Nach Serbien fordern jetzt auch die albanischen Massen den Sturz ihrer Regierung. Wie können die Bewegungen siegen?

Seit Anfang Juni protestieren täglich Tausende auf den Strassen Albaniens. Die mafiöse Regierung Edi Ramas bewilligte zuvor den Bau eines Luxusresorts im artenreichen Naturschutzgebiet Vjosa-Narta und auf der Insel Sazan. Für den Trump-Clan und die Epstein-Klasse biegt und bricht Rama Gesetze und tritt Menschen und Natur mit Füssen.

Obwohl die Landrechte juristisch umstritten sind, zerstören Bagger bereits wertvolle Ökosysteme. Einheimische wehrten sich gegen die illegale Bautätigkeit und Einzäunung ihres Landes. Dabei verprügelten private Sicherheitsleute einen Demonstranten. Als zornige Antwort darauf brach die «Flamingo-Revolution» aus, benannt nach den bedrohten Vögeln.

Die Proteste drehen sich aber um weit mehr als Naturschutz und Landraub. Demonstranten beschreiben ihr Ziel als die «komplette Beseitigung der politischen Klasse», die «seit 36 Jahren ihren Fuss auf unserem Nacken hat». Es geht um die Zukunft des Landes. Die Menschen rufen «Revolution! Revolution!». Es ist die grösste Massenbewegung Albaniens seit der Revolution von 1997

Die Ereignisse in Albanien sind spezifisch, doch nicht isoliert. Auf dem ganzen Balkan war von 1945-90 die Wirtschaft verstaatlicht. Doch die stalinistischen Bürokratien bauten nicht den Sozialismus auf. Sie legten die Grundlage für die Wiedereinführung des Kapitalismus. Die Imperialisten stürzten sich nach 1990 auf die Filetstücke der Region. Die USA und EU verkauften das lange als Demokratieförderung. Heute konzentrieren sie sich noch stärker – und offener – auf ihre nackten ökonomischen Interessen. Der Westen fürchtet den Einfluss Russlands und Chinas.

Viele Balkanländer wurden in die EU und die NATO aufgenommen. Kroatien und Bulgarien führten kürzlich gar den Euro ein. Aber durch die Integration schlagen sich nun alle globalen Probleme auf dem Balkan doppelt und dreifach nieder. Die Wut auf die lokalen Oligarchen und die Imperialisten äussert sich zunehmend in Revolutionen und Massenbewegungen.

Revolutionäre Konsequenzen

Wie auf der ganzen Welt ist auch hier die Jugend zuvorderst. Diese Generation erlebt die Perspektivlosigkeit jeden Tag und kann sie nicht akzeptieren. Antrieb ihres Drangs nach Veränderung ist die Sackgasse des heutigen Kapitalismus. Korruption und Gewalt von oben sind dabei die direktesten Radikalisierungsgründe.

Ursache dieser Phänomene ist die brutale Wiedereinführung des Kapitalismus in der Region, die mehrere barbarische Kriege erforderte. Staatliche Industrien wurden privatisiert und zerstört. Resultat davon sind Massenabwanderung und völlige Abhängigkeit vom Tourismus. Die lokalen Kapitalisten rechtfertigen alles immer mit einem bevorstehenden Aufschwung ihrer Nation zum «Tiger des Balkans». Der Aufschwung machte einige wenige sehr reich und viele arm. Genossen der RKP waren im Juni in Albanien. Ein Kellner erzählte ihnen: «Ich bin überrascht, dass die Menschen erst jetzt auf die Strasse gehen. Die Wut ist schon lange da.»

Das Vertrauen in die Institutionen und Eliten war nie gross. Doch im aktiven Kampf um die Macht lernen die Massen sehr bewusst, was nötig ist. Alle Politiker, der Staatsapparat und die Oligarchen müssen weg. Es heisst wir gegen sie!

Ära der Revolutionen

In vielen Ländern am Balkan sieht man diesen Prozess. Das beste Beispiel bleibt die Revolution in Serbien. Ihr Ausbruch im November 2024 überraschte alle. Sie richtete sich gegen das ganze Establishment und vereinte Menschen über religiöse und nationale Spaltung hinweg. Sie errichtete Rätestrukturen und Hunderttausende trotzten staatlicher Gewalt in den Strassen. Der Sturz der Regierung war 2025 mehrmals reale Möglichkeit.

Doch die Führung der Revolution verrannte sich in der Forderung nach Neuwahlen. Durch die politische Verwirrung wurde ihr Programm praktisch identisch mit dem der verhassten liberalen Opposition. Diese Schwäche erlaubte es der Regierung, bei den Lokalwahlen im März mit Fälschung und Gewalt davonzukommen. Die Massen in Serbien und Albanien müssen von den Gen-Z-Revolutionen des letzten Herbstes lernen: Ein Sturz der Regierung ohne den Sturz des Kapitalismus löst kein einziges Problem.

In der Region wurde der Kapitalismus 1945 schon einmal abgeschafft durch die sozialistischen Revolutionen. Das bedeutete grosse Fortschritte. Eine siegreiche Revolution in einem Land am Balkan würde den Massen in den Nachbarländern zeigen, wie es geht und die Imperialisten in Panik versetzen. Wahre Demokratie kann nur dadurch erreicht werden, dass die arbeitenden Massen die Macht bewusst in die eigenen Hände nehmen. Dazu wird es viele Möglichkeiten geben. Die Voraussetzung für den Sieg ist eine Partei mit kommunistischem Programm. Die RKI kämpft für eine sozialistische Föderation des Balkans als Teil der sozialistischen Weltrevolution. Eine demokratische Planwirtschaft würde sicherstellen, dass die Schätze der Region nicht zum Verkauf stehen.