Die kapitalistische Symbolpolitik gegen die Klimakrise versagt. Für die Lösung braucht es Planwirtschaft und Kommunismus.
Ein Sommer der Extreme endet: Dürren, die die Landwirtschaft bedrohen, Waldbrände bis hoch nach Deutschland und Belgien, verfrühter Alpabzug wegen des Wassermangels und Übersterblichkeit bei Senioren aufgrund nicht-klimatisierter Räume.
2026 wurden Hitze- und Dürrerekorde gebrochen, die zumeist von 2025 und 2024 stammen. Anzeichen für eine Trendwende fehlen. Vielmehr müssen wir uns auf eine weitere Zunahme der Auswirkungen des Klimawandels einstellen.
Ursache und Treiber der Klimakrise ist der Kapitalismus. Ihrer Lösung steht er im Weg.
Alle spüren den Klimawandel, aber die Auswirkungen der Klimakrise treffen nicht alle gleich. Die Arbeit auf Baustellen wird lebensgefährlich. In Schulhäusern, Spitälern, Büros, Mietwohnungen und Altersheimen gibt es keine Klimaanlagen, auf Chefetagen schon. Freibäder sind überfüllt, Villen haben Pools.
Die Hitze und die Dürre brachten auch den Begriff «Klimaflation» hervor. In den kommenden Monaten werden die Lebensmittelpreise steigen. 2022 machte die Dürre in der Schweiz 0,67 % der Inflation aus. In ärmeren Ländern einiges mehr. Arbeiterfamilien werden das spüren, Kapitalisten kaum.
Wir kämpfen grundlegend für unseren Schutz vor den Auswirkungen der Klimakrise, sei es aus finanziellen Gründen oder aufgrund unserer Gesundheit. Aber natürlich kämpfen wir genauso gegen die Ursache, also den Kapitalismus.
Kaum jemand bestreitet noch den menschgemachten Klimawandel oder die Notwendigkeit, dagegen vorzugehen. Doch ausser fleischlosen Kantinen, Gebühren auf Flugtickets und pathetischen Reden von Politikern folgen keine Taten.
Wissenschaftlich ist es komplett unhaltbar, dass unser individuelles Verhalten schuld ist. Dennoch geben die Kapitalistenklasse und ihre Medien uns die Schuld. Das Vorgehen gegen den Klimawandel wird ständig mit individuellen Verhaltensänderungen gleichgesetzt, wie zuletzt im Interview mit Bundespräsident Guy Parmelin (SVP). Nachdem er aufgezählt hatte, wo überall Klimagelder gestrichen wurden, sagte er: «Ich versuche, so viel wie möglich [fürs Klima] zu tun. Beispielsweise gehe ich morgens zu Fuss ins Büro anstatt mit dem Auto und abends wieder zurück, das macht insgesamt 1,8 Kilometer.»
Wir Kommunisten bekämpfen die Vorstellung, dass wir alle Verantwortung tragen für die Krise. Es ist schädlich, wenn wir uns darum kümmern, was die Mitarbeiterin isst, trägt oder wie oft der Nachbar fliegt. Das lenkt nur davon ab, dass der Kapitalismus die Ursache der Krise ist. Solange die Wirtschaft in privaten Händen bleibt, hat die Arbeiterklasse nichts zu sagen. Die Kapitalisten produzieren ausschliesslich für ihren Profit, ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt. Der grösste Teil der Klimakrise wurde und wird von einigen riesigen Konzernen verursacht. Wir sind nicht alle schuld und wir können die Krise nicht individuell lösen, sondern nur gemeinsam als Arbeiterklasse.
Um den Klimawandel zu stoppen und uns vor den schlimmsten Auswirkungen zu schützen, sind heute riesige Investitionen für den ökologischen Umbau der gesamten Energieversorgung, Infrastruktur, Industrie, Landwirtschaft, Verkehrsmittel etc. nötig.
