Am diesjährigen Tag der Arbeit gingen schweizweit Zehntausende auf die Strasse. Die grösste Demo fand in Zürich statt. Dort nahmen unter dem Motto «Blocchiamo tutto!» 15’000 Leute teil.
Die RKP war mit 230 Genossen in elf Städten präsent – vom Tessin bis in die Ostschweiz. In Zürich, Bern, Basel und Genf mit kommunistischen Demo-Blocks.
Mit unserem Slogan «Kriegstreiber und rechte Hetzer stürzen – Weltrevolution, Kommunismus!» stiessen wir auf offene Ohren: Wir haben 580 Stück unserer Zeitung «Der Kommunist» verkauft, dazu 57 marxistische Bücher oder Broschüren und sind mit 125 neuen Interessierten in Kontakt. Ein voller Erfolg!
Voraussetzung dafür war politische Klarheit in den drängendsten Themen. Im Iran befeuern die westlichen Imperialisten nicht nur die nächsten Wirtschaftsschocks, sondern damit auch den Unmut gegen sich selbst. Mit rassistischen Hetzkampagnen versuchen sie, diesen gegen Ausländer zu lenken und die Arbeiterklasse zu spalten.
In der Schweiz macht dies die SVP. Mit ihrer 10-Millionen-Initiative macht sie Ausländer für steigende Mieten, kaputte Schulen und den allgemeinen Niedergang der Schweiz verantwortlich.
Die Initiative war denn auch Gesprächsthema Nummer eins. Viele kamen, um gegen die SVP zu kämpfen: «SVP: Schweine-Partei» stand auf dem Karton einer jungen Schülerin. «Die SVP sorgt sich nicht um Büezer, sondern Bonzen. Sie ist eine FDP in noch rassistischer», meinte einer.
Das stimmt. Doch daraus folgte die wohl brennendste Frage des Tages: Warum sind dann die meisten (v.a. ärmeren) Arbeiter laut Umfragen für die Initiative?
Erstens, weil die SVP die drängenden sozialen Probleme und den Unmut auf das Establishment aufnimmt – und dann gegen Ausländer richtet. Zweitens, weil es die Linke völlig verpasst, diesen Unmut gegen die wahren Schuldigen zu richten: Die Grosskonzerne, deren Interessen die SVP besonders aggressiv verteidigt.
Genau das erklärten wir lautstark mit verschiedenen Reden und sichtbar auf unseren Schildern. Dort stand unter anderem:
Damit stiessen wir auf breiten Anklang. In Zürich, wo die Wohnkrise besonders akut ist, stimmten uns viele zu, dass die grössten Immobilienbesitzer enteignet gehören. Petitionen haben nichts gebracht. Es braucht Enteignung und Planung. So könnten über Nacht Tausende Wohnungen in städtische Wohnungen umgewandelt und die Mieten halbiert werden. Das deutet die riesige Nachfrage nach konsequenter Klassenpolitik an, die bereits heute besteht. Von einer solchen würden sich auch viele SVP-Wähler überzeugen lassen.
Für konsequente Klassenpolitik braucht es eine revolutionäre, also eine genuin marxistische Partei. Dass wir diese aufbauen, ist auch im NZZ-Liveticker zu lesen. Dort steht: «Am Umzug in Zürich ist auch die RKP. Mit der stalinistischen Partei der Arbeit habe man wenig gemein. Man verfolge einen trotzkistischen Ansatz: Rätedemokratie, sozialistische Planwirtschaft unter Kontrolle der Arbeiter.»
Genau danach haben Hunderte Jugendliche am 1. Mai gesucht. Sie kamen alleine oder in kleinen Grüppchen, um sich politisch zu organisieren. In Genf stiessen wir auf eine Gruppe, die Marx liest und sich regelmässig trifft. Denn: «Falls Mélenchon die nächsten Wahlen gewinnt, beginnt eine vorrevolutionäre Phase in Frankreich. Darauf müssen wir uns jetzt vorbereiten.»
In Zürich lernten wir einen jungen Lehrling kennen. Es war seine erste grosse Demo. Er war extra aus dem Kanton Thurgau angereist und stand voller Begeisterung mit der Videokamera am Strassenrand. In seinem später veröffentlichten Video sagt er: «Ich wusste nicht, welchem Block ich mich anschliessen sollte – also stand ich wie ein Idiot am Rand.»
Als dann unser 60-köpfiger Block kam, fühlte er sich angezogen von den Parolen und wurde angesprochen von den Genossen. Die Diskussionen hinterliessen offenbar Eindruck – so schafften es zwei unserer Genossen mit Kurz-Interviews in sein Video. Er sagt: «Ich fand sofort meinen Platz im RKP-Block, also sang ich die Parolen mit». Er kam mit zu unserem Stand, kaufte sich zwei Bücher, die er «definitiv lesen werde» und verabschiedete sich «für heute» von der RKP.
In Bern kam ein Schüler auf uns zu, der explizit eine kommunistische Organisation suchte. Bereits am Montag war er an seiner ersten Ortsgruppen-Sitzung, an der er beitrat und sich dabei wie folgt vorstellte: «Ich bin ein normaler Teenager. Ich mache Musik, hasse Unterdrückung und will die Revolution.»
Was die Perspektiven der Revolution sind und wie wir uns darauf vorbereiten – das klären wir am nationalen RKP-Kongress vom 14. bis 17. Mai in Bern Mai. Hoffentlich mit frischen Gesichtern vom 1. Mai. Melde dich jetzt an!
Berichte & Rezensionen — von Dario Dietsche, Bern — 05. 05. 2026
Perspektive — von Caspar Oertli, Redaktion — 29. 04. 2026
Kunst & Kultur — von Michelle Bogatov, Freiburg — 29. 04. 2026