Nachdem er alles versucht hatte, um es hinauszuzögern, war Trump aufgrund des öffentlichen Drucks dazu gezwungen, die Epstein-Akten zu veröffentlichen. Die Akten brachten einen der grössten Skandale der Pädokriminalität unserer Zeit ans Licht und zeigten den Horror, der jeden Tag von den Reichsten dieser Gesellschaft straflos verübt wird.
Die Akten enthüllen die tatsächliche Funktionsweise des Kapitalismus und seiner Institutionen und wie es bereits vermutet wurde, machen sie vor der Schweiz nicht halt. Wenn man sich die Akten anschaut, bleibt nichts als das trostlose Gefühl, dass man zwar nicht überrascht, aber dennoch entsetzt ist.
Das erste, was schockiert, aber nicht überrascht, ist das Ausmass des Skandals: Minister aller politischen Ausrichtungen und aller Länder, Königsfamilien, bekannte Künstler und alle möglichen anderen bekannten Personen hatten Kontakt zu Epstein.
Epstein ist ein Produkt des aktuell verrotteten kapitalistischen Systems, aber er ist auch die Personifizierung dieses Systems. Die heutige herrschende Klasse treibt die Gesellschaft nicht mehr mit der Entwicklung der Wissenschaften und der Produktion voran, sie ist nur ein Parasit, welcher den kurzfristigen Profit in Spekulation sucht. Dies spiegelt sich in ihrer Moralität: sie werden immer gieriger und egoistischer.
In diesem Kontext werden Menschen wie Epstein besonders einflussreich, denn mit Kontakten hinter den Kulissen sowie unterhändigen Informationen lassen sich Geschäfte am lukrativsten verrichten und die Belange der herrschenden Klasse am praktischsten regeln.
Er handelte wie ein Parasit auf dem Rücken einer selbst parasitären herrschenden Klasse. Steinreich geworden durch reine finanzielle Spekulation erschuf er nie etwas von Nutzen für die Menschheit, doch konnte er seine Kontakte teuer verkaufen, was ihm den nötigen Schutz und das Geld verschaffte, um seine Aktivitäten als Sexualstraftäter ungestraft auszuführen.
Trotz der sich häufenden Beweise haben seine Unterstützer jegliche Ermittlungen gegen ihn systematisch verhindert und ihm sogar dabei geholfen, sein öffentliches Image wiederherzustellen. Steve Bannon, Ex-Berater von Trump, schlug Epstein zum Beispiel vor, eine Dokumentation auf seiner Insel zu drehen, um der Welt zu zeigen, dass er nie etwas getan hätte.
Diese Angelegenheit offenbart die Psychologie der herrschenden Klasse.
Für diese Menschen sind die jungen Frauen und Kinder wie eine teure Weinflasche, um einen lukrativen Vertrag zu feiern. Ein Grossteil seines Klientels schätzte diese missbräuchlichen «Dienstleistungen» und fühlte sich diesbezüglich von Epstein angezogen, andere lehnten höflich ab und überliessen diese «Extravaganzen» denen, denen sie gefielen, profitierten aber dennoch von seinen anderen Diensten. Schon beim blossen Lesen der Akten und beim Tonfall, den Epstein und seine Freunde anschlagen, wenn sie über die Leben sprechen, die sie zerstört haben, wird die abgrundtiefe Kluft zwischen den heuchlerischen Pseudo-Emotionen der Bourgeoisie und der aufrichtigen Abscheu deutlich, die die Arbeiter angesichts dieser Affäre empfinden.
Das zweite, was widerwärtig, aber nicht überraschend ist, ist dass die gesamte herrschende Klasse heute vorgibt, sich im Angesicht Epsteins Verbrechen zu empören, obwohl diese Taten ihr seit über dreissig Jahren bekannt sind.
