Wir sind in eine neue Ära eingetreten – die Ära des nackten Imperialismus. Zuerst marschiert der US-Imperialismus in Venezuela ein und kidnappt den Präsidenten. Dann meldet Trump Besitzansprüche über Grönland an, das im Selbstverständnis der europäischen Imperialisten Dänemark «gehört». Anschliessend wird ein Volksaufstand im Iran von den USA und Israel in die Zange genommen. In der Ukraine stehen sich der russische und der westliche Imperialismus weiterhin unerbittlich gegenüber. Wenige Wochen im neuen Jahr – und weltweit herrscht imperialistischer Wahnsinn.

Rückkehr des Imperialismus?

Ist dies die «Rückkehr des Imperialismus», von der viele scheinbar hochgebildete Politiker und Journalisten sprechen? Nein. Die Grossmächte haben sich auch in den letzten hundert Jahren die Welt untereinander aufgeteilt. Insbesondere die USA haben unzählige Regierungen und Staatschefs gewaltsam gestürzt – nicht für «Demokratie» und «Menschenrechte», sondern für Einflussgebiete, Ressourcen und Profite.

Imperialismus ist keine Ideologie und keine frei wählbare Politik, sondern eine ökonomische Notwendigkeit. Nationale Märkte sind zu klein für Monopole, deshalb sucht das Kapital den Weg ins Ausland. Die Rolle des Staates ist es, diese Interessen politisch und militärisch zu schützen. Lenin erklärte bereits vor über 100 Jahren: «Das Finanzkapital will nicht Freiheit, sondern Herrschaft.»

Die schlauen Politiker und Journalisten werden einwenden, in den letzten Jahrzehnten habe die «regelbasierte Weltordnung» geherrscht, wo Frieden, Demokratie und Wohlstand für alle floriert hätten. Doch diese Traumwelt zerplatzt am Test der Realität – inzwischen selbst von imperialistischen Vertretern anerkannt.

Der kanadische Premierminister Mark Carney bezeichnete am WEF in Davos die «regelbasierte Weltordnung» als «nützliche Fiktion», dominiert von der «Hegemonie der USA». Er erklärte, dass die Stärksten die Regeln asymmetrisch durchsetzen würden, wenn es ihnen nütze, und dass das Völkerrecht je nach Identität von Angeklagten oder Opfern unterschiedlich angewendet werde.

Diese Eingeständnisse bestätigen, was Marxisten seit jeher über die UNO, das Völkerrecht und die heuchlerische internationale Ordnung erklären.

Neue Weltordnung

Tatsächlich sind wir in eine neue Weltordnung eingetreten. Grossmächte setzen ihre Interessen zunehmend direkt durch. Die alte Ordnung beruhte auf der unangefochtenen Dominanz des US-Imperialismus und auf wachsenden Weltmärkten. Heute herrscht globale Überproduktionskrise: Autos, Stahl, chemische Grundstoffe – Märkte sind verstopft, Profite sinken. Der kapitalistische Kuchen schrumpft, der Kampf um seine Aufteilung wird brutaler.

Obwohl die USA weiterhin die mächtigste imperialistische Kraft sind, hat ihr relatives Gewicht abgenommen, während besonders der chinesische Imperialismus aufsteigt. Das Resultat ist eine – wenn nötig gewaltsame – Neuaufteilung der Welt. Der US-Imperialismus unter Trump ist nicht bereit, seine Vormachtstellung kampflos aufzugeben. Die westliche Hemisphäre, vom südlichsten Lateinamerika bis zur Nordspitze Grönlands, soll unter US-Kontrolle stehen (S. 12-15 der Ausgabe Nr. 18 des Kommunist). Die Folgen: mehr Instabilität, mehr Kriege, mehr Katastrophen.

Schweiz: Wer bezahlt?

Das gilt auch für die Schweiz. Der Schweizer Sonderfall ist vorbei. Jahrzehntelang profitierte der Schweizer Kapitalismus von Globalisierung und «regelbasierter Weltordnung». Heute dominieren Blockbildung und Protektionismus. Der US-Zollhammer gegen die Schweiz zeigt die neue Realität: Kleine imperialistische Länder werden zur Seite geboxt.

