gab es am Sonntag Empörung bei Umstehenden, insbesondere bei türkischen Frauen, die Erfahrung haben mit Staatsrepression. Sie wissen, wie eine soziale Bewegung sich schützt. Und zwar nach dem Prinzip: Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf uns alle! Egal welche politischen Differenzen wir haben – was uns eint ist der Kampf gegen Unterdrückung und der Schutz unserer Bewegung gegen den repressiven Staatsapparat. 

Meinungsfreiheit und Solidarität – das ist der Konsens, der an den besten Traditionen sozialer Kämpfe und der Arbeiterbewegung anknüpft. Der Angriff letzten Sonntag muss eine Warnung an die ganze Linke sein. Er zeigt, wo solche antidemokratischen Methoden enden: Wenn mit Staatsrepression ein Teil der Bewegung aus der Bewegung geschmissen wird, dann ist die rote Linie überschritten. 

Mit solchen Methoden stärkt man keinen Kampf gegen die Herrschenden, sondern man schwächt ihn, was nur dem Klassenfeind und dem Status Quo dient! Egal ob Kommunist oder nicht – alle ehrlichen Aktivistinnen und Aktivisten gegen Unterdrückung sollten diese Methoden aufs Schärfste verurteilen und bekämpfen!

Vorwärts zu einem mächtigen Care-Streik 2027

Angesichts der rassistischen und sexistischen Offensive der Bürgerlichen, die uns spalten und angreifen, um sich selbst weiter zu bereichern, und angesichts des riesigen Potenzials, das die 100’000 Leute auf der Strasse letztes Wochenende bewiesen haben, sehen wir die Möglichkeit einer dringend notwendigen Offensive der Linken. 

Wir appellieren an alle, die den Kampf gegen Unterdrückung vorantreiben wollen: Was es heute braucht ist eine demokratische, offene und ehrliche Debatte in der Bewegung und der ganzen Linken, in der wir – ohne unsere Differenzen zu verbergen – gemeinsame Standpunkte finden, wie wir auf einen mächtigen Care-Streik 2027 hinarbeiten können!

  • Gegen Spaltung innerhalb der Bewegung!
  • Für Demokratie und Respekt in der Bewegung!
  • Die Strasse gehört uns allen!
  • Vorwärts zu einem mächtigen Care-Streik 2027!
  • Mit Klassenkampf in die Offensive!

Statement der RKP Bern, 18.6.2026