Ehsan Ali, ein führendes Mitglied der Inqalabi Communist Party (RCP) und Vorsitzender des Awami Action Committee (AAC) in Gilgit-Baltistan, wurde am 10. März zusammen mit anderen AAC-Führern verhaftet, nachdem sie über friedliche Proteste in der Region beraten hatten. [Anm. d. Red.: Dank einer internationalen Solidaritätskampagne wurde Ehsan Ali inzwischen freigelassen}

Lotta Angantyr, nationale Organisatorin der britischen RCP, sprach mit Adam Pal, dem Führer der pakistanischen Sektion der Revolutionären Kommunistischen Internationalen (RKI), um mehr über die politische Lage im Land und die Bedingungen zu erfahren, unter denen unsere Genossen für den Sozialismus kämpfen.


Lotta: Nach der Verhaftung von Ehsan Ali und anderen Führern des AAC haben wir Berichte über zunehmende Repressionen gegen politische Aktivisten in ganz Pakistan gehört. Was ist der wichtigste  politische Grund dafür?

Adam: Die herrschende Klasse führt beispiellose Angriffe auf die pakistanische Bevölkerung durch. Neben der Wirtschaftskrise und dem Beinahe-Bankrott der Wirtschaft, deren Last auf die Massen abgewälzt wird, hat die staatliche Repression neue Höhen erreicht.

Pakistan ist ein Land, das viele Phasen von Kriegsrecht und Diktaturen durchlebt hat. Tatsächlich stand Pakistan in fast der Hälfte der 80 Jahre seit der Unabhängigkeit unter Militärdiktaturen, während es in der anderen Hälfte unter der indirekten Kontrolle der Generäle durch zivile Regierungen stand.

Derzeit regiert eine gewählte Regierung, doch bei den letzten Wahlen gab es den grössten Wahlbetrug aller Zeiten, selbst nach pakistanischen Massstäben. Das gegenwärtige Regime wird direkt vom Armeechef Pakistans kontrolliert. Obwohl das nichts Neues ist, steckt das Regime aufgrund seines fehlenden Rückhalts in der Bevölkerung in einer tiefen Krise.

Die herrschende Klasse ist sich der revolutionären Bewegungen in der Region bewusst, darunter in Ländern wie Sri Lanka, Bangladesch und Nepal. Deshalb fürchtet sie eine ähnliche Bewegung in Pakistan und setzt alle Mittel ein, um jegliche Form von Widerstand zu unterdrücken.

Neue Gesetze zur Kontrolle der Medien wurden durchgesetzt und Beiträge in den sozialen Medien, die sich gegen Preiserhöhungen oder andere Massnahmen der Regierung richten, gelten nun als Straftat. Demokratische Rechte, die sich die Bevölkerung Pakistans über Jahrzehnte im Kampf gegen brutale Regimes erkämpft hat, werden ihr Stück für Stück entrissen.

Heute sind wir in einer Situation, in der selbst die Organisation eines kleinen Protests gegen die Regierung grosse Gefahr birgt. Es gibt mehrere Fälle, in denen Organisatoren kleiner Proteste von den staatlichen Behörden entführt und gefoltert oder verhaftet und auf der Grundlage von Terrorgesetzen angeklagt werden.

Einer der Hauptgründe dafür ist der Niedergang sämtlicher etablierter Parteien. Die Pakistan Muslim League, PML(N), die das Land mehrfach regiert hat, ist derzeit an der Regierung. Traditionell von der Bourgeoisie und dem Kleinbürgertum getragen, verloren ihre wichtigsten Führer bei den letzten Wahlen ihre Sitze, darunter der dreimalige Premierminister Nawaz Sharif, der seinen Sitz in Lahore verlor, aber durch Betrug zum Sieger erklärt wurde.

