Der Klimawandel ist für die Zukunft der Menschheit eine existenzielle Bedrohung. Die Klasse der Kapitalisten hat sich als völlig unfähig erwiesen, diese Katastrophe abzuwenden.
Nebst einer tiefen wirtschaftlichen Krise, politischer Instabilität und imperialistischen Kriegen bekommen Millionen von Menschen auf dem Planeten direkt die Folgen des Klimawandels zu spüren. Die immer trostloseren Aussichten führen in der Jugend zu einem Umdenken; so wurde der Slogan «System Change, not Climate Change!» zu einer Hauptparole der Fridays for Future-Bewegung. Doch wie sieht ein «System Change» aus?
Marxisten können die Zukunft nicht mit Bestimmtheit voraussagen. Indem wir die produktiven Fähigkeiten analysieren, die sich im Kapitalismus gebildet haben, können wir jedoch einige mögliche Schritte ableiten, die den Klimawandel im Ansatz bekämpfen und einige seiner schlimmsten Folgen abschwächen können.
Die Voraussetzung dafür ist aber das Niederreissen der Schranken, die der Kapitalismus errichtet – die Schranken des Privateigentums, des Nationalstaats – und die Organisation der Gesellschaft um menschliche Bedürfnisse statt zum Profit.
Dies ist eine der bedeutsamsten Aufgaben der Menschheit. Bereits jetzt hat sich der Planet so stark erwärmt, dass ernste Folgewirkungen unausweichlich sind.
Der COP-Gipfel 2015 setzte ein globales Klimaziel von 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau, um das Schlimmste abzuwenden. Und doch war im Februar 2024 klar, dass die globale Durchschnittstemperatur diesen Wert über 12 Monate hinweg schon überschritten hatte.
Schon das ursprüngliche Ziel von 1,5 Grad hätte verheerende Folgen gehabt. Die Unterschriften der unterzeichnenden Politiker und Kapitalisten entpuppten sich als leere Versprechen. Marx sagte: «Die Anschauung, welche unter der Herrschaft des Privateigentums und des Geldes von der Natur gewonnen wird, ist die wirkliche Verachtung, die praktische Herabwürdigung der Natur.»
Hitzewellen werden immer tödlicher und zerstörerischer für Menschen, Infrastruktur und Ökosysteme. In Neu-Delhi sanken die Temperaturen 2024 einen ganzen Monat lang nicht unter 40 Grad, während drei Viertel der indischen Arbeiter mit wenig oder ganz ohne Kühlung arbeiten mussten. In Norwegen legte eine Hitzewelle Krankenhäuser lahm, da die Klimaanlagen, wo sie bestanden, ausfielen. Ein Krankenhaus musste gar strikte priorisieren, wer nun in die Geburtenabteilung zum Gebären aufgenommen werden konnte.
Waldbrände werden immer intensiver und das Jahr 2025 ist ein Negativrekord. Los Angeles war fast den ganzen Januar durch von Flammen umfasst. Diese Brände setzen Millionen von Tonnen an CO₂ frei, sie vernichten ganze Landstriche, Nachbarschaften und Infrastruktur. Die Rauch- und Ascheemissionen können für Feuerwehrleute tödlich sein.
Auch Fluten werden stärker und häufiger. Seit Juli fielen in Pakistan über 700 Menschen Fluten zum Opfer. Immer stärkere Niederschläge führen zu Sturzfluten entlang der Flüsse, an deren Ufern fast 100 Millionen Menschen leben. Vergangenen Monat forderten Fluten in Sri Lanka, Indonesien und Thailand über 1’300 Opfer.
Stürme werden zerstörerischer. Noch nie trafen so viele tropische Wirbelstürme auf die Philippinen wie letztes Jahr.
Diese Katastrophen zeugen von der Gleichgültigkeit und Inkompetenz unserer Herrscher. In Valencia verzögerte sich eine Flutwarnung um Stunden, da der rechte Regionalpräsident Mazón im Restaurant speiste. Gleichzeitig zwangen die Bosse unter höchst gefährlichen Bedingungen zum Weiterarbeiten. «Els nostres morts, els seus beneficis» («Unsere Toten, eure Profite») lautete damals ein bekanntes Graffiti. Ein Jahr später ist der Zorn nicht verflogen; vor wenigen Wochen musste der Regionalpräsident abtreten.
