Am Dienstag, dem 10. Februar, veranstaltete die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes (VPOD) in Genf einen Gewerkschaftstag mit dem Titel: «Welche strategische Ausrichtung für die SSP?» An diesem Tag nahmen etwa 25 Personen teil, darunter zwei unserer Genossen, die ebenfalls Gewerkschaftsmitglieder sind. Es handelte sich dabei überwiegend um traditionelle Aktivisten des VPOD, aber auch um eine Handvoll junger Arbeiter.

Im Rahmen einer Diskussion über die künftigen Prioritäten der Gewerkschaft wurde der klare Wunsch geäussert, die für die Sozialpartnerschaft aufgewendeten Ressourcen zu reduzieren, um die Organisation des Kampfes und die Mobilisierung der Arbeiter zu stärken. Im Zusammenhang mit Arbeitskonflikten plädierten die Aktivisten für eine Gewerkschaft, die ein Instrument des Kampfes und keine Rechtsschutzversicherung ist, indem die Ressourcen des Apparats auf die gewerkschaftliche Organisation und die Begleitung von Kollektivfällen statt von Einzelfällen verschoben werden. 

Dies ist eine bedeutende Entwicklung im Land des Arbeitsfriedens. Die fortschrittlichsten Schichten der Arbeiterklasse kommen heute zu dem Schluss, dass Verbesserungen ohne einen erbitterten Kampf gegen die Bosse und ihren Staat nicht mehr zu erreichen sind. Die Zeiten, in denen einfache Verhandlungen ausreichten, um Zugeständnisse zu erwirken, sind vorbei.

Ende 2025 wurde vom VPOD-Waadt eine gross angelegte Streikbewegung durchgeführt. Die Erfahrungen des öffentlichen Dienstes im Kanton Waadt standen natürlich wieder im Mittelpunkt der Diskussionen, da sie gezeigt haben, dass es möglich ist, Tausende von Arbeitern zu organisieren und einen Kampf gegen die Regierung zu führen, unter anderem durch unbefristete Streiks in den Schulen (siehe Der Kommunist 17 und 18).

Diese inspirierenden Erfahrungen sollten als Vorbild für den Kampf überall sonst dienen. Denn auch in Genf geht der Kampf gegen die Sparpolitik weiter, da für das Frühjahr neue Kürzungen angekündigt wurden. Bislang war der Kampf hier schwächer als im Kanton Waadt und beschränkte sich auf vereinzelte Aktionstage und Appelle an die Regierung. Im Mittelpunkt der Diskussion stand daher die Frage, wie man die Lehren aus dem Kanton Waadt übernehmen und umsetzen kann, um eine ähnliche Bewegung in Genf aufzubauen. Der VPOD könnte in diesem Prozess eine beschleunigende Rolle spielen, insbesondere wenn seine Erfahrungen aus dem Kanton Waadt weitergegeben und richtig umgesetzt werden.

Die Zukunft der Gewerkschaft hängt von ihrer politischen Klarheit und ihrer Kampfbereitschaft ab. Als Kommunisten werden wir jede Initiative des VPOD, die in die richtige Richtung geht, enthusiastisch unterstützen, gleichzeitig aber auch die Notwendigkeit eines breiteren Kampfes für die Erneuerung der Gewerkschaften in der Schweiz und ihre Rückeroberung durch die Arbeiter betonen.