Wir können die gesamte Energieproduktion erneuerbar machen. Wir können die industrielle Produktion so ausrichten, dass sie im Einklang mit der Natur läuft. Wir können die Infrastruktur und die Wohnungen so bauen, dass darin ein angenehmes Leben möglich ist und wir nicht ständig von Wetterextremen bedroht werden.
Kernfusion zur Energiegewinnung, CO₂-neutrales Fliegen, Absaugen und Versteinern von CO₂. All das und vieles mehr ist als Technologie vorhanden, aber wird aufgrund zu grosser Kosten und zu geringer Profitaussichten nicht für den grossflächigen Einsatz entwickelt.
Wir haben also einen Ausweg und allen Grund für Optimismus. Doch es gibt eine tiefe Kluft zwischen dem Potenzial und dem Handeln der Kapitalisten.
Viele Unternehmen und vor allem Regierungen versprachen gewisse Investitionen, verabschiedeten Gesetze und einige riefen den «Klimanotstand» aus. Dennoch spitzt sich die Klimakrise Jahr für Jahr zu. Einzig nach der Grossen Rezession 2008 und in der Covid-Pandemie ging der CO₂-Ausstoss zurück.
Die Abwendung der Klimakatastrophe setzt erstens riesige Investitionen in den grundlegenden Umbau der gesamten Wirtschaft voraus und zweitens bewusste Planung und koordinierte Umsetzung auf globaler Stufe. Beidem steht der Kapitalismus im Weg, der auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln und dem Nationalstaat basiert.
Kapitalisten investieren ausschliesslich für Profit, und zwar für ihren eigenen. Auf dem Markt herrscht Anarchie. Jedes Unternehmen schaut und kämpft zuerst für sich. Weniger klimaschädlich zu produzieren, bedeutet für die Kapitalisten grosse Investitionen. Das verteuert ihre Waren und bringt keinen zusätzlichen Profit. Also investieren die Kapitalisten nicht. Solange die Produktionsmittel Privateigentum sind, werden ihre Besitzer in Konkurrenz zueinander stehen und für ihre Profite weiter die Umwelt verschmutzen und klimaschädlich produzieren.
Die ganze Absurdität kommt mit den immer häufiger montierten Solarpanels zum Ausdruck. Die Überproduktion an Panels drückte die Preise derart, dass sich die Installation bereits nach wenigen Jahren rentierte. Doch nach einer Boomphase bremst der Solarausbau in Europa nun ab. Die EU schützt ihren Markt vor günstigen chinesischen Produkten. Die Kontrolle über den heimischen Markt zu behaupten ist ihnen wichtiger als der Ausbau erneuerbarer Energie.
Das ist typisch für die kapitalistischen Regierungen. Nationalstaaten verteidigen die Profite der eigenen Kapitalisten in der internationalen Konkurrenz. Deswegen stehen sie einer internationalen Lösung feindlich gegenüber. Der grösste Gegensatz findet sich zwischen den USA und China. Die USA haben das Rennen um erneuerbare Energien verloren. Also befeuert Trump wieder die Öl-Industrie: «Drill baby, drill!» Er kriminalisiert sogar den Bau von Windkraftwerken. China dagegen forcierte die Stromproduktion aus nicht-fossilen Quellen über die letzten Jahre stark. Die Gründe liegen aber nicht im ökologischen Bewusstsein von Xi und Co. China besitzt kaum Öl- und Gasvorkommen. Es kann sich deshalb nur auf diese Weise vor Energieengpässen schützen. Auch die deutsche Autoindustrie zeigt, wie die Interessen des nationalen Kapitals über der Umwelt stehen. Sie verpassten den Anschluss bei den E-Autos. Nun versuchen sie mit aller Kraft, das Verbrenner-Aus zu verzögern.
Die Kapitalisten fordern immer die besten Profitbedingungen von ihrer Regierung, um auf den internationalen Märkten im Vorteil zu sein. Ein Land, das strengere Klimaregulierungen erlässt, verschlechtert die nationalen Profitbedingungen. Die Zeiten der Klimaabkommen (Kyoto, Paris) sind vorbei.
