SolidaritéS behaupten in ihrer Zeitung, «eine progressive Lösung im Epstein-Fall» zu bieten, indem sie die Verwendung des Begriffs «Epstein-Klasse» kritisieren. Ihr Argument: Sexuelle Gewalt durchzieht die ganze Gesellschaft und kann nicht auf die Klassenfrage reduziert werden. Doch dieses Argument führt in eine Sackgasse: Unter dem Vorwand, die Dinge differenziert zu betrachten, schaden sie dem Kampf gegen sexuelle Gewalt und gegen das System, das sie hervorbringt.
Die Inhalte der Epstein-Akten schockierten zwar, überraschten aber kaum jemanden. Sie bestätigen, was viele bereits vermuteten: Die Elite kann ungestraft tun und lassen, was sie will. Diejenigen, die Kriege führen, Sparmassnahmen durchsetzen und absurde Reichtümer anhäufen, missbrauchen systematisch Frauen und Kinder, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Nicht zufällig: Die herrschende Klasse kann so handeln, weil die Milliardäre an den Schalthebeln der Gesellschaft sitzen.
Diese Schlussfolgerung muss konsequent zu Ende gedacht werden: Nieder mit der Epstein-Klasse! Ihr System und ihre Ideen spalten und vergiften die ganze Gesellschaft. Sie streichen Zufluchtsstätten für Frauen, kontrollieren die Medien, die von Sexualisierung übersättigt sind, und setzen Polizei und Justiz im Dienst der Reichen ein. Der Epstein-Fall offenbart in einem Kontext des Vertrauensverlusts gegenüber dem Establishment die wahren Bruchlinien in der Gesellschaft: Er erlaubt es, aufzuzeigen, wer tatsächlich vom Sexismus profitiert.
Hier knicken SolidaritéS ein. Im entscheidenden Moment rufen sie dazu auf, sexuelle Gewalt in «unserem politischen Lager» zu bekämpfen. Sie setzen die Geschlechterfrage ins Zentrum und übernehmen damit Argumente, die der herrschenden Klasse zugutekommen. Nichts kommt der herrschenden Klasse mehr entgegen, als wenn die Linke betont, dass es überall Gewalt gibt — im Moment, wo die herrschende Klasse und ihr System vor allen Augen entblösst wird. Das zeigt den reaktionären Charakter der Identitätspolitik auf.
Noch schlimmer: SolidaritéS erklären, sie würden «die Wurzeln sexueller Gewalt bekämpfen» wollen. Doch hier endet der Artikel, ohne Antwort oder Lösung. Als Kommunisten kämpfen wir gegen jede Form der Unterdrückung. Aber wir betonen auch: Um eine Gesellschaft zu erreichen, in der Frauen und Kinder nicht gezwungen sind, in gewalttätigen Umgebungen zu bleiben, weil es keine Alternativen gibt, und in der niemand wegen 200 Dollars zu Epstein gehen muss, braucht es den Sturz der herrschenden Klasse. Diese Aufgabe liegt einzig in den Händen der Arbeiterklasse, vereint im Kampf.
Die Männer unserer Klasse wurden in einer Gesellschaft erzogen, die sie mit reaktionären Ideen umgibt. Doch sexistische Vorstellungen halten auch die Männer in diesem System gefangen. Wir müssen erklären, dass sie die gleichen Interessen haben wie die Frauen ihrer Klasse. Es gilt, die Spaltung zwischen den Klassen zu vertiefen und gleichzeitig die Spaltungen im Lager der Ausgebeuteten zu bekämpfen. Nur mit einem Programm, das auf Klassenkampf basiert, ist dies möglich.
Frauenunterdrückung & LGBT+ — von Sereina Weber, Genf — 19. 05. 2026
Anti-Rassismus — von Jannick Hayoz, Bern — 17. 05. 2026
Schweiz — von Martin Kohler, Bern — 16. 05. 2026
Schweiz — von Flurin Andry, Zürich — 14. 05. 2026
Nordamerika — von Lukas Nyffeler, Bern — 13. 05. 2026