«Die entscheidende Aufgabe unserer Generation ist es, dieses System und diese Epsteinklasse zu stürzen.» Mit diesen Worten eröffnete Sereina vom Exekutivkomitee den dritten Kongress der Revolutionären Kommunistischen Partei. 317 Teilnehmer aus der ganzen Schweiz und der Welt versammelten sich vom 14. bis 17. Mai zur konkreten Vorbereitung der Revolution in der Schweiz. Das sind deutlich mehr als die 210 Anmeldungen des Vorjahres. In diesen 4 Tagen gab es Sessions zu globalen Events, der Perspektive des Klassenkampfs in der Schweiz, und wie wir die fehlende politische Führung aufbauen. Ein begeisterter Besucher aus St. Gallen reflektiert die Qualität der Referate und Diskussionen und die elektrisierende Stimmung: «Ich hatte hohe Erwartungen und sogar diese wurden übertroffen. Am nächsten Kongress bin ich sicher ein Mitglied dieser Partei!» Gleiches dachten auch andere: 10 neue Leute wollen der Partei beitreten.
«Du kannst die Schweiz nicht verstehen, ohne zu verstehen, was auf der Welt passiert.», so erklärte Niklas vom Internationalen Sekretariat der RKI, warum wir globale Ereignisse besprechen. In der heutigen Periode ist jedes Land miteinander verbunden, politisch und wirtschaftlich. Das beweist nicht zuletzt der Krieg im Iran, das folgenreichste Ereignis der letzten Monate.
Trump hat kein einziges Kriegsziel erreicht, im Gegenteil: Der Iran kontrolliert die Strasse von Hormus und das Regime konnte seine Unterstützung in der iranischen Bevölkerung stärken. «Der Iran, gemeinsam mit Russland und China, haben bewiesen, dass sie dem grössten Imperialismus im Kriegsfall das Wasser reichen können», wie Caspar vom Exekutivkomitee in der Diskussion erklärte. Doch der Iran-Krieg ist mehr als eine militärische Niederlage des US-Imperialismus. Er ist ein Symptom und Beschleuniger einer viel tiefer liegenden Erkrankung des Kapitalismus.
Dies zeigte sich bereits in der Finanzkrise 2008, die Staatsschuldenkrise in den 2010er Jahren, Pandemie 2020, Ukrainekrieg 2022 und Trumps Wiederwahl, der einen Schock nach dem anderen bringt. «Viele Leute schauen sich die Welt an und es sieht aus, als wären alle durchgedreht. Wieso spinnen alle auf einmal? Warum passieren diese Dinge? Wenn man nicht Marxist ist, nicht die Krise des Kapitalismus versteht, dann sieht das alles nach Wahnsinn aus», brachte es Niklas auf den Punkt. Die Diskussionen mit Fragen und vorbereiteten Redebeiträgen zum relativen Niedergang des US-Imperialismus, Stagflation, KI, der Schuldenkrise, wie Europa zwischen den Blöcken zerrieben wird, oder Kuba, zeigten: Die aktuelle Krise, Kriege, und Schrecken sind die Todesqualen eines System, das sich historisch überlebt hat. Die Todeskrise des Kapitalismus ergreift die ganze Welt und ist auch endgültig in der Schweiz angekommen.
Das Jahr 2025 mit Trumps Zollangriff stellt eine Zäsur des Schweizer «Erfolgsmodell» dar: Die Zeiten, in denen die Schweizer Kapitalisten unter dem Feigenblatt der Neutralität mit allen Geschäfte machen konnten, sind entschieden vorbei. Das erklärt Martin vom Exekutivkomitee in seiner Einleitung zur Diskussion am zweiten Kongresstag zu den Perspektiven des Klassenkampfes in der Schweiz. Das Auseinanderbrechen des westlichen Blocks, Protektionismus und die allgemeine Krise der Weltwirtschaft haben spürbare Folgen für die exportorientierte Schweiz. Die Exportzahlen sind heute auf dem tiefsten Stand seit 2021, und die Sackgasse der Kapitalisten zeigt sich in steigenden Energiepreisen, sinkende Investitionen in die Industrie, Deindustrialisierung und Stellenabbau.