Eine weitere Regierungspartei ist die Pakistan People’s Party (PPP), die einst die grösste Partei des Landes war und viele Male regiert hat. Diese Partei entstand aus der revolutionären Bewegung von 1968–69, als ihr Führer Bhutto die Losung des Sozialismus und „alle Macht dem Volk“ erhob. Doch nach der Machtübernahme verriet Bhutto diese Ziele und stärkte den Kapitalismus, auch wenn er gezwungen war, einige Verstaatlichungen in der Industrie durchzuführen.

Mehrere Jahrzehnte lang diente diese Partei der Arbeiterklasse als Ventil für ihre Wut auf die herrschende Klasse; so kam sie mehrmals an die Macht. Doch inzwischen ist sie zu einem Werkzeug der herrschenden Klasse zur Unterdrückung des Volkes geworden und die gesamte Massenunterstützung, die sie früher genoss, ist restlos verflogen.

Aufgrund der manipulierten Wahlen und der diktatorischen Methoden der Generäle ist diese Partei noch immer Teil der Koalition in der Zentralregierung und regiert in zwei Provinzen. Beide grossen Parteien sind zusammen mit kleineren Parteien zu Symbolen des Hasses geworden.

Die wichtigste Oppositionspartei im Parlament ist Imran Khans Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI). Es ist ein offenes Geheimnis, dass diese Partei von den Generälen als Gegengewicht zu den anderen politischen Parteien aufgebaut wurde, damit die Generäle die Lage besser kontrollieren können.

2019 kam die PTI mit der offenen Unterstützung der Generäle und durch Wahlbetrug an die Macht, wobei sie aufgrund ihrer Rhetorik gegen die Korruption der beiden anderen grossen Parteien eine gewisse Unterstützung im Kleinbürgertum gewann. Nach der Machtübernahme führte sie schwere Angriffe auf die Arbeiterklasse durch und die Korruption erreichte neue Höhen, während die Bourgeoisie Pakistans beispiellose Profite machte.

Die PTI führte zudem eine schwere Repressionswelle gegen die demokratischen Rechte im Land durch und unterdrückte jegliche Form von Widerstand. Nach dem Zusammenbruch des Marionettenregimes des US-Imperialismus in Afghanistan wandten sich die imperialistischen Mächte, allen voran die USA, gegen die PTI. Die Amerikaner erlitten eine demütigende Niederlage und schoben auf der Suche nach einem Sündenbock alle Schuld auf die herrschende Klasse Pakistans.

Im Laufe seiner Geschichte, selbst nach der sogenannten Unabhängigkeit, wurde Pakistan streng von imperialistischen Mächten kontrolliert. Zunächst war es vor allem der britische Imperialismus, doch nach und nach übernahmen die Amerikaner. Seit Jahrzehnten hat die herrschende Klasse Amerikas das letzte Wort in allen wichtigen Staatsangelegenheiten, während die Wirtschaft streng vom IWF und der Weltbank kontrolliert wird. Selbst bei wichtigen Ministerien, einschliesslich dem Finanz- und dem Innenminister, haben die Imperialisten meist das letzte Wort.

Der Prozess, die PTI im Jahr 2023 von der Macht zu verdrängen, führte zu einer Spaltung innerhalb der herrschenden Klasse. Einige Generäle unterstützten die PTI, während sie andere ersetzen wollten. Dies spitzte sich auf die Ernennung des neuen Armeechefs zu, bei der beide Fraktionen ihren Favoriten auf dem  wichtigsten Posten des Landes sehen wollten.

Die PTI verlor diesen Kampf und seither sitzt ihre gesamte Führungsspitze im Gefängnis, während die andere Fraktion den Staat kontrolliert. Nach seiner Ernennung zum Armeechef gelang es dem jetzigen Amtsinhaber, Verfassungsänderungen zu seinen Gunsten durchzusetzen. Er verlängerte nicht nur seine Amtszeit und erhob sich selbst zum Feldmarschall, sondern erhielt auch lebenslange Immunität vor jeglicher Strafverfolgung. Pakistan befindet sich de facto unter Kriegsrecht.

