Die Kommunisten unterstützen den Aufruf zum Jugendstreik vollumfänglich. Gemeinsam mit unseren Sektionen in ganz Europa mobilisieren wir tatkräftig für den 20. November. In voller Unterstützung stellen wir die Frage: Wie wird der 20. November zum Erfolg? Wie kann der Jugendstreik seine Ziele erreichen?

Eine Karte Europas kursiert auf Social Media: Rot, wohin man blickt – die Farbe der aktuellen Jugendbewegungen. Nur mitten in Europa bleibt ein kleiner Fleck weiss: die Schweiz.

In der Schweiz stehen Generalstreiks und Revolutionen noch nicht an der Tagesordnung. Doch die Jugend ist hier denselben kapitalistischen Drücken ausgesetzt wie im Rest Europas: Lebenskosten-Krise, Sparpolitik und fehlende Perspektiven. Inzwischen blicken vier von fünf unter 36-Jährige pessimistisch in die Zukunft. Der Brennstoff für eine Jugendbewegung ist allemal auch in der Schweiz präsent.

Die Bourgeoisie weiss, dass die Massenbewegungen Europas auch unter der Schweizer Jugend Anklang finden. Diese Ausbreitung wollen sie mit aller Macht verhindern: Im Wallis drohte die Polizei Schülern mit schweren Konsequenzen, sollten sie zu Schulblockaden aufrufen. In Genf zwang das Bildungsministerium die Lehrerschaft, jegliche Anzeichen einer Schülerbewegung sofort zu melden.

Als die JUSO den Jugendstreik für den 20. November ankündigte, starteten bürgerliche Medien und Politiker eine Hetzkampagne: «Hauptsache, Krawall» (NZZ), «JUSO will die französische Wut in die Schweiz importieren» (Blick), «Frankreich brennt. Unschuldige, die um ihr Leben fürchten. Die JUSO will diese Gewalt auf unsere Strassen holen» (FDP).

Die Vertreter der Kapitalisten haben Angst: Sie erkennen, dass die Jugend Europas ihre Profitinteressen und ihr System herausfordert. Mit präventiver Repression wollen sie die Bewegung in der Schweiz im Keim ersticken. Doch damit erreichen sie wohl das Gegenteil: Der 20. November ist durch die Medienhetze schweizweit bekannt geworden. Wie in Frankreich, Italien oder Albanien wirkt die Repression auch hier – im Kleinen – als Beschleuniger der Bewegung.

Auf zum Jugendstreik!

Der Aufruf zum Jugendstreik am 20. November könnte passender nicht sein. Die Jugend muss selbst und aktiv in den Kampf treten, um für ihre Lebensbedingungen und Zukunftsperspektiven einzustehen – denn niemand wird ihnen diese Aufgabe abnehmen.

Die herrschende Klasse tritt die Hoffnungen der Jugend auch in der Schweiz systematisch mit Füssen: Sie spart in der Bildung, sie militarisiert, sie zerstört reihenweise Jobs, sie diskriminiert Migranten und Frauen, sie verursacht Klimawandel und sie unterstützt einen Genozid. Und wenn sich die Jugend wehrt, wird sie vom Staat, der Polizei und den Medien unterdrückt und verleumdet. Von der Kapitalistenklasse kann die Jugend nichts erwarten.

Doch auch von den grossen linken Organisationen erhält sie keine Hilfe. Die SP unterstützt die Aufrüstung. Sie lehnt zwar das grosse Sparpaket – EP27 –  ab, doch kämpft nicht dagegen – nicht einmal mit einem Referendum. Bezüglich den französischen Schülerprotesten «solidarisiert» sich die SP passiv im Internet, doch tut nichts dafür, den Kampf aktiv in der Schweiz zu führen – und schon gar nicht auf der Strasse.

Das heisst: Die Jugend muss den Kampf in ihre eigenen Hände nehmen. Dafür müssen wir uns die Frage stellen: Wie wird der 20. November zum Erfolg?

Organisierung

Es ist völlig klar, dass die Regierung auch in der Schweiz nicht auf Appelle hören wird. Die Klimabewegung hat dutzende Male demonstriert. Für Palästina fanden zahlreiche Demonstrationen statt. Unzählige Appelle wurden an die «Vernunft» der Regierung gerichtet. Doch zu mehr als leeren Versprechungen und symbolischen Gesten war der Bundesrat nicht bereit. Denn diese Regierung hat eine ganz andere Vernunft: Jene der Profite der Banken und Konzerne.

In der Folge sind diese grossartigen Bewegungen abgeebbt, auch wenn die Wut über Klimawandel, Genozid und Krieg keineswegs verflogen ist. Es gibt in der Schweiz zehntausende Jugendliche, die die Perspektivlosigkeit des kapitalistischen Systems erkennen und die Kriegstreiberei für Profite und Macht sehen. Die allermeisten von ihnen sind unorganisiert. Diese Tatsache ist ein Nährboden für Pessimismus und Passivität. 

Die Aufgabe des 20. Novembers ist also, ein Sprungbrett für die Selbstorganisierung der Jugend darzustellen – zu beweisen, dass jeder einzelne Jugendliche mit seiner Wut nicht allein ist.

