Eine Reihe von Schüler- und Studierendenorganisationen in ganz Europa hat zu einem Jugendstreik gegen Krieg und Militarismus aufgerufen, der am 20. November unter der Parole «Kämpfen für unsere Zukunft, nicht für ihre Kriege!» stattfinden soll. In einer Zeit, in der die herrschenden Klassen Europas die Kriegstrommeln schlagen und im Umfang von Billionen von Franken aufrüsten, ist ein koordiniertes Vorgehen gegen diese reaktionäre Politik dringend nötig.

Unter dem Druck von unten haben einige Gewerkschaften für denselben Tag Streiks ausgerufen. In Italien kündigte die CGIL einen Generalstreik ausdrücklich in Verbindung mit dem Jugendstreik an. 

Bereits im September und Oktober ist die Jugend in einer Reihe von Ländern auf die Strasse gegangen. In Frankreich gegen das unterfinanzierte Bildungssystem, in Spanien gegen unbezahlbaren Wohnraum. Überall erschüttern die Bewegungen die Regierungen. In Deutschland haben bereits Zehntausende Schüler Streiks gegen Merz’ Militarismus und gegen die Wehrpflicht abgehalten. Und in Österreich streiken Schüler gegen das rassistische Kopftuchverbot der Regierung.

In all diesen Bewegungen drückt dieselbe Stimmung durch: «Die Herrschenden greifen unsere Rechte und unseren Lebensstandard an, während sie Migranten zu Sündenböcken machen und Rassismus schüren. Gleichzeitig verteilen sie Milliarden für Krieg, Aufrüstung und die Reichen! Genug ist genug!»

Millionen Jugendliche in ganz Europa kommen zum Schluss, dass die Probleme, vor denen sie stehen, nicht einfach eine Frage richtiger oder falscher Prioritäten oder Parteien sind. Die Ursache für die Angriffe auf ihre Generation liegt im kapitalistischen System selbst und den imperialistischen Interessen der gesamten europäischen herrschenden Klasse. Das Bewusstsein schreitet sprunghaft voran. Krise um Krise entsteht eine breite Front der Unzufriedenheit.

In diesem Zusammenhang bietet der Jugendstreik am 20. November eine historische Gelegenheit, an diese Stimmung anzuknüpfen und diese Kämpfe miteinander zu verbinden. Eine koordinierte Aktion in ganz Europa, an der sich möglicherweise Millionen von Schülern und Studenten beteiligen, wäre ein entscheidender Schritt nach vorn, um diese Schichten in den revolutionären Kampf für den Sozialismus hineinzuziehen.

Kanonen statt Butter

Die kapitalistische Krise hat den Kampf zwischen den verschiedenen Banden imperialistischer Räuber dramatisch verschärft. Die herrschenden Klassen Europas haben den Völkermord in Gaza unterstützt und Milliarden in den Krieg in der Ukraine gepumpt. In ihrem verzweifelten Versuch, sich vor einer demütigenden Niederlage gegen Russland zu retten, schüren sie eine Hysterie über einen angeblich baldigen Angriff auf ein NATO-Land, um noch mehr Rüstungsausgaben zu rechtfertigen.

Zu diesem Zweck wird jungen Menschen in ganz Europa gesagt, sie sollen sich hinter ihre eigenen herrschenden Klassen stellen. «Geht zur Armee!», fordern Friedrich Merz, Emmanuel Macron und Andy Burnham, während sie auf den Feind im Osten als existenzielle Bedrohung für die sogenannte «demokratische Lebensweise» in Europa verweisen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.

In Wirklichkeit ist es die herrschende Klasse im Westen, die die ganze Zeit die Flammen des Kriegs anfacht. Sie hat jedes waghalsige Abenteuer des US-Imperialismus mitgemacht, um zu retten, was noch vom transatlantischen Bündnis übrig ist. In der Ukraine geht es ihnen keineswegs um Freiheit, Souveränität oder Demokratie; ihr einziges Ziel ist es, Russland als rivalisierende Macht zu schwächen, wobei die einfachen Ukrainer gezwungen sind, den höchsten Preis dafür zu zahlen.

Während Gymnasiasten in Frankreich fordern, dass ihre überfüllten Klassenzimmer nicht von Ratten und Kakerlaken befallen sind, schickt Macron die bewaffnete Polizei, um sie zu verprügeln, während er selbst einem Testflug einer neuen nuklearfähigen Rakete beiwohnt. Deutlicher hätte die herrschende Klasse ihre Prioritäten nicht zeigen können.

Wer zahlt?