Die Repression gegen die PTI ebnete den Weg dafür, alle demokratischen Kräfte im Land zu zerschlagen. Aus Angst vor einem revolutionären Massenaufstand versuchen die staatlichen Behörden, ihn im Keim zu ersticken. Bei jedem Versuch, Arbeiter oder Jugendliche zu organisieren, schlagen sie Alarm.

Seit einigen Jahrzehnten verschwinden regelmässig Personen: Ein politischer Aktivist wird von den staatlichen Behörden entführt, in ein Verlies geworfen und dort jahrelang, manchmal sogar jahrzehntelang, ohne Prozess festgehalten und niemand weiss, wo er ist.

Sollte er dabei sterben, wird die gefolterte Leiche in einem Abwasserkanal entsorgt. Das zeigt die Krise der Justiz, die so machtlos und gelähmt geworden ist, dass die herrschende Klasse sie nicht einmal mehr für ihre eigenen Zwecke nutzen kann. Aussergerichtliche Methoden sind zur Norm geworden, um die Autorität des Staates durchzusetzen.

Tatsächlich befindet sich der gesamte Staat in einer Krise und die breite Öffentlichkeit hat das Vertrauen in all diese verfallenden und verrotteten Staatsinstitutionen verloren. Der einzige Weg nach vorn ist, dieses kapitalistische System und diesen verrotteten bürgerlichen Staat durch eine sozialistische Revolution zu stürzen und durch einen Arbeiterstaat zu ersetzen.

Warum geht der Staat gerade gegen Ehsan Ali, das AAC und die Inqalabi Communist Party so brutal vor? Was macht das mit unseren Genossen?

Ehsan Ali ist der dienstälteste Anwalt von Gilgit-Baltistan und kämpft seit Beginn seiner Laufbahn im Jahr 1986 vor den Gerichten von Gilgit für die Rechte der Arbeiter.

Er baute um 2014 das Awami Action Committee (AAC) auf und führte Massenproteste von Zehntausenden in ganz Gilgit-Baltistan für subventioniertes Weizenmehl und andere Grundrechte an. Er gewann diesen Kampf trotz massiver staatlicher Repression. Durch diese Massenbewegung gelang es dem AAC unter der Führung von Ehsan Ali, verschiedene Teile dieser vielfältigen Gesellschaft auf einer Plattform zusammenzubringen.

Der Aufbau einer alternativen Massenplattform, über die die herrschende Klasse keine Kontrolle hat, war Ehsan Alis grösstes ‚Verbrechen‘, für das er im letzten Jahrzehnt mehrfach verhaftet wurde.

2019 trat er unserer Partei bei und ist heute einer der wichtigsten Führer der RCP in Pakistan. In Gilgit-Baltistan baute er die RCP aktiv auf und in Gilgit und Hunza wurden neue Ortsgruppen gegründet. Unsere jungen Genossen führten 2023 zudem eine Studentenbewegung gegen Gebührenerhöhungen an der Karakorum-Universität in Gilgit an, der wichtigsten Universität dieser Region mit Tausenden von Studierenden.

Die RCP startete einen regelmässigen Lesekreis unter den Arbeitern der Autowerkstätten in Gilgit, der noch immer von einem unserer führenden Genossen organisiert wird, der dieses Jahr trotz schwerer staatlicher Repression eine Aktivität zum 1. Mai organisierte.

2025 brachten die staatlichen Behörden ein neues Landreformgesetz in die GB-Parlament ein, um sich Land im Besitz einfacher Leute anzueignen, im Interesse imperialistischer Mächte, die die Boden- und Naturschätze dieser Region plündern wollen. Ehsan Ali organisierte AAC-Versammlungen gegen das Gesetz und plante eine Massenbewegung, als er verhaftet wurde. Als andere Genossen Proteste für seine Freilassung organisierten, wurden sie verhaftet und gefoltert.