Die Diskussion zeigt, dass wir den Mythos, dass es in der Schweiz allen gut geht» endgültig begraben sollten. Mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung findet die Gesellschaft ungerecht. Und das aus guten Gründen: Die Inflation führt seit der Pandemie zu einem Reallohnverlust, , Mieten und Krankenkassenprämien steigen und dazu kommen die Sparmassnahmen der letzten 30 Jahre. Heute lebt 50 % der Schweizer Bevölkerung von Monat zu Monat und wird in Schulden getrieben. Gleichzeitig stieg im letzten Jahr das Vermögen der reichsten 1 %, um 18 %. Deshalb sagen drei Viertel der Bevölkerung, dass Multimilliardäre die grösste Bedrohung für die Sicherheit sind. Das Vertrauen in die Regierung, Medien und Institutionen hat im letzten Jahr stark abgenommen.
Die 16 bis 18 Jährigen von heute kennen nichts anderes als die Krise des Kapitalismus. Die Perspektivlosigkeit eine gute Stelle nach dem Studium zu finden, die Erniedrigung auf dem Arbeitsmarkt, aber auch der Genozid an den Palästinensern, imperialistische Kriege und der Epstein-Skandal bewirken Massenradikalisierung in der Jugend. «Ich bin 2009 geboren und ihr fragt mich, wieso ich den Kapitalismus hasse?» Die Worte von zwei Jugendlichen aus Genf bestätigen: Antikapitalismus ist mainstream geworden. Die objektiven Klassenlinien beginnen sich ins Bewusstsein zu drängen, ein Gefühl von ‘wir gegen die da oben’. Die Beispiele in der Diskussion zeigten eindrücklich den Gärungsprozess der Radikalisierung, wie beispielsweise im Kampf gegen die Frauenunterdrückung, im Bau-, Bildungs- und Gesundheitssektor und punktuellen Streikbewegungen im öffentlichen Sektor im letzten Jahr auf.
Ein wichtiger Ausdruck der gärenden Unzufriedenheit ist die aktuelle SVP-Initiative zur «10-Millionen-Schweiz» (siehe hier die kommunistische Position und hier eine ausführliche Analyse). Die wichtigste Partei der Bourgeoisie nimmt die realen Probleme der Arbeiterklasse auf und lenkt den Unmut gegen die Ausländer. Dieser demagogische Trick funktioniert nur, weil keine wirkliche Opposition aus der Arbeiterbewegung existiert und mit dem Finger auf die wahren Verantwortlichen zeigt: Die Kapitalisten sind das Problem, nicht die Migranten! Wie Martin es formulierte: «Die Arbeiterklasse ist die riesige Mehrheit der Gesellschaft und sie ist unzufrieden aus den richtigen Gründen. Das wäre eine Steilvorlage für die Linke, aber wo ist sie?»
Die Schweizer Arbeiterklasse muss noch viele Traditionen erlernen wie die Organisierung, die Macht von Streiks oder der Kampf gegen ihre eigene reformistische Führung. Doch das Entscheidende ist, dass sie den Weg der Radikalisierung eingeschlagen hat. Die internationalen Entwicklungen wie die Gen-Z Revolutionen, Bloquons Tout in Frankreich, die Generalstreiks in Italien und Minnesota zeigen: ein Sturm braut sich zusammen, vor uns steht eine Periode des Klassenkrieges. Was fehlt, ist eine politische Führung, die eine wirkliche Alternative gegen die Krise des Kapitalismus anbietet. «Was es in allen Ländern und auch in der Schweiz braucht, ist eine revolutionäre Partei, die diese Kämpfe zum Sieg führen kann, eine Massenpartei mit Marxismus. Das ist unsere Aufgabe von allen hier drinnen und niemand wird uns dies abnehmen!»
Daraus stellt sich die zentrale Frage: Wie soll die Führung aufgebaut werden, die die Arbeiterklasse braucht? Diese Frage haben wir am dritten Tag behandelt. Dersu, vom Exekutivkomitee erklärte in seiner Einleitung: «Es ist durch korrekte Politik, durch korrekte Ideen in äusserst turbulenten Zeiten, dass wir aufbauen».