Bereits in den 90er Jahren gingen beim FBI Beschwerden gegen Epstein ein, unternommen wurde jedoch nichts. Selbst als er aufgrund der Vielzahl der Fälle 2007 verurteilt wurde, glichen seine «Haftbedingungen» denen eines Luxushotels, und seine Handlungen wurden in keiner Weise eingeschränkt. Während der Finanzkrise von 2008 verhandelte Epstein in Ruhe vom «Gefängnis» aus die Rettung der amerikanischen Banken durch den Staat, welche zur Folge zehn Millionen Amerikaner ihre Häuser und neun Millionen ihren Arbeitsplatz kostete.
Der Unterschied zwischen der Behandlung dieses mehrfach vorbestraften systematischen Kinderschänders und der Behandlung gewöhnlicher Menschen, die kleine Straftaten begangen haben, ist frappant. Die Justiz zeigt offen, dass sie nur zur Bewahrung des Status quo dient und die Reichen mit ihren Verbrechen laufen lässt. Für die Armen aber ist sie jedes Mal unerbittlich, wie insbesondere die Angehörigen der Brandopfer von Crans-Montana wissen, die von der SBB mit einer Busse belegt wurden, weil sie vergessen hatten, ihre Zugfahrt zum Krankenhaus zu bezahlen.
Die «unabhängige» Justiz und die Polizei, aber auch das Parlament und die Wahlen sind nur ein grosses Theater für die Massen, welche dazu dienen, die Verbrechen der Reichen und die Verhandlungen hinter den Kulissen verschleiern. Die Tatsache, dass Epstein nicht nur Mitglieder des Justizsystems, sondern auch Politiker «aller politischen Lager» zu seinen Kontakten zählte, zeigt die Realität der bürgerlichen «Demokratie».
Nur der Druck der Öffentlichkeit durch die Me-Too-Bewegung erzwang die Verurteilung Epsteins im Jahr 2019. Derselbe Druck der Arbeiterklasse verpflichtet Trump heute, die Akten zu veröffentlichen und zwingt manche Länder, Ermittlungen zu eröffnen. Die Mobilisation der Massen ist somit die einzige Waffe, welche wir besitzen, um die herrschende Klasse und deren Staat zu irgendetwas zu zwingen.
Ohne Mobilisierung der Massen wird die Justiz (und der Staat im Allgemeinen) wie immer einen grossen Zirkus organisieren, um die Massen glauben zu lassen, dass etwas geschieht, um solche Verbrecher zu bestrafen. Einige Sündenböcke werden hinhalten, aber die Situation wird unverändert bleiben.
In der Schweiz weigern sich die Staatsanwaltschaft und die Bundespolizei weiterhin, Ermittlungen einzuleiten. Der Bundesrat nimmt eine feige Haltung des Schweigens ein, und die bürgerlichen Parteien (SVP und FDP) tun die Angelegenheit mit einer Handbewegung ab. Es ist jedoch klar, dass Epstein enge Beziehungen zur Schweiz pflegte.
Er verfügte über Konten bei der UBS und bei der HSBC, welche nach seiner Verurteilung 2019 nicht geschlossen wurden, und er hielt sich gelegentlich in Genf und St. Moritz auf. Er hatte regelmässigen Kontakt mit Ariane de Rothschild, CEO der Genfer Rothschild Bank, welcher er dabei geholfen hatte, ein Steuerabkommen mit den USA zu schliessen.
Eine 2016 für die UBS in Zürich arbeitende Russin soll laut der NZZ und dem Sonntags-Blick als Rekrutiererin der Opfer von Epstein tätig gewesen sein. Eine ehemalige Teilnehmerin der Miss Schweiz-Wahl gibt ebenfalls an, mit ihm Kontakt gehabt zu haben, als sie 20 Jahre alt war, bevor sie diesen abbrach, weil sie Angst vor der toxischen Dynamik des «Mentorings» hatte, welches er ihr anbot. Die Schweiz war somit auch ein Jagdgebiet von Epstein.
Auf dieselbe Weise wie der Schweizer Staat nichts unternommen hat, um die Katastrophe von Crans-Montana zu verhindern (siehe Der Kommunist Nr.18 oder kommunismus.ch), zeigt er hier, wie unfähig er ist, Opfer des Sexhandels zu schützen. Schlimmer noch, er schafft einen Rahmen, in dem jegliche, auch vorbestrafte Kapitalisten ihr Geld investieren können, und versucht, die Wahrheit zu verbergen, wenn sie für alle sichtbar wird.