Die Situation ist schon schrecklich, doch das Schlimmste folgt erst noch.
Mehr als die Hälfte der globalen Treibhausgasemissionen entstammen der fossilen Brennstoffindustrie. Die Verbrennung von Kohle, Erdgas und Öl für Strom und Wärme gehört zu den Haupttreibern der Klimaerwärmung.
Für Kapitalisten ist das eine nicht versiegende Profitquelle. BP hat bekanntgegeben, jedes Jahr 10 Milliarden US-Dollar in die Erforschung und Erschliessung neuer Ölfelder zu investieren. Die Regierung Brasiliens hat Explorationsrechte für ein Gebiet vergeben, das etwa viermal so gross wie die ganze Schweiz ist. Norwegen möchte in Zukunft verstärkt in der Arktis bohren. All das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Problems.
Gleichzeitig fanden in der Solar- und Windtechnologie Riesenfortschritte statt. Sonne und Wind können Wärme und Strom ohne die Emissionen fossiler Brennstoffe produzieren und haben das Potenzial, auch viel günstiger zu sein.
Aufgrund guten Wetters in Grossbritannien wurde bis August 2025 so viel Solarstrom erzeugt wie im gesamten Jahr 2024. Das wäre genug Strom, um die SBB ein halbes Jahrzehnt lang zu betreiben.
China hat sich in Sachen grüner Energie zum Weltführer emporgeschwungen. Es kontrolliert 80 % der Solarpanel-Lieferkette, 60–80 % der Windrad-Lieferkette, und hat allein in der ersten Hälfte des Jahres 2025 doppelt so viel Solarleistung zugebaut wie der gesamte Rest der Welt zusammen.
Im Kapitalismus aber wird genau der Erfolg bei der Produktionssteigerung zur Hürde für weitere Entwicklungen. Schon jetzt werden die Grenzen des Marktes offensichtlich. 2023 wurden dreimal mehr Solarpanels produziert, als die Weltwirtschaft absorbieren konnte. Der Sektor leidet unter Überproduktion; containerweise Panels stehen an Häfen und in Lagerhäusern einfach herum.
Ungefähr 51 Milliarden 350 W-Panels könnten die gesamte Welt versorgen. Die chinesische Industrie allein hat 2023 eine Milliarde Panels fabriziert. Die Überproduktion an chinesischen Panels flutete den Markt und trieb die Preise in den Keller, sie fielen um über 80 %.
Solch tiefe Preise könnten der grünen Wende zugutekommen – doch schon lobbyiert eine Gruppe von Herstellern dafür, dass die chinesische Regierung Mindestpreise festlegen und Investitionen in den Sektor kürzen soll, um die Überproduktion einzudämmen und so besser profitieren zu können.
Daneben haben die grössten Produzenten im Jahr 2024 über 87’000 Mitarbeiter entlassen, um ihre Margen zu verbessern. Ihnen zufolge müsste die Produktion zu mindestens 20–30 % ausgelastet sein, um sie profitabel betreiben zu können.
Mit der Überproduktion und der führenden Stellung Chinas konnten die Solar- und Windkonzerne in den USA und in Europa kaum mithalten. Der europäische Sektor leidet unter Konkursen, Schliessungen und Kündigungen. So die Schweizer Meyer Burger Technology AG, die eines der europaweit grössten Solarpanelwerke in Deutschland schliessen musste und dann Konkurs anmeldete. Deswegen erhebt Europa Strafzölle auf chinesische Produkte, um eigene Produkte wieder attraktiver zu machen.
Chinesische Panels sind so günstig geworden, dass sie in den Niederlanden und Deutschland sogar als Gartenzaun verbaut werden können – und doch sind erschwingliche und reichlich verfügbare Panels ein Problem für den europäischen Kapitalismus!