Dass das funktioniert bestätigt das Wachstum der RKP: von 100 Mitgliedern in 10 Ortsgruppen 2019 ist die Schweizer Sektion der Revolutionären Kommunistischen Internationalen 2026 auf knapp 300 Genossen in 28 Ortsgruppen angewachsen. Aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ ist die Sektion gewachsen, wie die Berichte aus den Regionen und die Redebeiträge am Kongress zeigten. «Die Geschichte unseres Wachstums ist die Geschichte unseres politischen Verständnisses und unserer politischen Fähigkeiten», betonte Dersu, «und das ist der Hauptgrund, weshalb wir so viel Wert auf politische Bildung legen». Es ist die Verantwortung und Aufgabe von jedem Genossen, zu verstehen, wie das kapitalistische System funktioniert und wie und warum sich die Arbeiterklasse bewegt auf Grundlage aktueller und historischer Beispiele. Die Ernsthaftigkeit und Bekenntnis zu dieser Aufgabe und der Durst nach Ideen, widerspiegelt sich im gut besuchten Bücherstand. Insgesamt wurden am Kongress 350 Bücher und Broschüren für über 6000 CHF verkauft, im Vergleich zu 4500 CHF im Vorjahr.
Die zentrale Aufgabe der Kommunisten ist Wachstum. In einem kleinen Land wie der Schweiz können wir mit 1000 oder 2000 Kommunisten anfangen, in die kommenden Kämpfe der Arbeiterklasse einzugreifen. Dafür setzt sich die Schweizer Sektion das Ziel, bis zum Kongress 2027 auf 400 Mitglieder zu wachsen, um in den kommenden Jahren zum Referenzpunkt in den bevorstehenden Bewegungen zu werden. Die bolschewistische Strategie ist, die vorderste Schicht der Arbeiterklasse und vor allem in der Jugend zu organisieren, die heute offen für den Kommunismus ist und nach revolutionären Antworten sucht. Die Zeitung gibt jedem Genossen ein Werkzeug, um diese Ideen an diese Schichten heranzutragen, die nach den Ideen des Klassenkampfs und dem Weg zur erfolgreichen Revolution suchen. «Die Zeitung ist die Brücke zwischen Theorie und Praxis. Sie zeigt nicht nur Perspektive und einen Ausweg, wir geben den Menschen damit einen Hebel, um zu handeln, um diese Partei aufzubauen», wie eine Genossin betonte.
«Nur wenn alle anpacken und ihren Beitrag leisten, könnten wir unsere Ziele erreichen und zum Anziehungspunkt der Jugend zu werden. Dafür müssen wir auch Geld aufbringen, um die Partei und die Internationale aufzubauen, für Bücher, Zeitungen, Poster und Sticker», wie Michi vom Exekutivkomitee betonte. Nur die finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht den Aufbau einer politisch unabhängigen Organisation zum Kampf gegen die herrschende Klasse. Das Spendenziel vom Kongress, 80’000 CHF, wurde weit übertroffen: insgesamt wurden 110’000 CHF für die Sektion und die Internationale gesammelt! Dies ist Ausdruck und Resultat eines hart erarbeiteten politischen Verständnisses von der Notwendigkeit, diese revolutionäre kommunistische Weltpartei aufzubauen und der Bereitschaft der Genossen, alles dafür zu tun. Dieser Kongress bewies die Ernsthaftigkeit und Überzeugung der Genossen mit ihrem ansteckenden Optimismus wie es die Nachricht eines Neumitglieds beschreibt: «Ich kehrte vom Kongress zurück und bin voller Tatendrang. Ich freue mich sehr, diese seriöse Organisation voller Energie getroffen zu haben, die sich der einzig wirklichen Mission verschrieben hat.»
Wie Niklas betonte: «Die Maske der herrschenden Klasse ist gefallen. Wir befinden uns nicht in der Situation des Faschismus, sondern in der Periode des Klassenkampfs.» Die herrschende Klasse steckt in einer unlösbaren Sackgasse. «Wir wissen: Der Kapitalismus wird nicht von selbst kollabieren. Dafür braucht die Arbeiterklasse eine Partei.» Der Kampf muss gegen die Herrschenden in jedem Land aufgenommen werden. Dafür braucht es den Aufbau der Revolutionären Kommunistischen Weltpartei, überall. Die Berichte aus der Internationalen bestätigen: Die Kommunisten sind auf dem Vormarsch, weltweit und auch in der Schweiz. «Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts zu verlieren ausser ihre Ketten und eine ganze Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!»
Inspiriert? Melde dich bei uns und hilft uns mit die RKP aufzubauen:
Berichte & Rezensionen — von Selma, Basel — 22. 05. 2026
Frauenunterdrückung & LGBT+ — von Sereina Weber, Genf — 19. 05. 2026
Anti-Rassismus — von Jannick Hayoz, Bern — 17. 05. 2026
Schweiz — von Martin Kohler, Bern — 16. 05. 2026
Schweiz — von Flurin Andry, Zürich — 14. 05. 2026