Ein dritter zentraler Aspekt des Epstein-Skandals ist, wie stark er das Interesse und die Empörung der arbeitenden Massen geweckt hat und inwiefern dies ein wichtiger Faktor in der politischen und sozialen Destabilisierung ist.
In der Vergangenheit dachten gewöhnliche Menschen in den westlichen Ländern mehrheitlich, dass die herrschende Klasse zwar schlechte Politik machte und mehr oder weniger korrupt war, aber wenigstens war das Leben noch tolerierbar. Was sich derzeit ändert, ist, dass dieser Skandal, in dem die gesamte internationale herrschende Klasse verwickelt ist, in einer Zeit ans Licht kommt, in der die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse ständig angegriffen werden und sie zunehmend das Vertrauen in die Institutionen des kapitalistischen Systems verliert.
Während unsere Lebensbedingungen immer unerträglicher werden und die Jugend Hoffnung in die Zukunft dieses Systems verliert, wirft uns die herrschende Klasse ihren obszönen Reichtum, ihre Superyachten und ihre Privatjets ins Gesicht. All das, wie auch ihre totale Gleichgültigkeit gegenüber Epsteins Verbrechen, an welchen sie noch dazu beteiligt war. Jetzt fordert die internationale Arbeiterklasse Gerechtigkeit. Trump versuchte demagogisch an diese Wut anzuknüpfen und nutzte die Veröffentlichung der Akten für seine Wahlkampagne. Jedoch setzte er dabei Kräfte frei, welche er nicht kontrollieren konnte. Als er an die Macht kam, hat er dieses Versprechen gebrochen und damit seine Verwicklung in diesen Skandal offenbart. Er verliert deswegen immer mehr Rückhalt bei seinen Unterstützern, auch weil er sein Versprechen einer Senkung der Lebenskosten nicht gehalten hat.
Es scheint sich vor den Augen der Massen zu verdeutlichen, dass der wahre Feind eigentlich die Epstein-Klasse ist, diese herrschende Klasse, deren Klasseninteresse ihre vermeintlichen ideologischen Spaltungen überwindet und die vor allem ihr Recht verteidigt, die Welt zu beherrschen und die Massen auszubeuten, ganz im Stil der degenerierten römischen Adeligen der Antike.
Dieses Bewusstsein hat ein explosives Potenzial. Die Aufteilung unserer Gesellschaft in zwei Klassen wird immer sichtbarer. Somit wird es für die Arbeiterklasse immer offensichtlicher, dass sie sich vereinen und ihre eigenen Spaltungen überwinden muss, um geeint die internationale Epstein-Klasse zu stürzen.
Epstein zwang viele seiner Opfer zu sexuellen Handlungen, indem er drohte, die Finanzierung der medizinischen Kosten für ihre schwer kranken Angehörigen einzustellen. Weil diese Menschen unbegreiflich Reich sind und die Produktionsmittel besitzen, können sie junge Frauen und Kinder ausnutzen, die durch das kapitalistische System in einer absoluten Perspektivlosigkeit gehalten werden.
Somit ist der einzige Weg, diesen Monstern Einhalt zu gebieten, dem System, welches sie hervorbringt, ein Ende zu machen. Ein Skandal wie die Epstein-Akten ist nur in einem System möglich, in dem eine kleine Minderheit den gesamten Reichtum konzentriert und die gigantische, in konstanter Prekarität lebende Mehrheit ausbeutet. Es ist notwendig, die Epstein-Klasse ihres gesamten Reichtums zu enteignen und diesen unter die kollektive Kontrolle der Arbeiter zu stellen.
Wir von der RKP kämpfen für diese Perspektive: Nieder mit der Epstein-Klasse, Gerechtigkeit für alle Betroffenen, Revolution gegen die Milliardäre!
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