Seit 7 Jahren bringt der Feministische Streik jedes Jahr Hunderttausende auf die Strasse. Mit dieser mächtigen Tradition einer Massenbewegung gegen Frauenunterdrückung und Sexismus gehört die Schweiz zur internationalen Speerspitze. Trotzdem verschärft sich die Situation der Frauen. Die wenigen Errungenschaften werden rückgängig gemacht. Zuletzt wurden die Kita-Subventionen vom Bund der Aufrüstung geopfert. 

Das hat drastische Konsequenzen auf das politische Bewusstsein von breiten Massen an Frauen. Bei Frauen unter 30 stieg der Anteil, der sich links der Mitte verortet, von 35 % (2010) auf 52 % (2023). 

Die Kampfbereitschaft steigt, insbesondere in den Sektoren mit grossem Frauenanteil, wie Pflege und Bildung. In Fribourg, Genf und im Waadtland haben Streiks im öffentlichen Dienst letzten Herbst den Sprung von der Symbolpolitik zum Klassenkampf gemacht.

Care-Streik 2027

In diesem Kontext lancierten die feministischen Streikkomitees den «Care Streik 2027». Ihr Communiqué enthält drastische Statistiken zur Doppelbelastung und Berichte zur verheerenden Situation in den «Care-Berufen». Sie fordern mehr Ressourcen und erklären, dass dies im Kapitalismus sehr schwierig ist. Und sie schlagen das korrekte Kampfmittel vor: einen überregionalen Care-Generalstreik am 14. Juni 2027.

Die Autorinnen des Aufrufs stiften jedoch Verwirrung in der Frage, was ein Streik ist und was ihn so mächtig macht. Das richtige Verständnis in dieser Frage entscheidet darüber, ob der «Care Streik» die Bewegung weiterbringt. 

Die wahre Macht des Streiks

Ein Streik ist nicht einfach eine individuelle Arbeitsniederlegung. Es ist das kollektive Kampfmittel der Arbeiterklasse: Wenn die Belegschaft den Betrieb kollektiv bestreikt und damit lahmlegt, dann beschneidet sie direkt die Profite der Kapitalisten. Bei einem Generalstreik wird ein ganzer Sektor lahmgelegt und damit das gesellschaftliche Funktionieren zum Erliegen gebracht. Die wahre Macht des Streiks liegt also einerseits im direkten Druck auf die Kapitalisten (die mit jeder Stunde Streik Gewinneinbussen haben). Und andererseits darin, dass die Arbeiterklasse ihre kollektive Macht spürt: Als Klasse produziert sie den ganzen Reichtum und ist wirklich systemrelevant. Und: Organisiert ist sie unglaublich mächtig!

Die Streiks vom Herbst 2025 in der Romandie beweisen: Streiken ist möglich! In Lausanne streikten 1’200 Lehrerinnen und Lehrer über 13 Tage. Davon betroffen waren über 20’000 Schüler und ebenso viele Eltern. Wenn Zehntausende Arbeiter drohen, wegen fehlender Kinderbetreuung nicht mehr zur Arbeit zu gehen, macht das den Kapitalisten Angst – und zwang die Regierung zu Konzessionen. Das beweist die Macht des Streiks.

Gegen den gemeinsamen Feind

Es hilft nicht, wenn jede symbolische Aktion Streik genannt wird. Wenn eine Mutter zu Hause gegen den Partner «streikt», stört das die Kapitalisten nicht. Auch Männer aufzufordern, die Arbeitsschichten von Frauen zu übernehmen (wie das jedes Jahr am Frauenstreik praktiziert wird), schwächt den Frauenstreik. Die Männer werden damit zu Streikbrechern, die die Macht des Streiks untergraben. Profitieren tun allein die Bosse.  

Diese Verwirrungen kommen daher, dass die feministische Führung den Kampf als einen Kampf von Frauen gegen Männer sieht. Die SP-Nationalrätin Funiciello erklärt z.B. häusliche Gewalt als «Männerproblem». Natürlich sind es Männer, die Frauen unterdrücken. Doch Frauen können sich nicht durch den Kampf gegen Männer von der Unterdrückung befreien. Es ist unmöglich, das Übel der Doppelbelastung im Privaten, im Haushalt und innerhalb der Familie zu lösen. Die Lösung liegt ausserhalb: im Klassenkampf! Der gemeinsame Feind von beiden sind die Kapitalisten.

Der Feminismus der Führung ist eine Bremse, weil er Frauen gegen Männer ausspielt, so die Arbeiterklasse spaltet und die eigene Bewegung künstlich klein hält.

Die aktuelle explosive Stimmung unter den Frauen und die Ressourcen der Massenorganisationen, die die Bewegung unterstützen, machen das Ziel des «Care Streik» durchaus realistisch. Für den Erfolg entscheidend ist die Klarheit über das richtige Programm, mit dem die Einheit hergestellt wird und über die Macht, welche diese Einheit mit dem Streik entfalten kann. Für diese Klarheit setzt sich die RKP ein.