«Ein Solarpanel kostete Ende März 11 US-Cent pro Watt, was laut BloombergNEF etwa der Hälfte des vorjährigen Märzpreises entspricht. Ein weiterer Preisfall wird erwartet, da die Hersteller sich unterbieten, um Überbestände abzubauen. Unterhalb einer roten Linie von 15 US-Cent pro Watt sei es für die Firma untragbar, ernstlich in eine europäische Produktion zu investieren […] «Das kriegst du mit so einer winzigen Marge, die für nichts reicht, nicht hin.»
Abschreckend für Investoren ist auch das Risiko von negativen Strompreisen. Die Fluktuation von Wind und Sonne kann zu Schwankungen in der Stromerzeugung führen und den Preis ins Negative drücken, wenn diese Energie nicht gespeichert werden kann.
«Der ganze billige Strom kann Haushalten und der Industrie natürlich gelegen kommen; für Investoren in erneuerbare Anlagen ist das aber ein ernstes Problem, da die Preisschwankungen eine Gefahr für stabile Gewinne darstellen.»
Fakt ist: Die Technologien für den grünen Wandel existieren bereits – nicht in der Science-Fiction, sondern in der heutigen, echten Welt. Sie werden aber durch das Privateigentum an den Produktionsmitteln gehindert, da die parasitäre Kapitalistenklasse für Profit investiert und produziert und nicht, um unsere sozialen Bedürfnisse zu stillen.
Während die Produktion von gewissen Formen der erneuerbaren Energie und gerade die von Solarpanels ein beeindruckendes Wachstum ausweisen kann, steht der Sektor insgesamt vor einem Problem: Ist ein Panel mal installiert, liefert es jahrelang, vielleicht sogar jahrzehntelang Strom. Der Markt ist schnell gesättigt und nicht mehr rentabel. Investitionen bleiben aus.
Verschärft wird das Problem in den engen Grenzen des Nationalstaats: Die Kapitalisten jedes nationalen Marktes konkurrieren miteinander und versuchen, sich auf dem Weltmarkt durchzusetzen. Beispielsweise erheben die USA nun höhere Zölle auf Importe aus China, während Subventionen für die heimische Solarproduktion gesprochen wurden. Jedoch können die US-Hersteller trotzdem eher schlecht als recht mit den chinesischen Anbietern mithalten.
Die chinesische Wirtschaft produziert Unmengen an Solarpanels, die man auf jedem Haus installieren und so einen grossen Beitrag zur Energiewende leisten könnte. Im Kapitalismus ist das aber ein Problem, weil dies nur zu Lasten der Profite von anderen nationalen Kapitalistenverbänden möglich wäre. Zudem stehen sich der Westen und China zusehends als imperialistische Rivalen gegenüber, die bei der Energieversorgung so wenig wie möglich von der anderen Partei abhängig sein möchten. Die logische Folge ist die «Vertreibung» der «gegnerischen» Industrie durch protektionistische Massnahmen.
Ohne Privateigentum und in einem bedürfnisorientierten Wirtschaftssystem könnten Arbeiter in den USA ohne Mühe mit chinesischen Arbeitern kooperieren. Sie könnten Wissen und Technologien austauschen, um die Produktion von grossen Mengen an hochwertigen Solarpanels zu ermöglichen.
Die zuvor erwähnten 51 Milliarden Panels wären so schnell produziert. Sie würden ungefähr 300’000 km² erfordern, die in der über 9 Millionen km² grossen und stark besonnten Sahara zur Verfügung stünden, während freigewordene Flächen beispielsweise aufgeforstet werden könnten.
Ein solches Grossprojekt würde jedoch ein riesiges Mass an weltweiter Zusammenarbeit bedingen. An der Erforschung, Planung und Umsetzung einer weltweiten Energiequelle müssen notwendigerweise Arbeiter in aller Welt beteiligt sein, um die Verteilung und einen reibungslosen Betrieb zu ermöglichen.
