Der Krieg gegen den Iran hat die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds getrieben und droht nun, sie in die Stagflation zu stürzen. Das bedeutet eine wirtschaftliche Rezession, kombiniert mit hoher Inflation. Dieses neue Risiko kommt zu den bereits bestehenden Spekulationsblasen und der allgemeinen Überproduktion in vielen Sektoren hinzu. Wir nähern uns unaufhaltsam einer neuen Krise mit ähnlichem Ausmass wie der von 2008.

Der Krieg und seine unmittelbaren Folgen

Die Schliessung der Strasse von Hormus verursacht Störungen beim Transport von Erdöl und Erdgas, aber auch von Düngemitteln und zahlreichen anderen lebenswichtigen Waren. Dies löst bereits jetzt einen schweren Schock für die Wirtschaft aus. Die Energiepreise sind über die Marke von 100 Dollar pro Barrel in die Höhe geschossen, das verteuert Transport sowie Produktion und treibt so die allgemeine Inflation an, während gleichzeitig die wirtschaftliche Aktivität gebremst wird.

Der Mangel an Düngemitteln zum kritischen Zeitpunkt der Aussaat stellt ein enormes Risiko für die Ernährungssicherheit in vielen Ländern dar, insbesondere in jenen, die vom Imperialismus dominiert werden und wo die Lage ohnehin angespannt ist. Einige Experten rechnen mit Preissteigerungen von 15 bis 30 % für landwirtschaftliche Produkte innerhalb der nächsten neun Monate. Die UNO warnt, dass im Falle einer Verlängerung des Konflikts über Juni hinaus zusätzliche 45 Millionen Menschen unter Ernährungsunsicherheit leiden werden. Dies wird Massenbewegungen und Revolutionen in den vom Imperialismus unterdrückten Ländern hervorrufen, wie wir sie bereits letztes Jahr erlebt haben.

Eine rasche Erholung ist selbst im Falle eines baldigen Endes des Konflikts ausgeschlossen. Die Wiederöffnung der Strasse von Hormus würde zwar viele derzeit im Persischen Golf blockierte Ladungen freigeben und kurzfristig den Preisdruck mindern. Doch die Öl- und Gasproduktion, die in allen Golfstaaten kriegsbedingt gestoppt wurde, kann nicht so schnell wieder anlaufen. Zahlreiche Infrastrukturen wurden durch Angriffe beschädigt, und selbst stillgelegte unversehrte Anlagen benötigen Wochen, um wieder in Betrieb genommen zu werden.

Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges werden daher andauern, insbesondere in Form von Inflation. Laut dem IWF könnten anhaltend hohe Energiepreise bis zum Jahresende das weltweite Wachstum auf 2,5 % senken, dies wäre der niedrigste Stand seit der Pandemie, und die Inflation auf 5,4 % treiben.

Die Gefahr der Spekulationsblasen

Der Krieg gegen den Iran droht zudem, die in den letzten Jahren entstandenen Spekulationsblasen auf den amerikanischen Finanzmärkten zum Platzen zu bringen.

Im Tech- und KI-Bereich, der nahezu die einzige Wachstumsquelle der US-Wirtschaft darstellt, trifft der Rohstoffmangel die Hersteller von Halbleitern und elektronischen Chips. Insbesondere Samsung (Südkorea) und TSMC (Taiwan), die Nvidia mit Chips beliefern, sind stark von Energie und Helium abhängig, die durch die Strasse von Hormus transportiert werden. Analysten sprechen schon jetzt von einem historischen Anstieg der Chippreise.

Hinzu kommen die voraussichtlichen Investitionsrückgänge in den USA, vor allem im KI-Sektor. In den letzten Jahren standen die Golfstaaten insbesondere in diesem Bereich bezüglich Investitionen an der Spitze und bauten zahlreiche Rechenzentren. Einige von diesen Zentren wurden nun durch den Krieg zerstört. Die Golfstaaten werden zukünftig ihre Investitionen reduzieren müssen, was zwangsläufig zu einem wirtschaftlichen Rückgang führen wird. Dies könnte wiederum die KI-Blase zum Platzen bringen.

Doch damit nicht genug. In den letzten Monaten mussten zahlreiche Fonds, die im Bereich der Privatkredite tätig sind (und somit nicht wie Banken reguliert werden) bereits teilweise die Auszahlungen an ihre Kunden sperren. Diese wollten sich angesichts aufkommender Ängste aus dem Markt zurückziehen, weil mehrere Unternehmen, die von solchen Fonds Kredite bezogen haben, Bankrott gegangen sind. Auch hier könnten Inflation und wirtschaftlicher Abschwung die Zahl der Konkurse vervielfachen und eine neue Finanzkrise im Stil von 2008 auslösen.