Die herrschenden Klassen Europas erhöhen die Verteidigungsausgaben um Hunderte von Milliarden. Während die Rüstungskonzerne abkassieren, wirft die verschwenderische Ausgabenpolitik die Frage auf: Wer zahlt die Rechnung? Im Kapitalismus gibt es nichts umsonst – heute erst recht nicht, wenn Deutschland in der Rezession steckt, die Inflation überall wütet und Frankreich mit einem ausufernden Haushaltsdefizit zu kämpfen hat.

In Wirklichkeit sind es die Arbeiterklasse und die Jugend auf der ganzen Welt, die die Rechnung bezahlen. Kürzungen bei Sozialausgaben und Bildung, ein höheres Rentenalter und steigende Preise sind die Kosten für das imperialistische Streben, Einflusssphären in der Welt zu verteidigen und auszuweiten.

Seit 2022 verzeichnet die Weltwirtschaft den grössten Anstieg der Militärausgaben seit dem Ende des Kalten Krieges. Zum elften Mal in Folge sind die Ausgaben für Waffen und Bomben gestiegen, im Jahr 2025 erreichten sie weltweit fast drei Billionen Dollar.

Das ist eine unvorstellbare Geldsumme, die in Tod und Zerstörung fliesst, und doch wird uns gesagt, es gebe keinen Cent, um auch nur das aktuelle Niveau der öffentlichen Dienstleistungen aufrechtzuerhalten! In Deutschland streicht Merz Sozialleistungen, verdoppelt den Preis für verschreibungspflichtige Medikamente und erhöht das Rentenalter. Die Grosskonzerne erhalten Steuererleichterungen und Subventionen, während sie den Arbeitern Entlassungen und längere Arbeitszeiten aufzwingen.

Für die heutige Jugend in ganz Europa ist der Fall klar. Wenn die herrschende Klasse ihre drakonischen Angriffe durchsetzt, wird es uns viel schlechter gehen als der Generation unserer Eltern! Klimakollaps, ausufernde Staatsverschuldung und die explodierenden Lebenshaltungskosten bedrohen bereits jetzt unsere Zukunft. Und obendrein sollen wir den Gürtel enger schnallen, damit sie Kriege führen können, um die Profite einer winzigen Gruppe von Milliardären zu schützen? Es ist Zeit, dem einen Riegel vorzuschieben.

Welches Programm?

Die Jugend spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Militarismus und Krieg. Von der Bewegung gegen den Vietnamkrieg bis zum Ausbruch der Bewegung gegen den Völkermord in Gaza standen sie an vorderster Front. In Deutschland lehnen zwei Drittel der Jugendlichen die Wehrpflicht ab. Das zeigt das enorme Potenzial, Tausende und letztlich Millionen zu mobilisieren.

Doch die Frage muss gestellt werden: Wie können diese Initiativen tatsächlich erfolgreich sein und die Kriegsmaschinerie stoppen? Wir brauchen politische Klarheit über das Programm, mit dem wir mobilisieren und streiken. Das ist eine Voraussetzung, um den Kampf voranzubringen.

Wie die Geschichte zeigt, lassen sich Imperialismus und der Drang zum Militarismus nicht innerhalb der Grenzen des Kapitalismus stoppen. Im Gegenteil: Es ist ein Wirtschaftssystem, das auf Profit, Ausbeutung und Konkurrenz zwischen Nationen beruht, das überhaupt erst zu diesen Schrecken führt. Pazifistische Appelle an die herrschende Klasse und ihre politischen Vertreter zu richten, wird nichts lösen. Vielmehr sät es falsche Illusionen in genau jene, an deren Händen Blut klebt, und in die Vorstellung, der Imperialismus sei bloss eine politische Entscheidung und nicht eine Notwendigkeit für die Kapitalistenklasse.

Eine echte Antikriegsbewegung braucht eine klare revolutionäre Politik. Das bedeutet, offen auszusprechen, dass die Bewegung der Jugend nur als Teil des Klassenkampfs gewonnen werden kann. Die Bewegung muss die Arbeiterklasse einbeziehen, die die Macht besitzt, die Kapitalisten dort zu treffen, wo es wehtut, und die ein Interesse daran hat, die Gesellschaft und die Produktion nach den Bedürfnissen der Mehrheit zu führen. Der italienische Generalstreik für Palästina im Oktober 2025 und die Aktionen von Hafenarbeitern in Teilen Europas, die sich weigerten, Waffen zu verladen, haben gezeigt, was möglich ist. Letztlich kann nur ein Kampf für eine sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft Imperialismus, Militarismus und Krieg besiegen.