Und auch in Zukunft wären ständige Überwachung und Koordination notwendig, um die Anlage am Laufen zu halten. Der internationale Charakter des Weltmarkts, den der Kapitalismus hervorgebracht hat, bildet die Grundlage für diese Kooperation und die Verbreitung von Technologien. Erforderlich ist die Überwindung der Schranken des Privateigentums und des Nationalstaats.
Die Verlagerung hin zu erneuerbaren Energiequellen bedeutet auch mehr, als Windräder zu bauen oder Panels zu installieren. Wichtige Infrastruktur muss erneuert oder gebaut werden, um die Energie sicher ans Ziel zu bringen. Im Kapitalismus leidet diese Infrastruktur unter Investitionsstau und kann nicht mal die schon bestehende Wind- und Solarproduktion vollständig abführen.
Als Beispiel diene die britische Netzbetreiberin National Grid, die seit Privatisierung knapp 28 Milliarden Pfund Dividenden an Aktionäre ausgeschüttet hat, während Investitionen in das Stromnetz selbst stagnierten. Zeitgleich führten Investitionen in erneuerbare Energie zum Bau grosser Windparks in Schottland. Diese hätten über ein halbes Jahr ausreichend Strom produziert, um sämtliche schottischen Haushalte zu versorgen. Stattdessen wurden Millionen an die Betreiber gezahlt, damit sie weniger Strom produzieren, da das Stromnetz diese Mehrproduktion nicht abführen konnte. Die Kosten der Millionenzahlungen werden den Konsumenten verrechnet.
Die kapitalistische, anarchistische Marktlogik ist nicht fähig, mit den infrastrukturellen Anforderungen der Energiewende Schritt zu halten. Ein katastrophales Beispiel lieferte Spanien im Jahr 2025: Auch hier wurden viele erneuerbare Energielieferanten neu an das Netz angeschlossen. Eine gute Wetterlage führte zu einem Schwall an Elektrizität und somit zu einem Zusammenbruch des Stromnetzes samt landesweiten Stromausfall.
Das Problem kann gelöst werden. Es gibt Mittel und Wege, um die Stromnetze stabiler zu gestalten; sie erfordern aber Investitionen. Die privatisierten Netzbetreiber scheitern an dieser Aufgabe, da sie zuallererst Ausgaben streichen und ihre Profite vergrössern möchten.
In Grossbritannien sehen wir einen zweiten Flaschenhals beim Netzausbau: Lieferengpässe hindern die Produktion von Kabeln, die für Wind- und Solarstrom benötigt werden, was die noch verfügbaren Kabel teurer macht. Nun gut, dann bauen wir Fabriken, um mehr Kabel zu produzieren. Wo liegt das Problem?
Solche Infrastrukturprojekte sind einmalige Angelegenheiten. Aus der Perspektive der Hersteller macht es wenig Sinn, eine Fabrik zu bauen, die nur überschüssige Kapazität und ausbleibenden Profit darstellt, wenn die Nachfrage mal gestillt ist.
Die Beratungsfirma Baringa schreibt:
«Trotz des riesigen Bedarfs an Netzausbau für die Zukunft zögern Lieferanten, in neue Kapazitäten zu investieren. Es herrscht Unsicherheit in Bezug auf die langfristige Nachfrage nach gewissen Komponenten, auf gesetzliche Rahmenbedingungen und auf die Finanzierung.»
Für die Menschheit wäre diese Infrastruktur ein Triumph. Für Hersteller ist es profitabler, im Schneckentempo weiterzuproduzieren und so Flaschenhälse und jahrelange Verspätungen in Kauf zu nehmen, weil sie dann garantiert profitieren!
Nach der Energie ist die Landwirtschaft mit ungefähr einem Drittel Anteil die zweitgrösste Emissionsquelle. Die heute geläufigen landwirtschaftlichen Praktiken sind hocheffizient, verschleissen aber Böden und Umwelt. Im Kapital erklärte Marx:
«Und jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit.»
