Die Femizid-Ziffer erreichte letztes Jahr einen traurigen Höhepunkt: 27 ermordete Frauen und Mädchen in der Schweiz. Das beweist: Frauenunterdrückung ist allgegenwärtig. Auch wenn Gesetze existieren (wie das Gleichstellungsgesetz) oder internationale Konventionen gelten (wie die Istanbul-Konvention gegen Gewalt):An der tiefen Verankerung der Unterdrückung von Frauen im Kapitalismus ändern Gesetze nur wenig.
Als Kommunisten kämpfen wir gegen jede Form von Unterdrückung und Diskriminierung. Aber wir sagen auch: Um dieses Übel wirklich auszumerzen, müssen wir bei den gesellschaftlichen Bedingungen ansetzen, die Abhängigkeit, Isolation und Überlastung fördern und damit Missbrauch und Gewalt begünstigen.
Deshalb fordert die RKP folgende Sofortmassnahmen:
Der aufkommende Kapitalismus zog die Frauen in die Lohnarbeit. Das gab ihnen gewisse finanzielle Eigenständigkeit, jedoch zum Preis der Doppelbelastung durch Haus- und Lohnarbeit. Die Lösung ist jedoch nicht, die Hausarbeit zu entlöhnen und damit zu zementieren. Das belässt die Frau in der Isolation und der häuslichen Abhängigkeit. Ebensowenig kann unser Ziel die «gerechte» Aufteilung der Hausarbeit zwischen den Geschlechtern sein. Nur in dem wir die private Hausarbeit, Kindererziehung und Pflegeaufgaben gesellschaftlich organisieren und für alle zugänglich machen, wird die Frau und die Familie als Ganzes vom ökonomischen Druck befreit. Gute Löhne, gratis Kinderbetreuung, billiger Wohnraum und gesicherter Aufenthaltsstatus reduzieren die finanzielle Abhängigkeit vom Partner und vom Chef. Das reduziert den Nährboden für häusliche Gewalt und sexuelle Belästigung. Nur die Befreiung aus Isolation und Abhängigkeit ermöglicht den Frauen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.
Die Umsetzung dieser Massnahmen wäre heute möglich. Die Ressourcen sind vorhanden. Das würde hunderttausende Frauen aus missbräuchlichen Beziehungen, unmenschlichen Arbeitsbedingungen und von der Bürde der Doppelbelastung befreien. Was dem im Weg steht, ist eine kleine Minderheit an Kapitalisten. Diese kontrolliert den gesamten gesellschaftlichen Reichtum und setzt ihn nur für ihre Profitinteressen ein.
Die Kapitalisten haben kein Interesse, die Frauenunterdrückung zu überwinden. Die Vergesellschaftung der Haus- und Betreuungsarbeit kostet und senkt ihre Profite. Das gilt für alles, was das Leben der Frauen sicherer, stressfreier und lebenswerter macht. Die Kapitalisten werden niemals freiwillig dafür zahlen!
Ausserdem profitieren sie von der Frauenunterdrückung: Durch Lohndiskriminierung können sie nicht nur Frauen, sondern allen Lohnabhängigen tiefere Löhne bezahlen. Durch Sexismus und Vorurteile spalten sie die Arbeiterklasse – um ihre eigene Position als kleine ausbeutende Minderheit abzusichern. Ob Frauen deshalb sterben, ist ihnen egal.
Der Epstein-Skandal zeigt die wahre Haltung der herrschenden Klasse gegenüber Frauen: Für sie sind sie reine Sexobjekte. Ihr grausamer Missbrauch ist eine unterhaltender Zeitvertreib, den sie hemmungslos und systematisch ausleben, weil der Staat ihre Taten schützt und ihre Interessen verteidigt.
Für die Befreiung der Frauen gilt: Ihr Profit gegen unser Leben. Die Kapitalisten sind das Haupthindernis für unsere Befreiung. Diese Klasse, die Epsteinklasse, muss gestürzt und ihr Reichtum, das Privateigentum an den Produktionsmitteln, enteignet werden. Die immensen Ressourcen in den Händen der Arbeiterklasse schaffen erstmals die materielle Grundlage für die Befreiung der Frau.
Der natürliche Verbündete der arbeitenden Frauen ist der Rest ihrer Klasse: die männlichen Arbeiter. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, ob sie heute schon fortschrittliche Ideen haben oder noch Vorurteile. Das Bewusstsein kann und wird sich ändern. Dahinter hat die Arbeiterklasse eine objektive Stellung in der Produktion und daher auch gemeinsame Klasseninteressen. Die Arbeiterklasse ist die revolutionäre Klasse, weil sie an den Schalthebeln der Wirtschaft sitzt: Sie schafft den gesamten Reichtum. Deshalb kann sie die Kapitalisten stürzen und eine eigene Gesellschaft aufbauen. Dazu hat sie nicht nur die Macht, sondern auch das gemeinsame Interesse: Sich von der Unterjochung der kapitalistischen Ausbeutung, Imperialismus, Krieg und Hunger zu befreien, liegt im Interesse der gesamten Arbeiterklasse. Frauen stellen heute die Hälfte der Arbeiterklasse und haben gleichzeitig am meisten zu gewinnen in der Revolution.
Diese kann nur gemeinsam, als Kampf aller Unterdrückten, realisiert werden. Kommunisten verteidigen konsequent die Einheit der Arbeiterklasse gegen jede Spaltung. Gerade die aktive Teilnahme der Arbeiter an Kämpfen – wie dem Frauenstreik – erlaubt es, die männlichen Arbeiter zu erziehen und Vorurteile abzubauen. Grundlage dafür bietet das obige Programm, das nicht nur den Frauen, sondern dem Interesse der ganzen Arbeiterklasse entspricht.
Um die jahrtausendealten Vorurteile gegenüber Frauen jedoch vollständig auszurotten und Frauen vollständig zu befreien, muss die Menschheit als Ganzes vom Joch der Klassengesellschaft befreit werden. Das ist heute möglich. Die sozialistische Revolution wird allen Mangel beseitigen und so den Boden vorbereiten für höhere, erstmals freie menschliche Beziehungen!
Keine Frauenbefreiung ohne Kommunismus, kein Kommunismus ohne Frauenbefreiung!
Frauenunterdrückung — von RKP Schweiz — 09. 06. 2026
Frauenunterdrückung — von Caspar Oertli, Redaktion, Olivia Eschmann, Bern — 09. 06. 2026
International — von Sereina Weber, Genf — 07. 06. 2026
Schweiz — von Martin Kohler, Redaktion — 04. 06. 2026
Frauenunterdrückung — von RKP Bern — 03. 06. 2026