Der folgende Text ist ein Auszug aus der Resolution «Aufbau der Organisation 2026», die am kommenden Kongress der RKP diskutiert wird.
Im Gründungsmanifest der RKP von 2024 erklären wir: «Die RKP hat nicht die linksradikale Illusion, linear zu einer Massenkraft anzuwachsen. Wie die ganze Geschichte zeigt, entsteht eine kommunistische Massenpartei nur auf Grundlage von grossen Kämpfen. Die Revolutionäre Kommunistische Partei steht für den ersten Schritt dazu: ein felsenfestes Fundament aus Tausenden von geschulten und aktiven Marxisten aufzubauen, die in Hunderten von Ortsgruppen im ganzen Land organisiert sind – genau mit dem Ziel, in den kommenden grossen Ereignissen mit einer schlagkräftigen kommunistischen Organisation eingreifen zu können. Dies ist das Erbe des Bolschewismus und der Russischen Revolution.»
Wie Lenin und Trotzki in den Jahren nach der russischen Revolution den jungen Revolutionären auf der ganzen Welt unablässig erklärten, entstand der Bolschewismus auf der festen Grundlage der marxistischen Theorie. Der Startpunkt des Bolschewismus war die marxistische Philosophie, d.h. eine kohärente Weltanschauung und die dialektische Methode. Das ist das mächtigste revolutionäre Werkzeug, um sich Orientierung im lebendigen Klassenkampf zu schaffen.
Trotzki betont in «Lehren des Oktobers»: «Der Bolschewismus ist nicht nur Doktrin, sondern ein System revolutionärer Erziehung zum proletarischen Umsturz.» Damit ist der Bolschewismus nicht einfach eine «gute linke Idee» unter vielen. Es ist die gezielte Vorbereitung, damit die proletarische Revolution tatsächlich gewinnen kann. Es geht darum, die Revolutionäre mit allen notwendigen Ideen, Eigenschaften und Methoden auszurüsten – «eine derartige Erziehung, dass sie nicht im Augenblick ihrer Oktoberrevolution versagen.»
Dies ist die grundlegende Funktion einer Kaderpartei: heute eine relativ kleine Anzahl Menschen mit den notwendigen Ideen, Fähigkeiten und Methoden ausstatten, so dass sie morgen in kürzester Zeit eine viel grössere Kraft ausbilden und anführen können, wenn es die Situation verlangt.
Trotzki nannte die Theorie «die Überlegenheit der Voraussicht über die Überraschung». Dabei geht es nicht nur darum, in den stürmischen Zeiten der Revolution die Orientierung zu bewahren und die Arbeiterklasse zum Sieg zu führen. Die eigentliche Bedeutung des Marxismus liegt darin, die notwendigen Kader zu sammeln, zu formen und zu stählen – während Jahren und Jahrzehnten, in denen die Revolution und die kommenden Aufgaben nur für die Marxisten am fernen Horizont zu erkennen sind.
Das ist das grosse Paradox des Klassenkampfs im Kapitalismus: Wenn die Revolution für die meisten Menschen sichtbar wird, ist es zu spät, die Kräfte aufzubauen, die sie zum Sieg führen werden. Wir haben also keine andere Wahl, als den Aufbau unserer Organisation auf der Grundlage einer wissenschaftlichen, marxistischen Perspektive voranzutreiben. Einen anderen Weg gibt es nicht. Wir verfügen zwar über keine Kristallkugel, aber mit dem Marxismus und unseren Perspektiven haben wir das tiefgreifende, wissenschaftliche Verständnis, dass sich der Klassenkampf unter dem Druck der kapitalistischen Krise zuspitzen wird, bis revolutionäre Ausbrüche zunächst möglich, dann wahrscheinlich und schliesslich unausweichlich werden.
Darin besteht der wirkliche Sinn der Rekrutierung und Ausbildung neuer Mitglieder. Wir müssen zu jedem Zeitpunkt im Parteiaufbau die Frage klären: Welche Partei bauen wir auf und mit welchen Methoden? Es geht nicht hauptsächlich um Sitzungen, Lesekreise, Demo-Interventionen und das Bezahlen der Mitgliederbeiträge – auch wenn das alles wichtige Elemente sind. Die tatsächliche Rekrutierung und Konsolidierung für die revolutionäre Partei steht und fällt mit unserer Fähigkeit, die grosse geschichtliche Perspektive lebendig zu vermitteln: den Weg zur Revolution und wie sie gewinnen kann, wenn wir uns mit den korrekten Methoden organisieren und darauf vorbereiten.
Eine Genfer Ortsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, dass ihre Neumitglieder von Anfang an ein aktiver Teil der Organisation sind. Deshalb haben sie mit ihnen sehr bald nach dem Beitritt intensiv die Geschichte der bolschewistischen Partei und die Ziele der RKP diskutiert. Sie haben geklärt, welche Art Partei wir aufbauen. Das Resultat: Es handelt sich um die schnellst wachsende RKP-Ortsgruppe der Romandie.
Wir zitieren einen Neugenossen dieser Ortsgruppe:
«Mein Ziel ist die Revolution, aber eine Revolution, die gewinnt. Dafür müssen wir jetzt die nächsten organisieren. Marxismus ist das Wichtigste, aber wir müssen auch lernen, andere zu überzeugen. Mein Beispiel ist ein Kontakt, der mich gefragt hat, was unsere Position zur iranischen Revolution von 1979 ist. Daran muss ich jetzt arbeiten. Ich muss in all diesen Fragen ein Experte werden, ein Experte der Revolution. Ohne starke Partei, die in der Arbeiterbewegung verankert ist, kann man nicht gewinnen. Diese Arbeit muss jetzt gemacht werden. Wir müssen bereit sein.»
Diese Klarheit streben wir bei allen Genossen an.
Nah-Ost — von Jorge Martín, marxist.com — 08. 05. 2026
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