Der diesjährige internationale Frauenkampftag hat es deutlich gezeigt: Die Bewegung wächst und radikalisiert sich. In Bern zog die unbewilligte Demo etwa 6’000 Teilnehmerinnen an – mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor! Und auch in Zürich und Lausanne waren es Tausende, in Basel und Genf Hunderte. Das waren nicht einfach die üblichen Szene-Demos. Neue Schichten von jungen, neu radikalisierten Frauen (und Männern) kamen, die zum Teil das erste Mal an einer Demo waren. Auf die Frage, was sie radikalisiert, antworteten viele mit: Gewalt an Frauen und Sexismus, aber auch imperialistische Kriege, Rechtsrutsch und das allgemeine Gefühl «dass alles immer schlimmer wird». 

Die RKP organisierte mit über hundert Kommunistinnen und Kommunisten überall eine enthusiastische und kämpferische Demointervention. Mit lauten Demoblocks, Transparenten, Parolen, Reden, Bücherständen – vor allem aber mit der RKP-Zeitung «Der Kommunist» trugen wir den revolutionären Klassenstandpunkt offen in die Bewegung. 

Die Erfolge zeigen das Potential: Wir verkauften 153 deutsche und 49 französische Zeitungen, mehrere Bücher wie Marxismus und Frauenbefreiung, das Kommunistische Manifest und den Ursprung der Familie von Engels. Aus all den politischen Diskussionen haben wir mit über zwanzig Jugendlichen Kontakt geknüpft, die Interesse haben, mit uns die revolutionäre kommunistische Partei aufzubauen.

«Sturz der Epstein-Klasse» – Slogan trifft den Nerv der Zeit

In Bern kamen wir direkt als Mini-Demoblock an und skandierten Parolen wie «Down with the Epstein class – Unity in our class!». Der Epstein-Slogan war für viele ein Magnet. Zwei ältere Frauen drückten uns spontan Geld in die Hand – 10 und 50 Franken. Eine meinte: «Ich bin apolitisch, aber ihr habt 100 % recht. Es läuft eine Verschwörung der Reichen gegen uns. Sie kontrollieren die Politik, nicht umgekehrt. Ihr gebt mir Zuversicht in die Jugend.» In Genf sagte eine junge Frau empört: «Schön gibt es euch. Endlich spricht jemand darüber – alle anderen Medien sagen nichts!» Für uns Kommunisten ist klar, dass die Frauenbefreiung nur möglich ist mit dem Sturz der herrschenden Klasse und ihrem Staat. Der Epstein-Skandal machte diese Schlussfolgerung für Millionen von normalen Menschen weltweit greifbarer. 

Zum Anderen wurde der Wunsch nach Einheit und Solidarität in der Arbeiterklasse deutlich. In Bern wurden zum ersten Mal offiziell Männer zugelassen. Und der am lautesten skandierte Slogan war «Hoch die internationale Solidarität» als Antwort auf imperialistische Kriege und rassistische Spaltungspolitik! Auch wenn noch viele Ideen wie Identitätspolitik (Frauen gegen Männer) und Reformismus vorherrschen, war die Offenheit gross, mit uns Kommunisten zu diskutieren: «Also gut – sag du mal, wie werden wir denn Sexismus und Unterdrückung los?» In Lausanne begannen die Genossen das Gespräch mit der direkten Frage «Bist du Kommunist?» – und viele antworteten schlicht mit Ja.

Auf der Suche nach einem effektiven Kampfplan

In Lausanne gab es sogar antikapitalistische Reden von den Organisatoren. Aber niemand zeigte auf, wie vorwärts nach der Demo. In Genf fasste eine Demonstrantin die Stimmung zusammen: «Ich gehe zu Demos, es sind viele Leute da – aber am Ende löst sich alles auf, die Leute gehen nach Hause.» Unsere Genossin nutzte den Moment, um zu erklären: Genau deshalb braucht es eine revolutionäre Organisation, die diesen Zorn in eine langfristige Waffe verwandeln kann. 

In Bern sah eine junge Frau unseren Block und kam direkt auf uns zu: «Wie kann man die Epstein-Klasse stürzen?» Sie sagte, sie sei auf der Suche nach einer kommunistischen Organisation mit einem effektiven Plan. Sie diskutierte den ganzen Nachmittag mit uns und half auch gleich mit der RKP-Zeitung neue Kommunisten zu finden. Am Abend kam sie noch mit uns ins Parteibüro und will jetzt unserer Parteizelle in Winterthur beitreten! Und in Basel meinte ein Genosse, der erst eine Woche zuvor beigetreten war, am Abend: «Vorher wusste ich nicht so recht, was ich im Leben machen soll. Aber jetzt verstehe ich, dass Kommunist zu werden der nächste Schritt ist, um diese Welt zu verändern.»