Die Nahrungsmittelproduktion reicht bei weitem für die Ernährung aller aus, aber ein Mensch von elf geht jeden Tag hungrig zu Bett. Schätzungsweise ein Drittel aller menschlichen Nahrungsmittel werden nicht verspeist; beispielsweise wegen zu hoher Preise, weil schlechte Lieferketten zu Schäden an den Nahrungsmitteln führen oder weil ungekaufte Esswaren von Läden entsorgt werden. Allein in Grossbritannien werden jedes Jahr 9,5 Millionen Tonnen Essen entsorgt, die über 30 Millionen Menschen ernähren könnten – in einem Land, in dem 8,4 Millionen Menschen Bedarf an Lebensmitteln leiden.
Die dringlichsten Aufgaben sind die Entwicklung einer nachhaltigen, nicht umweltschädlichen Landwirtschaft und die rationale Verteilung der Nahrungsmittel, so dass menschliche Bedürfnisse befriedigt werden. Wie beim Solarstrom gibt es auch im Bereich der Landwirtschaft Neuerungen, die eine effiziente, mit der Umwelt harmonierende Nahrungsmittelproduktion versprechen.
Ein Beispiel sind die Niederlande, der weltweit zweitgrösste Exporteur von landwirtschaftlichen Erzeugnissen gemessen am Wert, direkt hinter den 270-mal grösseren USA. Dieser Wert wurde durch die niederländische Spezialisierung auf Gewächshauskultivierung erzielt. Für die Beleuchtung wird erneuerbare Energie verwendet und Pflanzen sind vertikal angeordnet, was weniger Platz als der traditionelle Anbau benötigt. Das Wasser wird mit fast 100-prozentiger Effizienz rezirkuliert.
Das ist umso wichtiger, weil der Klimawandel eine ernste Gefahr für unsere Süsswasserquellen darstellt. Erste Wasserkriege zeichnen sich schon ab: Die Grand Ethiopian Renaissance-Talsperre verschlechtert bereits die Beziehungen zwischen Äthiopien und Ägypten. Auch Indien und Pakistan stehen wegen des Indus, der Kaschmir durchfliesst, im Konflikt.
Israels Besetzungen der Golan-Anhöhen, die vom Jordan durchflossen werden, sowie der Westbank sind im Allgemeinen kolonial, im Spezifischen aber auch durch die Kontrolle über das Wasser begründet.
Die Anbaumethoden in den Niederlanden lassen vermuten, was mit wenig Wasser eigentlich möglich wäre. Sie sind die nachweislich effizientesten Anbauarten für Blattgemüse, Kräuter, Tomaten, Gurken, Zucchetti und einige Beerenarten. Die niederländische Tomatenindustrie erzielt die meisten Tomaten pro Hektare weltweit.
Eine weitere Entwicklung ist das «Precision Farming», bei dem mit technischen Hilfsmitteln die Bodenbeschaffenheit, der Wassergehalt und das Wachstum analysiert werden, um die optimalen Wachstumsbedingungen zu ermitteln. Dies erlaubt einen viel effizienteren Einsatz von Ressourcen.
Ein niederländischer Bauer erzielt so einen Ertrag von ca. 44 Tonnen Kartoffeln pro Hektare, während der globale Durchschnitt mit konventionellen Methoden bei ungefähr 22 Tonnen liegt.
Diese bahnbrechende Forschung könnte überall auf der Welt eingesetzt werden, um eine nachhaltige und effiziente Landwirtschaft zu ermöglichen.
Aktuell dienen 44 Prozent der bewohnbaren Erdoberfläche der Landwirtschaft, was etwa fünfmal den USA entspricht. Wie das niederländische Beispiel zeigt, könnten wir eigentlich mehr Nahrung mit weniger Fläche produzieren und der Abholzung Einhalt gebieten, die zu 90 % für die Landwirtschaft stattfindet.
Freigewordene landwirtschaftliche Flächen könnten für Wohnraum, Infrastruktur und Aufforstungsprojekte eingesetzt werden. Forschung aus China und Panama belegt, dass Mischwald bei der Temperaturregulierung hilft, grössere Mengen Kohlenstoffdioxid bindet und Wildtieren Lebensraum bietet.
