Mit 77’284’118 Stimmen hatte Trump ein gutes Wahlresultat und die anfängliche Flut von Dekreten und aggressiven Massnahmen erweckte den Anschein eines energischen Machers. Linke und Liberale liessen sich davon beeindrucken und beklagten die angebliche Übernahme des Faschismus.
Wir erklärten hingegen, dass die breite Unterstützung für den Milliardär paradoxerweise eine berechtigte Wut gegen den Status quo ausdrückten. Trump musste die in ihn gesetzten Hoffnungen enttäuschen, was heute Meinungsumfragen belegen. Während bei Amtsantritt noch eine Mehrheit der Amerikaner zufrieden war mit Trump, sind es jetzt nur noch 38 %.
Alle seine Pläne sind Trump um die Ohren geflogen und haben Sektoren seiner Wählerschaft vergrault. Die Zolloffensive des «Liberation Day» versprach die US-Industrie wiederzubeleben und gut bezahlte Jobs zurückzubringen. Stattdessen paralysiert sie die Wirtschaft und befeuert die Inflation. 70 % der Amerikaner, dass sich ihre Einkäufe wegen der Zölle verteuert haben, wie der britische Guardian berichtet.
Unfähig die wirtschaftlichen Probleme zu lösen, setzte Trump auf Polizeiterror gegen Migranten. Brutale ICE-Razzien in den Grossstädten zogen zwischenzeitlich alle Augen auf sich. Das provozierte einen de facto Generalstreik in Minneapolis. Trump musste sich zurückziehen und den ICE-Kommandant Gregory Bovino absetzen. Die reaktionäre Migrationspolitik ist so unbeliebt, dass das Weisse Haus die Republikaner anweist, nicht mehr über Massenausschaffungen zu sprechen.
Während des Wahlkampfes hatte Trump den Epstein-Skandal genutzt, um sich vom politischen Establishment abzugrenzen. Im Amt versuchte Trump, die Akten unter den Tisch zu kehren. Erst unter öffentlichem Druck musste er einen Teil veröffentlichen. Politisch hat ihm der Epstein-Skandal so geschadet, dass Trump Anfang April Justizministerin Pam Bondi feuern musste.
Der jüngste Rückschlag für Trump ist sein Krieg gegen den Iran. Nach dem erfolgreichen Angriff auf Venezuela hoffte er auf eine rasche aussenpolitische Machtdemonstration. Diese Wette droht schlimmer nach hinten raus zu gehen als alle anderen und der Krieg ist enorm unbeliebt.
Trump ist unfähig seine Versprechen einzuhalten und die Probleme der US-Arbeiter zu lösen. Er bleibt ein kapitalistischer Politiker, der den Niedergang des US-Imperialismus verwaltet. Deshalb richtet sich der Klassenhass zunehmend gegen ihn. Die Trump-Regierung ist schwach und hätte keine Chance, die faschistische Diktatur zu errichten, die Liberale überall sehen.
Umfrage nach Umfrage belegt, dass Trump die Unterstützung der breiten Schichten verloren hat, die ihm 2024 den Wahlsieg eingebracht haben, insbesondere von Jungen, Frauen und ethnischen Minderheiten. Der «Rechtsrutsch» erweist sich als Fiktion.
Zudem zeigt eine Befragung des reformistischen Jacobin Magazins, dass ein Fünftel der Trump-Wähler bei den nächsten Präsidentschaftswahlen keinem Republikaner mehr die Stimme geben wird. Und je tiefer das Einkommen und das Bildungsniveau, desto wahrscheinlicher ist das. Deshalb schlussfolgert Jacobin: «Die Arbeiter verlassen die Trump-Koalition.»
Auch innerhalb des harten Kerns der «Make America Great Again»-Anhänger rumort es. Prominente MAGA-Figuren wie Tucker Carlson oder Marjorie Taylor Greene sind in Opposition zum Präsidenten getreten. Die Basis von etwa 25 % der Bevölkerung hält noch zu Trump, aber es ist unklar, wie lange noch.
Die Nachfrage nach einer völlig anderen Politik ist gewaltig. Seit Jahren sagen mehr als 60 % der Amerikaner, dass es eine dritte Partei braucht, weil sie sich weder von Demokraten, noch von Republikanern vertreten fühlen. Letztes Jahr hat das Center for Working-Class Politics das Potential einer neuen Arbeiterpartei im deindustrialisierten Rust Belt gemessen. Das Ergebnis belegt, wie enorm das Potential für eine unabhängige Politik der Arbeiterklasse ist: 57 % der Befragten waren dafür, und nur 19 % gegen eine solche Partei.
Die Demokraten tun weiterhin alles, um den Unmut über Trump und die Krise des US-Kapitalismus in harmlose Bahnen zu lenken. Aber diese Partei der Reichen ist noch unbeliebter als Trump, und das zu Recht. Die Arbeiterklasse ist also in ihrer Suche nach einem radikalen Ausweg auf sich alleine gestellt.
Auf der politischen Ebene treten neue Populisten auf wie Zoran Mamdani in New York oder James Talarico in Texas. Sie sprechen über die Lebenskostenkrise und positionieren sich in Opposition zu den Milliardären. Ohne mit den etablierten Parteien und dem Kapitalismus zu brechen, haben sie aber auch keine Lösung. Schliesslich werden einige Arbeiter auch versuchen, individuelle Lösungen mit Gewalt zu erzwingen. Einen Vorgeschmack darauf gab uns Chamel Abdulkarim aus Kalifornien. Anfang April brannte er die Papierfabrik nieder, die ihm nicht genug Lohn zum Leben zahlte.
Es ist atemberaubend, wie rasch sich das Bewusstsein der US-Arbeiterklasse in den letzten 20 Jahren verändert hat. Trump war nur die jüngste Etappe und mit seinem Fall wird die politische Situation noch explosiver. Eine Umfrage des liberalen Cato-Instituts bestätigt, dass 34 % der Jungen und 28 % der Bewohner grosser Städte ein positives Bild des Kommunismus haben. Unter diesen Schichten organisieren die Revolutionary Communists of America den ersten Kern für den Sturz des US-Imperialismus.
Nordamerika — von Lukas Nyffeler, Bern — 13. 05. 2026
Schweiz — von Sereina Weber, Genf — 12. 05. 2026
Nah-Ost — von Jorge Martín, marxist.com — 08. 05. 2026