Die Financial Times zieht eine treffende Analogie: «Es herrscht ein unangenehmes Gefühl, als stünde man auf dem Schulhof und würde von einem Sechstklässler gemobbt, ohne dass ein Lehrer dabei ist.»

„Während eines Grossteils der Nachkriegszeit schien die Schweiz von vielen der Belastungen, denen ihre europäischen Nachbarn ausgesetzt waren, abgeschirmt zu sein. Das vergangene Jahr hat dieses Gefühl der Isolation in Frage gestellt.“

Financial Times

Die blutige Nase vom Schulhof wird im heutigen Kapitalismus zu einem regelrechten Gemetzel. Denn jemand muss für die auswegslose Krise des Schweizer Kapitalismus bezahlen: Die Arbeiterklasse. 2026 plant ein Drittel aller Firmen in der Schweiz Entlassungen. Mit dem Sparpaket EP27 setzt der Bund den Rotstift bei Bildung, Gesundheit, Sozialwerken und mehr an.

Ob in Venezuela, Grönland oder der Schweiz: Arbeiter, Jugendliche und Unterdrückte zahlen für die Profit- und Machtinteressen der Kapitalisten.

Die Antwort: kommunistische Revolution!

Imperialistische Krise bedeutet nicht nur Elend, Krieg und Zerstörung, sondern schafft auch die Grundlage für Revolutionen und Sozialismus. Mit der Entwicklung des Imperialismus – Grossindustrie, Grosskonzerne und einer weltweiten Arbeiterklasse – sind die Produktivkräfte enorm gewachsen.

Heute sind die Technologien, das Wissen und der Reichtum vorhanden, um Hunger, Obdachlosigkeit und Armut zu beseitigen und den Lebensstandard aller Menschen rasch zu erhöhen. Doch Imperialisten und Superreiche kontrollieren und horten diesen Reichtum. Sie verfolgen kurzfristige Profite – ungeachtet der Zukunft des Planeten, imperialistischer Zerstörung und des Leids durch Sparmassnahmen weltweit.

Deswegen schrieb Karl Marx im Manifest der Kommunistischen Partei: «Die Kommunisten können ihre Theorie in dem einen Ausdruck zusammenfassen: Aufhebung des Privateigentums.»

Die RKP organisiert Jugendliche und Arbeiter in der ganzen Schweiz. Wir sind überzeugt: Dieses System ist nicht reformierbar, sondern muss durch eine Revolution gestürzt werden, in der die Arbeiterklasse die Macht übernimmt und die Gesellschaft in ihrem Interesse führt. Diese Ideen vertreten wir in der Schweiz und international – in Kämpfen gegen Imperialismus, gegen Sparmassnahmen (S. 6-8), gegen Umweltzerstörung (S. 16-17) oder gegen Unterdrückung (S. 8).

Jetzt die Revolution vorbereiten!

Es sind nicht die Revolutionäre, die die Revolution beginnen. Selbst wenn wir es wollten, wäre es für eine kleine Gruppe von Aktivisten nicht möglich, eine Massenbewegung zu entfachen. Es ist der Kapitalismus selbst, der die Voraussetzungen für das Entstehen revolutionärer Bewegungen schafft.

Die letzten Monate, Wochen und Tage lieferten unzählige Beweise: Gen-Z-Revolutionen weltweit, zwei Generalstreiks in Italien für Palästina und der historische Generalstreik in Minneapolis gegen Trumps ICE-Raids (S. 19-20).

Zentrales Merkmal ist der brennende Hass der Massen auf Ungerechtigkeit, das Establishment, die Reichen und ihre Politiker. Diese Wut existiert auch hier. Die Prozesse, die anderswo Aufstände auslösten, wirken auch in Europa und in der Schweiz.

Massenkämpfe und Revolutionen sind in der Todeskrise des Kapitalismus unvermeidlich – ihr Sieg jedoch nicht. Die Gen-Z-Revolutionen zeigen: Es reicht nicht, Regierungen zu stürzen, das gesamte System muss weg.