Ein anderes, bei Science veröffentlichtes Paper schätzt, dass 25 % des atmosphärischen CO₂ durch eine halbe Billion gepflanzter Bäume auf 9 Millionen Quadratkilometern gebunden werden könnten. Dies entspricht etwa einem Fünftel der aktuell landwirtschaftlich genutzten Fläche.
Bei einer weltweiten Rationalisierung der Landwirtschaft und gleichzeitigem Austausch der aktuellsten Methoden und Techniken wäre dies ohne Zweifel zu erreichen. Im Kapitalismus ist das jedoch vollständig ausgeschlossen, weil man mit der Neuordnung der Landwirtschaft zugunsten der Aufforstung keinen einzigen Rappen verdient – auch nicht, wenn es nicht einfach nur um Bäume, sondern das Überleben der Menschheit geht.
Daneben würden solche Programme umsichtige Planung und Aufsicht auf globaler Ebene erfordern. Die Arbeit von Millionen von Bauern und Landarbeitern würde sich komplett verändern. Eine zentrale Planung von Schulungen und eine rationale Arbeitseinteilung wären notwendig, würden aber Millionen von nützlichen Arbeitsplätzen schaffen. All das bedingt auch die Vergesellschaftung der relevanten Technologien.
Selbst die Viehwirtschaft, ansonsten ein Haupttreiber der Abholzung, kann in diesen Plan integriert werden. Studien in sogenannten silvopastoralen Systemen zeigen auf, dass eine Vermischung von Bäumen, weiteren Pflanzen und Vieh auf denselben Flächen die Fruchtbarkeit der Böden steigern und mehr CO₂ binden kann. Andere Forschung ergibt, dass die Methanemissionen von Vieh durch die Verfütterung von Rotalgen um bis zu 80 % gesenkt werden können.
Letztlich wird die Landwirtschaft jedoch von einer handvoll Riesenmonopolen dominiert. Sie bestimmen, was wie angebaut wird und welche Preise auf dem Markt erzielt werden können. Beispielsweise teilen sich nur vier Firmen 85 % des amerikanischen Fleischmarkts. Die Lebensmittelindustrie ist hochprofitabel und generiert allein in den USA 1,9 Billionen Dollar jährlich. Die profitabelsten Methoden sind für die Umwelt am schlechtesten – mehr als die Hälfte der Fläche der USA dient der Landwirtschaft, zwei Drittel davon als Weideland.
In den Jahresabschlüssen riesiger Agrokonzerne ist von den Negativfolgen für die Menschheit keine Spur zu finden; sie werden als «Externalitäten» zusammengefasst, die beim Profite scheffeln tatsächlich drittrangig sind.
CEOs, Aktionäre und derselbe korrupte Schlag in den Parlamenten werden davon aus Goodwill nicht ablassen. Ihre jetzigen Methoden sind profitabel, und kein Kapitalist wird seinen ganzen Betrieb über den Haufen werfen und grosse Summen in neue Verfahren investieren, wenn dies seinen Profit schmälert.
Fallen die Schranken des Kapitalismus, können alle Formen der Landwirtschaft revolutioniert werden.
Investitionen in grüne Produktion sind von zentraler Bedeutung. Allerdings ist viel Schaden schon angerichtet und Anpassungen an das sich wandelnde Klima sind notwendig. In gewissen klimatischen Regionen kann man schon von extremen Hitzewellen und immer gewaltigeren Stürmen sprechen.
Für die «Klimasicherung» von Gebäuden überall auf der Welt ist ein riesiges Projekt notwendig. Oftmals sind sie schon den heutigen klimatischen Bedingungen nicht mehr gewachsen, geschweige denn den zukünftigen. Beispielsweise werden Londoner Schulen voraussichtlich jedes Jahr zehn Wochen «extremer Hitze» ausgesetzt sein. Die Wissenschaft kennt aber schon energiesparende Baumethoden, die kühlende Luftströme, Beschattung und Belüftung fördern oder die Hitzeabstrahlung verringern. Diese könnten massenweise eingesetzt werden, um die Temperaturen zu senken.