Dennoch gab es mehrere Proteste für seine Freilassung in ganz GB und in Pakistan. Die RKI startete weltweit eine grosse internationale Kampagne, woraufhin die staatlichen Behörden ihn aus dem Gefängnis entliessen. Aufgrund des Drucks der Bewegung wurde sein Name von der berüchtigten “Fourth Schedule” gestrichen. Das ist eine Liste von Personen, die des Terrorismus angeklagt werden, wodurch die Polizei deren Bewegungsfreiheit einschränken kann.

In diesem Jahr entfachte der Krieg des US-amerikanischen und israelischen Imperialismus gegen den Iran erneut die Wut auf Pakistans unterwürfige herrschende Klasse, die den Diktaten des US-Imperialismus folgt. In Pakistan und in Gilgit-Baltistan gab es grosse Solidaritätsproteste für den Iran, bei denen Sicherheitskräfte das Feuer eröffneten und mehrere Menschen getötet wurden. Die herrschende Klasse fürchtete, dass sich diese Bewegung im ganzen Land ausbreiten und das allgemeine Gefühl des Hasses gegen die herrschende Klasse vertiefen könnte. Deshalb verschärfte sie die staatliche Repression.

Vor diesem Hintergrund besuchte Ehsan Ali die verletzten Demonstranten im Krankenhaus und organisierte ein kleines Treffen der AAC-Führung bei einem Iftar-Abendessen, um die Lage zu besprechen und zu beraten, wie das AAC seine Aktivitäten planen könnte.

Dieses Treffen wurde zur terroristischen Aktivität erklärt und Ehsan Ali und andere Führer des AAC wurden am 10. März verhaftet. Seitdem sitzt er im Gefängnis und ihm werden trotz seines hohen Alters und seiner angeschlagenen Gesundheit medizinische Hilfe und Gesundheitsversorgung verweigert. Ein Polizeibeamter in Gilgit sagte, der Staat beabsichtige, ihn im Gefängnis sterben zu lassen.

Zwei weitere führende RCP-Genossen in Gilgit, Waheed Hasan und Asghar Shah, sind noch immer im Untergrund, da die Polizei versucht auch sie zu verhaften. Seit zwei Monaten sind sie untergetaucht und nun werden ihre Angehörigen schikaniert, mit Verhaftung bedroht und unter Druck gesetzt, sie auszuliefern.

Andere Genossen der RCP stehen unter strenger Überwachung durch die staatlichen Behörden und es heisst, man wolle die RCP in GB um jeden Preis zerschlagen. Wer versucht, einen Protest zur Unterstützung von Ehsan Ali zu organisieren, wird sofort verhaftet. Gegen einen führenden Anwalt aus Gilgit, Taaruf Abbas, der in einer WhatsApp-Gruppe eine Sprachnachricht verschickte und andere Anwälte aufforderte, sich aktiv für Ehsan Ali einzusetzen, wurde ein Verfahren wegen Terrorismus eingeleitet.

Gegen einen weiteren Führer des AAC wurde ein Verfahren eröffnet, weil er auf Facebook seine Unterstützung für Ehsan Ali bekannt gegeben hatte. Trotz dieser Umstände organisierten Genossen der RCP zusammen mit Familienangehörigen von Ehsan Ali am 4. Mai einen starken Protest in Hunza. Sie blockierten die Hauptverkehrsstrasse, die China mit Pakistan verbindet, und setzten den Protest mehrere Stunden lang fort. Während des Protests wuchs die Solidarität und Menschen aus anderen Provinzen schlossen sich an.

Das provozierte ein hartes Durchgreifen: Die Polizei verhaftete drei der Hauptorganisatoren, die nach einigen Tagen in Gewahrsam wieder freigelassen wurden. Gegen die Organisatoren dieses Protests, allesamt Mitglieder der RCP, wurde ein Polizeiverfahren eröffnet. Ironischerweise wurde in diesem Verfahren auch ein Sympathisant der RCP genannt, der bereits vor einem Jahr verstorben war. Das zeigt, dass die Polizei gezielt die RCP und ihre Sympathisanten ins Visier nimmt.

Unter welchen Bedingungen befinden sich unsere Genossen in Haft?