Das grösste Hindernis auf diesem Weg sind die reformistischen Führungen. Während es auf dem Papier ihre Aufgabe wäre, sowohl die Jugend als auch die Arbeiterklasse zu mobilisieren, haben sie dem Klassenkampf längst abgeschworen, ganz zu schweigen von der Revolution. Stattdessen suchen sie Kompromisse mit der herrschenden Klasse und versuchen, jede Bewegung von der Strasse in parlamentarische Bahnen zu lenken. In der Kriegsfrage appellieren sie an das Völkerrecht und an Organisationen wie die Vereinten Nationen. Doch ein imperialistischer «Frieden» kann, wie Lenin betonte, nur das Vorspiel zu neuen imperialistischen Kriegen sein.

Stürzt die Regierungen der Reichen!

Schon jetzt erkennen Jugendliche in ganz Europa, dass der einzige Weg, ihren Kampf voranzubringen, darin besteht, die Arbeiterklasse einzubeziehen, die Gesellschaft zum Stillstand zu bringen und den Sturz der Herrschenden zu erzwingen.

In Spanien kam der Aufruf zu einem Generalstreik von den Massen, die sich vollkommen bewusst sind, dass Appelle und Petitionen grundlegende Bedürfnisse wie Wohnraum nicht garantieren können – selbst wenn eine vermeintlich «linke» Regierung an der Macht ist. In Frankreich ist Mai 68 das Vorbild der Studenten, da sie erkennen, dass die Regierung nur durch Streiks und Fabrikschliessungen zur Kapitulation gezwungen wird.

Die Krise jedes europäischen Landes ist so tief, dass keine einzelne Massnahme das Leid nennenswert lindern oder der heutigen Jugend eine anständige Zukunft bieten kann. Die wirtschaftlichen Verhältnisse diktieren eine Politik von Kürzungen, egal wer an der Macht ist.

Um diesen anhaltenden sozialen Niedergang aufzuhalten, der die Jugend unverhältnismässig stark und unmittelbar trifft, ist eine radikale Veränderung nötig. Kurz gesagt: Die Regierung der Kapitalisten muss durch eine Arbeiterregierung ersetzt werden. 

Die unmittelbaren Forderungen der Bewegung und des Streiks am 20. November müssen daher mit der Perspektive verbunden werden, die Regierungen Europas und das gesamte System, das sie verteidigen, zu stürzen.

Was die Aktionsformen betrifft, so müssen sie dieser gewaltigen Aufgabe gewachsen sein. Das bedeutet in erster Linie, die Bewegung selbst auszuweiten und jedes Klassenzimmer jeder Schule und Universität in jeder Stadt und Gemeinde einzubeziehen. Es bedeutet, den gesamten Bildungssektor mit ins Boot zu holen und den Aufruf auf die Arbeiterklasse als Ganzes auszuweiten. Und es bedeutet vor allem, Klassenforderungen an die Spitze der Bewegung zu stellen und den Kampf gegen Krieg und Militarismus mit dem Kampf gegen den Kapitalismus zu verbinden.

Der Jugendstreik am 20. November kann zu einem Meilenstein im Kampf werden, der derzeit über Europa hinwegfegt. Die Revolutionäre Kommunistische Internationale wird sich mit Begeisterung daran beteiligen und Forderungen einbringen, die darauf abzielen, die schärfstmögliche Trennlinie zwischen den beiden unversöhnlichen Seiten in diesem Kampf zu ziehen: zwischen der Jugend und den Arbeitern auf der einen Seite und den Kapitalisten und Kriegstreibern auf der anderen!

In den imperialistischen Ländern Europas sagen wir: «Der Hauptfeind steht im eigenen Land!», getreu der Haltung, die Karl Liebknecht beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs einnahm. Wir müssen dafür kämpfen, die Kriegstreiber in ganz Europa zu Fall zu bringen, und unmissverständlich mit dem Finger auf ihre Verbrechen und ihre Heuchelei zeigen! Nur der Klassenkrieg kann die imperialistische Kriegsmaschinerie aufhalten. Nur die sozialistische Revolution kann den Kapitalismus stürzen und den Weg zu Frieden und zu einer Zukunft für die Jugend öffnen.

Wir sagen:

  • Bücher statt Bomben! Sozialstaat statt Kriegsstaat!
  • Für die Enteignung der Kriegsprofiteure ohne Entschädigung!
  • Verteidigen wir das Recht auf freie Meinungsäusserung und Protest! Nieder mit der Repression gegen die Antikriegsbewegung!
  • Frieden zwischen den Völkern, Krieg den Milliardären!
  • Arbeiter aller Länder, vereinigt euch!