Die Weltsituation hat sich enorm zugespitzt. Internationale Abkommen brechen auf, die Märkte sind übersättigt und werden mit Zöllen geschützt. Damit ist auch die Bereitschaft für staatliche Investitionen oder Regulierungen verschwunden. Massnahmen gegen den Klimawandel müssen irgendwie bezahlt werden. Allerdings sind die westlichen kapitalistischen Länder heute allesamt stark verschuldet und müssen mit einer stagnierenden Wirtschaft rechnen. Also versucht jedes Land, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu exportieren, ohne Rücksicht auf das Klima. Sie streichen beschlossene Klimaprojekte wieder zusammen und schnüren ein Sparpaket ums andere.
Die herrschende Klasse und ihre Politiker sind völlig realitätsfern. Aber das ist nicht die Erklärung für ihr Handeln. Auch die besten Absichten und der grösste Sachverstand können sich den Fesseln des Kapitalismus nicht entziehen. Ohne eine revolutionäre, kommunistische Position ist ein vernünftiger Plan gegen den Klimawandel unmöglich.
Der beste Beleg für die Haltung der Kapitalisten ist die Aufrüstung. In der Konkurrenz zwischen den Nationalstaaten geht es um den Schutz der Profite der nationalen Kapitalisten. Dafür brauchen die Kapitalisten eine Armee. Das Militär ist einer der schlimmsten Treiber der Klimakrise. Aber der Schutz ihrer Profite steht über unserer Umwelt.
Zynisch kalkuliert nahmen die Regierungen das Militär im Pariser Klimaabkommen von jeglicher Rechenschaftspflicht bezüglich des CO₂-Ausstosses aus. Die aktuellen Aufrüstungspläne der NATO-Länder – ohne Chef-Kriegstreiber USA – führen zu zusätzlichen Emissionen, die einem Drittel von Deutschlands Jahresausstoss gleichkommen. Eine Flugstunde eines Kampfjets kommt etwa drei Jahren Privatverbrauch eines Europäers gleich. Und im Kriegsfall explodieren die Auswirkungen fürs Klima.
Die Aufrüstung und die häufiger und grösser werdenden Kriege verstärken die Klimakrise doppelt: Statt Geld in Projekte gegen den Klimawandel zu investieren, fliesst es in die Aufrüstung und verschlimmert die Situation weiter.
Die Herrschaft der Kapitalisten bedeutet für die Menschheit Kriege, Armut, Unterdrückung und die Zerstörung der Lebensbedingungen auf diesem Planeten. Kurz: Barbarei.
Die Kapitalisten sind eine kleine, parasitäre, dekadente Klasse, die keinen Wert schafft, aber die Mehrheit unterdrückt und ausbeutet. Die Arbeiterklasse hingegen ist die grosse Mehrheit; wir produzieren alles und halten die Wirtschaft am Laufen. Unsere Klasse hat kein Interesse am Erhalt des Kapitalismus, an Kriegen und Umweltzerstörung, doch alles Interesse am Sturz dieses Systems.
Die Klimakrise ist lösbar! Heute brauchen wir keinen fertigen Plan für den Umbau der Wirtschaft. Aber wir brauchen die völlige Klarheit, dass nur die revolutionäre Errichtung der sozialistischen Planwirtschaft unter Kontrolle der Arbeiterklasse einen Ausweg bietet.
Die beiden grossen Hindernisse für die Lösung der Klimakrise und die Befreiung der Menschheit sind das Privateigentum und die Nationalstaaten. Nur wenn die Arbeiterklasse selbst die Macht übernimmt und die Kapitalisten enteignet, erlangen wir die gesellschaftliche Kontrolle über die Produktionsmittel auf der ganzen Welt. Nur so bestimmt nicht mehr der Profit. Wir können die Produktion rational planen, um unsere Lebensgrundlage zu erhalten und die Klimakrise zu lösen. Dafür stehen die revolutionären Kommunisten.
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