Als die Genossen letztes Jahr verhaftet wurden, wurden sie brutal gefoltert. Ehsan Ali wurde die medizinische Versorgung verweigert und erst nach mehreren internationalen Protesten wurde er ins Krankenhaus verlegt.

Junge Genossen wurden von einem Joint Investigation Team (JIT) verhört, wo Polizeibeamte von den militärischen Geheimdiensten unterstützt wurden. Unsere Genossen wurden aufgefordert, gegen Ehsan Ali und die RCP auszusagen. Sie wurden unter Folter verhört und gefragt, wie die RCP arbeitet, wie sie finanziert wird, ob es Hinweise auf Verbindungen zu feindlichen Ländern gibt und wie sie trotz dürftiger Mittel landesweit agieren kann.

Diese jungen Genossen wurden mit einem Seil gefesselt und kopfüber an der Decke aufgehängt, sowie während dieser Verhöre erbarmungslos geschlagen. Danach wurden ihnen lukrative Jobs angeboten, falls sie die RCP verlassen oder sich den staatlichen Behörden als Informanten zur Verfügung stellen würden.

Welche Wirkung hat die internationale Solidaritätskampagne „Free Ehsan Ali“ auf die Genossen der Inqalabi Communist Party und des AAC?

Die internationale Kampagne spielt hier eine entscheidende Rolle. Die staatlichen Behörden stehen unter enormen Druck und das ist der einzige Grund, warum Ehsan Ali und andere Genossen letztes Jahr aus dem Gefängnis entlassen wurden.

Auch diesmal sind wir hoffnungsvoll, dass diese Kampagne erfolgreich sein wird. Andererseits sitzen viele andere Führer von Massenbewegungen seit mehreren Jahren im Gefängnis. Die Führer der belutschischen und paschtunischen Massenbewegungen in Pakistan wurden verhaftet und schmachten seit Jahren hinter Gittern..

Die internationale Kampagne hat unter der einfachen Bevölkerung von Gilgit-Baltistan Hoffnung und ein Gefühl der Solidarität geweckt; die Menschen freuten sich über die starke Unterstützung ihrer Sache durch Genossen aus aller Welt.

Das hat dazu beigetragen, das Ansehen der RCP in ganz Pakistan auf ein beispielloses Niveau zu heben. Die Kampagne hat den Glauben an die Losung der Arbeitersolidarität und an die Ideen der Klassensolidarität über die Grenzen von Hautfarbe, Sprache und Nationalität hinweg gestärkt.

Tatsächlich nutzt die herrschende Klasse diese Vorurteile und Trennlinien, um die Arbeiterklasse zu spalten, während diese Kampagne diese Spaltungen zerschlagen und die Idee der Verbrüderung in der Arbeiterklassein den Vordergrund gestellt hat.

Wie ist es, in Pakistan die RKI aufzubauen?

In Pakistan hat die RCP Ortsgruppen im ganzen Land. Es gibt mehr als 70 Ortsgruppen, die alle wichtigen Gebiete und Regionen abdecken, von Karatschi im Süden an der Küste des Arabischen Meeres über Peschawar, Kaschmir und Gilgit im Norden bis Gwadar im Süden.

Unser Zentrum befindet sich in Lahore und wir sind an allen grossen Universitäten des Landes vertreten. Unsere Genossen intervenieren in Bewegungen der Arbeiterklasse in ganz Pakistan, insbesondere im Industriegebiet von Karatschi.

Im Laufe der Jahre haben wir in Bewegungen von Arbeitern des öffentlichen Dienstes, von Eisenbahn- und Fluglinienarbeitern, Elektrizitätsarbeitern, Arbeitern im Gesundheitswesen, Lehrern, Professoren und in vielen anderen Sektoren interveniert.

In diesem Jahr haben wir in mehr als 20 Städten Aktivitäten zum 1. Mai organisiert oder uns daran beteiligt. Von den Kohlebergarbeitern in Belutschistan über die Salzbergwerks- und Industriearbeiter in Jhelum bei Islamabad bis zu den Beschäftigten im Gesundheitswesen in Kaschmir tragen wir die Botschaft des revolutionären Kommunismus.

