US-Präsident Donald Trump will Grönland übernehmen. Er behauptet, er werde den Grönländern Frieden und Unabhängigkeit bringen. Das ist offensichtlich eine Lüge.

Wenn Trump sagt, dass die USA Grönland besitzen müssen, drückt er damit nicht nur seine eigene Laune aus, sondern die Interessen des US-Imperialismus. Die USA können es sich nicht leisten, dass ihre Rivalen – Russland und insbesondere China – Einfluss in Grönland gewinnen, weder über dessen natürliche Ressourcen noch geostrategisch. Die USA brauchen die Kontrolle über Grönland, um ihre Interessen in der Arktis angesichts der zunehmenden Konflikte zwischen den imperialistischen Weltmächten zu sichern.

Die USA können nicht mehr als Weltpolizist auftreten und der relative Niedergang des US-Imperialismus hat dazu geführt, dass Trump sich auf die westliche Hemisphäre konzentrieren will. Dabei schrecken sie vor nichts zurück. Es ist klar, dass die Grönländer nichts Positives von den USA erwarten können, die sie und ihr Land wie Waren behandeln, die man entweder kaufen oder wenn nötig mit militärischen Mitteln an sich reissen kann. 

Die dänische Sektion der Revolutionären Kommunistischen Internationalen verurteilt aufs Schärfste die imperialistische Drohung der USA, Grönland zu übernehmen.

Dänische Politiker sind entsetzt über Trumps «Mobbing-Taktiken» in Grönland und berufen sich auf die sogenannte regelbasierte Weltordnung und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen. Ihre Heuchelei stinkt aber zum Himmel.

Wo war ihre Kritik am amerikanischen Imperialismus bisher? Es gab keine. Im Gegenteil, die dänische Regierung hat in den letzten 30 Jahren alle imperialistischen Projekte der USA in Afghanistan, im Irak, in Syrien, in Libyen, in der Ukraine und in vielen anderen Ländern bedingungslos unterstützt. Sie hat die USA und Netanjahu beim Völkermord in Gaza unterstützt. Und als die USA kürzlich in Venezuela alle internationalen «Spielregeln» gebrochen haben, blieben sie still. 

Die dänische herrschende Klasse begann erst dann, den US-Imperialismus zu kritisieren, als ihre eigenen engen Interessen auf dem Spiel standen. Selbst jetzt, wo die Bedrohung durch die USA real ist, tun sie alles, um die Amerikaner weiterhin zu beschwichtigen. Unter anderem halten sie unbeirrt fest an dem Abkommen, das amerikanische Militärstützpunkte auf dänischem Boden erlaubt. Die dänischen Politiker haben nicht die Absicht, einen Finger zu rühren, um wirklich gegen den US-Imperialismus zu kämpfen. Im Gegenteil, sie klammern sich an die Hoffnung, zu einer vergangenen Ära zurückzukehren, in der sie in ferne Länder reisen und ihre kapitalistischen Interessen unter dem Schutz des US-Imperialismus sichern konnten.

Die dänische Regierung präsentiert sich als alleiniger Garant für die Unabhängigkeit Grönlands, aber das ist genauso eine Lüge wie die, die Trump den Grönländern einzureden versucht. Grönland ist eine Kolonie Dänemarks. Der dänische Imperialismus ist für die Armut in Grönland verantwortlich und dänische Politiker verhalten sich immer noch wie Kolonialherren. Sie haben kein Interesse daran, den Grönländern echte Unabhängigkeit zu gewähren, sondern nur daran, die dänische Vorherrschaft durch die Erhaltung des dänischen Königreichs aufrechtzuerhalten.

Die dänische Regierung verteidigt die imperialistischen Interessen Dänemarks, d. h. die Interessen der dänischen Kapitalisten, auf der ganzen Welt. Aber der dänische Staat ist viel zu schwach, um diese Interessen allein durchzusetzen, und war nur unter der Schirmherrschaft der USA erfolgreich.

Grönland ist ein äusserst wichtiger Bestandteil der engen Beziehungen Dänemarks zu den USA. Die dänische Regierung kann sich in den USA durch die «Beherbergung» amerikanischer Truppen in Grönland beliebt machen. Die Infragestellung ihres grönländischen Kolonialbesitzes bringt die dänische herrschende Klasse in eine Zwickmühle: Sie ist von den USA abhängig, aber Trump droht nun, ihr genau das zu nehmen, was ihr eine besondere Beziehung zu Amerika verschafft.

Angesichts der Drohung seitens Trump hat sich die Einheitsliste (Rot-Grüne Allianz) voll und ganz hinter den dänischen Imperialismus gestellt. Mit Pelle Dragsted an der Spitze gehören sie zu den leidenschaftlichsten Verteidigern des dänischen Königreichs, d. h. der dänischen kolonialen Unterdrückung Grönlands. Der einzige Unterschied zwischen ihrer Linie und der der dänischen Regierung besteht darin, dass die Einheitsliste den US-Imperialismus ablehnt. Aber weder der dänische noch der europäische Imperialismus sind eine Alternative zum US-Imperialismus. Die einzigen, die ein echtes Interesse daran haben, sich gegen den amerikanischen Imperialismus zu stellen, sind die Arbeiterklassen: die dänische, die grönländische und die amerikanische.

Die Aufgabe der Revolutionären Kommunistischen Partei Dänemarks besteht nun darin, diese Krise zu nutzen, um der gesamten kapitalistischen Ordnung in Dänemark einen möglichst harten Schlag zu versetzen.

In erster Linie tun wir dies, indem wir aufdecken, dass der Kampf um Kolonien und Einflusssphären ein integraler Bestandteil des kapitalistischen Systems ist. Das Recht Grönlands auf Selbstbestimmung kann nur durch einen Kampf gegen den Imperialismus erreicht werden, d. h. durch einen Kampf für eine sozialistische Weltrevolution.

Als Kommunisten in Dänemark beginnt dieser Kampf mit dem Kampf gegen die dänische herrschende Klasse und «unseren» Imperialismus. Wir kämpfen Seite an Seite mit unseren Genossen in den USA und dem Rest der Welt mittels der Revolutionären Kommunistischen Internationalen für eine sozialistische Weltrevolution.