Eine solche Krise würde sich wiederum in eine Staatsschuldenkrise verwandeln, da die zurzeit schon hochverschuldeten Staaten gezwungen wären, Rettungsprogramme für die für die Banken und Konzerne  aufzustellen. Auch in diesem Punkt ist die Lage bereits angespannt. Allein im Hinblick auf mögliche Massnahmen zur Senkung der Benzinpreise fordert der IWF die europäischen Länder auf, an strenger Budgetdisziplin festzuhalten und eine weitere Verschuldung zu vermeiden.

Die Wirtschaft steckt bereits in der Krise

Die Wahrheit ist: Dieser Krieg trifft auf eine Weltwirtschaft, die sich bereits in der Krise befindet. Mit dem ansteigenden Protektionismus und den wachsenden Spannungen zwischen den imperialistischen Mächten, die auch den Krieg gegen den Iran hervorgebracht haben, zerfällt die Weltwirtschaft zunehmend, und die Abhängigkeit jeder nationalen Wirtschaft vom Weltmarkt tritt offen zutage. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine weltweite Rezession ausbricht, mit oder ohne Krieg im Iran.

Der protektionistische Kurswechsel ist nicht einfach ein Fehler in der internationalen Politik. Die Weltwirtschaft steckt in einer allgemeinen Überproduktionskrise, für die es im Rahmen des Kapitalismus keine Lösung gibt. In vielen Branchen übersteigen die globalen Produktionskapazitäten längst das, was der Markt aufnehmen kann. Jeder Imperialismus versucht daher, seine Profite zu schützen und die Krise auf seine Konkurrenten und auf die Arbeiter im eigenen Land und weltweit abzuwälzen: Zölle werden erhoben, Handelskriege entfacht und Kriege geführt.

In der Petrochemie etwa haben südkoreanische und japanische Kapitalisten ihre eigenen Investitionen und Produktion zurückgefahren, da sie nicht mehr mit den neuen Anlagen in China konkurrieren konnten. Dieser Prozess beschleunigt sich nun durch den Mangel an Naphtha, einem entscheidenden chemischen Rohstoff, den Japan und Südkorea aus dem Nahen Osten bezogen, während China ihn aus Russland erhält. Dasselbe Muster zeigt sich in allen Sektoren, in denen China einen Grossteil der Waren produziert, die für die weltweite Nachfrage notwendig sind, beispielsweise beim Stahl oder Batterien.

Mangels rentabler Investitionsmöglichkeiten konzentrieren sich die Kapitalisten auf die Sektoren, die die höchsten Gewinne versprechen, und jagen fieberhaft dem kurzfristigen Profit hinterher. Die bereits erwähnten japanischen und koreanischen Kapitalisten haben sich in der Hoffnung auf schnelle Gewinne vollständig in den Tech-Sektor gestürzt. So wachsen Spekulation und Blasen weiter und drohen, einen neuen Zusammenbruch des Finanzsystems auszulösen.

Diese Situation betrifft auch die Schweiz unmittelbar. Die UBS ist auf dem Markt für private Kredite aktiv und gehört zu jenen Fonds, die Auszahlungen an ihre Kunden einschränken mussten. Selbst die Nationalbank ist stark der KI-Blase ausgesetzt. Eine Finanzkrise würde daher auch die Schweiz direkt treffen.

Zündstoff für den Klassenkampf

All dies ist nichts als eine Flucht nach vorn. Weder die Kapitalisten noch ihre Regierungen sind in der Lage, die Überproduktionskrise zu beenden. Sie ist in der DNA des Kapitalismus. Der herrschenden Klasse bleibt nichts anderes übrig, als die Arbeiterklasse durch Mangel und Inflation zur Kasse zu bitten. Während Rohstoffspekulanten und Banken auf dem Rücken der Instabilität Rekordprofite einfahren, verlangen sie von den Arbeitern, für alles mehr zu zahlen, im Mangel zu leben und die Krisen ihres Systems zu tragen.

Doch mit der Krise kommt der Klassenkampf. Immer wieder hat sich die Arbeiterklasse in den letzten Jahren weltweit erhoben, um ihre Lebensbedingungen zu verteidigen, von den Massenbewegungen der Gen Z bis nach Minneapolis. Die herrschende Klasse entfacht ein Feuer, das sie nicht löschen kann und das sie am Ende selbst verschlingen wird.