Das bedeutet konkret: Wenn ein Schüler, Student oder Lehrling von der Notwendigkeit des Kampfs überzeugt ist, dann geht es darum, andere zu überzeugen und sich mit ihnen zu organisieren. Dann müssen Versammlungen und Vollversammlungen abgehalten werden, um gemeinsam über die Forderungen zu diskutieren und zu entscheiden, wie andere Schulklassen und Hörsäle für den Jugendstreik überzeugt werden. So werden der 20. November und die nächsten Kampftage der Jugend massiv. Denn es sind Massen, die wir brauchen, um zu gewinnen.

Massenkampf

Eine grosse Lehre aus Europa ist genau der Massenkampf der Jugend: In Frankreich haben sich die Jugendlichen an ihren Schulen und Unis, in Spanien auf den grossen Plätzen selbstorganisiert. So hat die Jugend die notwendige Schlagkraft entwickelt, um zuerst andere Schulen, Unis und Plätze zu mobilisieren und schliesslich grössere Teile der Bevölkerung in den Kampf zu ziehen.

Allein ist die Jugend isoliert. Der massenhafte und offensive Kampf der Jugend ist daher der Weg, um die Arbeiterklasse in Bewegung zu setzen und die Bewegung auszuweiten. Also jene Klasse, die jede Maschine jedes Unternehmens jeden Tag am Laufen hält – und die somit die Kraft hat, die Profitmaschinerie der Kapitalisten zu stoppen und die Regierung der Reichen in die Knie zu zwingen.

In Frankreich waren es die Massen von Schülern und Studenten, die sich mit den Lehrern, Eltern, Feuerwehrleuten und schliesslich der sozialen Explosion am 17. Oktober verbinden konnten. In Spanien haben die Massen von Jugendlichen auf den öffentlichen Plätzen die Arbeiterklasse auf den Plan gerufen. Schliesslich wurde der Druck so gross, dass auch die verknöchertsten Gewerkschaftsführungen den Generalstreik ausrufen mussten – also das schwerste Geschütz der Arbeiterbewegung.

In der Schweiz sind die Kampftraditionen in der Jugend – und noch mehr in der Arbeiterklasse – nicht so weit entwickelt. Doch dies heisst nur umso mehr, dass der Startpunkt jetzt gesetzt werden muss.

Für programmatische Klarheit

Der Jugendstreik setzt sich grosse und richtige Ziele: das Ende von Kriegstreiberei, Aufrüstung und Sparmassnahmen sowie umfassende Investitionen und eine lebenswerte Zukunft für die Jugend.

Wie können wir dies erreichen? Der Aufruf zum Jugendstreik schreibt: Dafür «braucht es jetzt eine soziale und ökologische Transformation». Dies ist korrekt – aber auch äusserst vage. Doch wenn der Jugendstreik erfolgreich sein will, brauchen wir programmatische Klarheit.

Der russische Revolutionär Leo Trotzki erklärte gegenüber den französischen Gewerkschaften in den 30er Jahren: «Von welcher Art sollten die sogenannten grundlegenden Veränderungen sein? […] Wollen wir den Kapitalismus durch den Sozialismus ablösen, durch den Kommunismus oder durch die Anarchie à la Proudhon? Oder wollen wir einfach nur den Kapitalismus durch Reformen und Modernisierung verjüngen? Selbst wenn ich nur ein oder zwei Stationen weit fahren will, muss ich wissen, wohin der Zug geht. Auch für Notmassnahmen brauchen wir eine allgemeine Richtung. […] Das müssen wir schon wissen – andernfalls bleiben wir als Propagandisten den Massen gegenüber völlig unbewaffnet.» (Trotzki)

Wir müssen beantworten können, wie der Jugendstreik seine Ziele verwirklichen kann. Die Forderungen des Jugendstreiks können nicht im Kapitalismus und nicht mit der kapitalistischen Regierung erreicht werden – sondern nur gegen sie. Sollen nicht die Profitinteressen über Krieg und Zukunft der Jugend entscheiden, so müssen die Profiteure, das Profit-System und die Regierung der Reichen gestürzt werden.

Dies bedeutet die Enteignung der Grosskonzerne und Banken. Der Reichtum muss unter demokratische Kontrolle gestellt werden. Die Wirtschaft muss gemäss den Bedürfnissen der Menschen sozialistisch geplant werden. Nur so können die Arbeiterklasse und die Jugend tatsächlich entscheiden, wie in eine lebenswerte Zukunft investiert werden kann. 

Dies ist sicher kein einfacher Weg. Er ist lang und steinig und verlangt viel Vorbereitungsarbeit. Doch es ist der einzige Weg, wenn wir verhindern wollen, dass unser ganzes Leben durch Krieg und Sparpolitik geprägt sein wird.

Die Kommunisten werden sich vor, am und nach dem 20. November für die Selbstorganisierung der Jugend und das revolutionäre Programm einsetzen. Alle, die damit einverstanden sind, sollten sich an ihrer Schule und Uni für diese Punkte einsetzen – und am 20. November die kommunistischen Blöcke in allen Städten in der Schweiz stärken. Lasst uns den Jugendstreik zum Erfolg machen!