Die RCP hat in den Massenbewegungen der unterdrückten Nationalitäten interveniert. Unsere Intervention in den Massenbewegungen der Paschtunen und Belutschen spielte eine wichtige Rolle dabei, den aktiven Schichten der Bewegung Perspektiven und Analysen an die Hand zu geben, die sich über die Jahre als richtig erwiesen haben. Wir haben auch die gewaltsame Abschiebung von mehr als zwei Millionen afghanischen Flüchtlingen aus Pakistan verurteilt und uns an Protesten für diese Sache beteiligt.

Eine weitere wichtige Rolle spielten wir in der Massenbewegung des AAC in Azad Kaschmir. Diese Massenbewegung organisierte mehrere grosse Demonstrationen mit Hunderttausenden von Menschen und errang grosse Siege, darunter eine Senkung des Strompreises um bis zu 90 Prozent und eine Senkung des Weizenmehlpreises um mehr als 50 Prozent.

Wir intervenierten mit unserer Zeitung The Communist, von der wir jeden Monat 2.000 Exemplare herausgeben. Im Laufe der Jahre hat die Sektion eine vierteljährlich erscheinende theoretische Zeitschrift, Lal Salam, sowie viele Bücher veröffentlicht, darunter Urdu-Übersetzungen von Trotzkis Die Permanente Revolution und Alan Woods’ Bolschewismus: Der Weg zur Revolution.

Weitere von uns veröffentlichte Broschüren behandelten den dialektischen Materialismus, wie man gegen den Imperialismus kämpfen kann, die Frauenfrage, die nationale Frage in Kaschmir, sowie den imperialistischen Charakter der chinesischen Investitionen in Pakistan.

Unsere Website (communist.pk) ist die einzige Website in Urdu mit kommunistischen Ansichten und Analysen. Unsere Präsenz in den sozialen Medien erregt viel Aufmerksamkeit und manche Beiträge erreichen Hunderttausende von Aufrufen.

Wir haben eigene revolutionäre Lieder produziert und einige Genossen sind bekannte Dichter. Die Sektion hat die Tradition, Straßentheater und Musikaufführungen unter Arbeitern und Studierenden sowie an Bücherständen im ganzen Land zu organisieren, um unsere revolutionäre Botschaft in die breite Öffentlichkeit zu tragen.

Die Genossen in Pakistan müssen schwierige finanzielle Situationen ertragen, um ihre Aktivitäten zu organisieren. Die Wirtschaft des Landes durchlebt die schlimmste Krise ihrer Geschichte und Preiserhöhungen und Arbeitslosigkeit haben den Grossteil der Ersparnisse der Mehrheit der Bevölkerung aufgezehrt.

Für die Mehrheit der Bevölkerung gibt es keine Gesundheits- und Bildungseinrichtungen und die wenigen vorhandenen, ohnehin maroden Einrichtungen werden nun privatisiert, sodass sie für die breite Öffentlichkeit unerreichbar werden. Doch trotz alledem sammeln die Genossen Spenden von Studierenden und Arbeitern und setzen ihre Aktivitäten fort. Wir haben ein Zentrum in Lahore mit sechs Berufsrevolutionären, während sieben weitere in verschiedenen Städten des Landes arbeiten.

Wir haben Büros in zehn Städten. Unsere Finanzen sind meistens im Minus, aber an den grossen Veranstaltungen des Jahres sammeln wir Spenden, um diese monatlichen Defizite zu decken. Die Genossen bringen regelmässig grosse Opfer, um unsere Ausgaben zu decken.

Die RCP in Pakistan war im Laufe der Jahre viele Male staatlichen Repressionen ausgesetzt. 2018 wurden mehrere unserer führenden Genossen nach einer Kundgebung vor dem Presseclub in Karatschi von staatlichen Behörden entführt und mehrere Tage lang schwer gefoltert.