Keine Revolution erscheint jemals in «reiner» Form, bei der die Massen spontan und automatisch die Macht übernehmen. Eine revolutionäre Partei ist notwendig, weil die Arbeiterklasse aus verschiedenen Schichten besteht, die nicht gleichzeitig zu denselben Schlussfolgerungen kommen. Dies ermöglicht den Kapitalisten (und ihren Politikern, Medien, Beamten etc.) die Bewegung zu spalten und in sichere kapitalistische Bahnen zu lenken.

Der Aufbau einer revolutionären Partei ist daher eine Frage der Ideen und des Programms. Wir müssen lernen, einzelne Kämpfe zu einem einheitlichen politischen Kampf gegen den Kapitalismus zu vereinen (siehe S. 10-11, Übergangsmethode).

Heute ist die zentrale Aufgabe, die radikalsten Jugendlichen und Arbeiter zu organisieren und theoretisch, strategisch und praktisch auszubilden. Es geht darum, einen ersten Kern von Revolutionären mit den Fähigkeiten zu bewaffnen, später grössere Schichten für den Sturz des Kapitalismus organisieren zu können.

Ist die revolutionäre Partei Partei ausreichend gross, verankert und standhaft, kann sie den Massen helfen, die notwendigen Schlussfolgerungen zu ziehen: Enteignung der Banken und Grossunternehmen und demokratische Arbeiterkontrolle über die Wirtschaft.

Eine solche Partei kann nicht spontan entstehen. Sie muss über viele Jahre in Vorbereitung auf die Revolution aufgebaut werden. Das ist die historische Aufgabe, die sich die RKP zum Ziel gesetzt hat.


Hier kannst du die Ausgabe Nr. 18 des Kommunist erwerben:


Kommunist Nr. 18 Inhaltsverzeichnis

Die Ära des nackten Imperialismus

  • Die absteigende USA ist ein wichtiger Treiber der Entblössung des Imperialismus. Anhand des Angriffs auf Venezuela erklären wir die Rolle der “Donroe”-Doktrin (S. 14-15). Englisches Original auf marxist.com.
  • US-Drohungen dürfen uns aber nicht dazu verleiten lassen, ins Lager anderer Imperialisten abzugleiten. Unsere dänischen Genossen zeigen am Beispiel Grönlands (S. 12), wie das geht.
  • Zwischen diversen Imperialisten zerdrückt werden auch gerade die Kurden (S. 13). Eine ausführliche Fassung des Artikels findet sich auf marxist.com.

Kampfmethoden gegen Kapitalismus und Krieg

  • Die Arbeiterklasse hat die Macht, jede Reaktion zu besiegen, sofern sie sich ihrer Rolle klar wird. Einen Wendepunkt im Klassenkampf in den Vereinigten Staaten stellt der Generalstreik in Minneapolis (S. 20-19) vom 23. Januar dar. Weitere Anekdoten zum Streik finden sich im ungekürzten Artikel und auf communistusa.org.
  • Im Kulturteil (S. 18) empfehlen wir einen Dokumentarfilm über den iranischen Aufstand von 2022 mit wichtigen Lektionen angesichts der kürzlich niedergeschlagenen Bewegung.
  • Wie verbindet sich eine kleine Kommunistische Partei mit den Massen der Arbeiterklasse? Diese Frage behandelt der Theorieartikel (S. 10-11) zur Methode des Übergangsprogramms.
  • Die Klimakrise (S. 16-17) könnte von der Arbeiterklasse gelöst werden, wenn sie die Macht dazu erhält. Längere Fassung des Artikels auf marxist.com.

Schweizer Kämpfe und Krisen

  • Die Katastrophe von Crans-Montana (S. 4-5) hat die Schweiz erschüttert. Es spricht aber kaum jemand aus, dass sie menschgemacht war. Hier stechen wir heraus und erklären die desaströse Rolle des Profitmotivs und des bürgerlichen Staates. 
  • Im Herbst streikten Staatsangestellte (S. 6-8) in diversen Kantonen der Romandie gegen Sparmassnahmen. Das zeigt, dass die Arbeiterklasse auch in der Schweiz zunehmend in den Kampf gezwungen wird. Wir analysieren diese wichtigen Erfahrungen.
  • Die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabgängern (S. 9) nimmt zu. Das trägt weiter zur Radikalisierung der Studierenden bei.