Das Schreckensbild aus den USA, dass man nach dem Studium schlussendlich doch in der Küche von McDonald’s zu einem Hungerlohn arbeiten muss, wird auch hier immer mehr zur Realität. So, wenn etwa eine ETH-Abgängerin in Architektur zehn Monate nach dem Masterabschluss immer noch in einer Lebensmittelverpackungsfabrik arbeitet, oder ein ETH-Abgänger in Elektrotechnik auch nach zwei Jahren erfolglos einen Job sucht.
Das sind keine Einzelfälle. Die Anzahl Einstiegsstellen für Uni-Abgänger ist im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 17 % gesunken. Besonders betroffen sind nicht etwa Geisteswissenschaftler, von denen man ständig sagt, sie seien unnütz, sondern BWL und Informatik. In der IT sind Einstiegsstellen im ersten Halbjahr 2025 sogar um 31 % zurückgegangen.
Das sind Studiengänge, die lange als bester Weg zu einem Mittelstands-Leben mit Jobsicherheit und guter Bezahlung gesehen wurden. Diese Garantie bröckelt. So erzählt ein ETH-Student in der NZZ: «Die Versprechen, mit denen meine Generation aufgewachsen ist, sind unerfüllt geblieben. Etwa, dass Bildung das A und O im Leben sei. Oder dass fast alles möglich ist, wenn man nur hart genug dafür arbeitet.»
Die steigende Arbeitslosigkeit unter Studienabgängern erklärt die Konjunkturforschungsstelle Schweiz zumindest teilweise mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz. Einfache statistische Analysen, administrative Arbeiten und Software-Entwicklung lassen sich mit KI deutlich schneller erledigen. Die Produktivität der Arbeiter steigt, damit sinkt die Nachfrage nach Arbeitern – insbesondere nach jungen mit wenig Berufserfahrung.
Das wäre grundsätzlich super: Die notwendige gesellschaftliche Arbeit sinkt, wir könnten alle unseren Arbeitstag verkürzen, bei gleichem Lohn. Doch so funktioniert der Kapitalismus nicht. Bei steigender Produktivität kürzen die Kapitalisten nicht die Arbeitstage, sondern entlassen einen Teil ihrer Belegschaft. Die Kapitalisten nutzen so den technischen Fortschritt als Waffe im Klassenkampf.
Gerade in der organischen Krise des Kapitalismus, in der die Schweizer Kapitalisten durch Überproduktion und Protektionismus unter Druck sind, ergreifen sie jede Möglichkeit, ihre Profite zu schützen. Die Kosten tragen junge Arbeiter, die sich einen sicheren Lebensunterhalt erhofft haben.
Dabei ist die Schweiz keine Insel. Die Financial Times berichtet über eine globale Reduktion von Einstiegsstellen für Hochschulabgänger aufgrund von Künstlicher Intelligenz. TikTok und Reddit seien voll von Zeugnissen einer traumatischen Jobsuche.
Die Antwort der Bürgerlichen auf die hohe Arbeitslosigkeit bei Studienabgängern: «Macht doch eine Lehre, wir haben sowieso zu viele Studenten!»
Die hohen Lohnerwartungen von Studi-Abgängern wollen die Kapitalisten nicht mehr bezahlen und die Staatsausgaben für Bildung wollen sie senken, um sich stattdessen am globalen imperialistischen Säbelrasseln zu beteiligen. So haben ihre Lakaien in Regierung und Parlament entschieden, die Studiengebühren zu verdoppeln; für ausländische Studenten sogar zu vervierfachen.
Das können sich viele Studenten schlicht nicht leisten. In Zürich – der Stadt mit den meisten Studenten – kann man mittlerweile von Glück reden, wenn man ein WG-Zimmer für unter 1’000 Franken findet. Dazu kommen steigende Krankenkassenprämien und Inflation.
Über ein Viertel der Studenten arbeitet heute schon mehr als zwei Tage pro Woche, um das alles zu finanzieren. Es ist klar: Dieser Anteil wird weiter steigen.
Für immer mehr Studenten ist die Finanzierung ihrer Ausbildung ein Kampf. Und jetzt stellt sich heraus: Nachher hast du nicht mal einen guten Job auf sicher!
Wir machen regelmässig Veranstaltungen zu Marxismus und organisieren Studenten für den Kampf der Arbeiterklasse an den Unis. Dort beobachten wir, dass internationale Ereignisse wie Krieg in der Ukraine, Genozid in Palästina, Trump und Klimakrise bei einem grossen Teil der Studenten dazu geführt haben, dass sie den Kapitalismus als Hauptproblem sehen. Viele wollen etwas machen und sind offen für kommunistische Ideen. Allein im Herbst 2025 sind 26 Studenten der RKP beigetreten – das ist etwa die Hälfte aller Beitritte in diesem Zeitraum.
In den Studenten-Radikalisierungs-Cocktail wird jetzt ein weiterer hochprozentiger Shot gekippt: Sie müssen sich immer mehr Sorgen um ihre eigene finanzielle Sicherheit und Zukunft machen.
So wird der berühmte Satz aus dem Kommunistischen Manifest von Marx und Engels – «Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Ketten» – auch für Hochschulabgänger immer zutreffender. Diese ehemals privilegierte Schicht der Schweizer Arbeiterklasse wird proletarisiert. Das wird nicht spurlos an ihrem Bewusstsein vorbeigehen, sondern die Wut auf den Kapitalismus weiter befeuern.
Wenn auch du genug hast vom ewigen Überlebenskampf im Kapitalismus, dann kämpf mit uns gegen dieses System!
Schweiz — von Jessica Bamford, Zürich — 16. 02. 2026
Lateinamerika — von Flo Trummer, Zürich — 14. 02. 2026
Schweiz — von Sereina Weber, Genf — 11. 02. 2026
Schweiz — von Dersu Heri, Bern — 09. 02. 2026
Nah-Ost — von Victor Murray Veds, marxist.com — 07. 02. 2026