Sie wurden mit Stöcken geschlagen, vor allem auf die Fusssohlen und andere empfindliche Körperstellen. Einem Genossen wurden auch Elektroschocks verabreicht. Ihnen wurden Tag und Nacht die Augen verbunden und sie wurden zu ihren Aktivitäten verhört.

Doch dank einer starken internationalen Kampagne wurden sie wenige Tage nach ihrer Entführung freigelassen. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich noch mehrmals und die Behörden führten immer wieder Razzien in unseren Büros durch.

Erst letzten Monat wurde unser Zentrum vom Militärgeheimdienst durchsucht, um uns mit vorgehaltener Waffe zu zwingen, einen Bericht von unserer Website zu entfernen. Manchmal werden Genossen und Sympathisanten der RCP lukrative Posten und andere Vorteile und Anreize angeboten.

Wenn ein neues Mitglied begeistert in den sozialen Medien über die Partei postet, wird er oder sie sofort kontaktiert und aufgefordert, sich zur eigenen Sicherheit von dieser Partei fernzuhalten. Religiöse Fundamentalisten und andere rechte Kräfte verbreiten regelmässig Hass gegen die Partei und werden dabei oft von Liberalen, Nationalisten und Anhängern der etablierten Parteien unterstützt.

Manchmal werden Genossen bedroht und eingeschüchtert, besonders bei der Arbeit an den Universitäten. Unsere Genossen haben es mit mehreren rechten Studentenorganisationen zu tun, von islamischen Fundamentalisten bis zu Nationalisten, sowie mit dem Sicherheitsapparat, Universitätsleitung und Verwaltung und der Polizei und anderen Geheimdiensten des Staates.

Doch für alle, die Teil der RCP sind, stärken all diese Repression und diese Hexenjagd unsere Entschlossenheit nur noch mehr und wir kämpfen weiter gegen die Wurzel all dieses Horrors – den Kapitalismus – und bauen unsere Kräfte auf, um ihn zu stürzen.

Bei unserem letzten Kongress im April dieses Jahres lag unsere Mitgliederzahl bei 752 und wir haben uns das Ziel gesetzt, innerhalb eines Jahres 1.000 zu erreichen. Unser Kongress fand unter sehr schwierigen Umständen statt.

Neben dem Beginn des Iran-Kriegs und den Verhaftungen unserer führenden Genossen in Gilgit gab es eine beispiellose Erhöhung der Treibstoffpreise um 70 Prozent, weshalb viele nicht anreisen konnten. Es bestand zudem die Gefahr einer Polizeirazzia am Veranstaltungsort, da uns die offizielle Genehmigung der Bezirksverwaltung verweigert wurde. Letztlich kam es nicht dazu und wir konnten den Kongress im Geheimen abhalten. Tatsächlich wird jedes Treffen mit ein paar Dutzend Genossen zunehmend schwierig.

Aber wir sind bereit, diesen Kampf bis zum Ende zu führen. Und die Ideen des revolutionären Kommunismus geben uns alle Kraft und Energie, um für unsere Sache zu kämpfen. Wir verstehen, dass dies kein Kampf um das Leben einiger weniger Individuen ist, sondern ein Kampf um die Zukunft der Menschheit und der gesamten Zivilisation.

Da der Kapitalismus zu einer Bedrohung für die Existenz der Menschheit geworden ist, müssen wir all unsere Energie und Kraft darauf verwenden, Kräfte zu organisieren, um ihn zu stürzen. Wir kämpfen für eine sozialistische Zukunft, frei von all dem Elend, der Unterdrückung und der Ausbeutung, denen die Arbeiterklasse heute überall ausgesetzt ist. Das ist die Zukunft, für die es sich zu leben und zu sterben lohnt.

  • Nieder mit dem Kapitalismus!
  • Lang lebe der Kommunismus!
  • Vorwärts zur sozialistischen Revolution in Pakistan!
  • Arbeiter aller Länder, vereinigt euch!