Eine grosse Gefahr für Gebäude und Wohnraum sind Waldbrände, Dürren, Stürme und Fluten. Beispielsweise könnten in der Region New York in den nächsten 15 Jahren über 80’000 Haushalte an Überschwemmungen verloren gehen, wenn nicht jetzt der Hochwasserschutz ausgebaut wird.
Dabei ist Stadtplanern und Immobilienentwicklern schon bekannt, welche Massnahmen wirksamen Schutz von Leben, Wohnraum und wichtiger Infrastruktur wie Supermärkten, Schulen und Spitälern bieten.
Einige Bebauungen enthalten gegen Hurrikans gesicherte Wohneinheiten, welche die gesetzlichen Mindestvorschriften übertreffen und beispielsweise auf tieferen Fundamenten stehen, höher über dem Meeresspiegel liegen, mit Stahl verstärkt sind oder deren Stromleitungen zum Schutz vor Wind und Wetter unterirdisch verlegt werden.
Ein frappierendes Beispiel: Als der Hurrikan Milton 2024 durch Mexiko, Kuba, die Bahamas und Florida wütete, hinterliess er 3 Millionen Menschen ohne Strom. Die sicher gebaute Hunters Point-Siedlung überlebte diesen und weitere Hurricanes praktisch unversehrt.
Wohnraum im Kapitalismus wird aus Profitgründen angelegt. In einer sozialen Planwirtschaft wäre das anders. Bei gewöhnlichen Wohnhäusern werden Kosten gespart und Sicherheitsvorschriften ignoriert. Wirklich sicherer Wohnraum steht jetzt nur einer kleinen Bevölkerungsschicht zur Verfügung, die 1,4 bis 1,9 Millionen US-Dollar für ein Haus aufbringen kann.
Produktion nach Bedürfnissen statt Profiten erlaubt allen, in Sicherheit vor extremen Wetterereignissen zu wohnen. Baubetriebe müssen verstaatlicht und demokratisch verwaltet werden. Ihre Arbeiter könnten ein Massenprogramm zur Errichtung sicherer Gebäude und zur Renovierung bestehender Bauten entwerfen.
Der aktuelle Forschungsstand und unsere technischen Mittel bieten schon zahlreiche Möglichkeiten, unsere Umwelt zu schützen und die weitere Erderwärmung zu verlangsamen. Sie müssen nur für gesellschaftliche Zwecke eingesetzt werden.
Die Beispiele im Artikel sind bloss ein Vorgeschmack auf das, was eigentlich möglich wäre, wenn die Menschheit vor Profit kommt. Und wie viel mehr können wir erreichen, wenn wir von der Schufterei befreit sind und wir alle die Mittel von Wissenschaft und Industrie nutzen können, um den Klimawandel abzuschwächen und rückgängig zu machen?
Es gibt Hinweise darauf, welche Erfindungskraft die Arbeiterklasse birgt, die aber durch ihre Position als einfaches Anhängsel der Maschine gehemmt wird.
Der «Lucas Aerospace Plan» in Grossbritannien ist ein sehr interessantes Beispiel für das Potenzial von Arbeiterklasse und vergesellschaftetem Eigentum, die Produktion zu revolutionieren und in den Dienst der Menschheit zu stellen. In den 1970ern stellte die Firma militärische Güter her. Angesichts des drohenden Stellenverlusts in der Krise der 70er Jahre entwarfen die Arbeiter ihren eigenen Plan für den Einsatz der Fabrik und ihrer Fertigkeiten.
Sie bewiesen, dass die Firma neue, sozial nützliche Produkte herstellen könnte. Der Plan beinhaltete 150 Entwürfe, darunter für erneuerbare Energien. Sie forschten sogar an Solarzellen, Wärmepumpen für Wohnhäuser und Autos mit Hybridantrieb. Das war äusserst weitsichtig, war der Klimawandel damals doch kaum ein Thema.
Ingenieure berichten, dass dies eine Erleuchtung gewesen sei: «Könnte ich nochmals leben, würde ich gar nichts an der Zeit bei Lucas ändern».
Der Lucas-Plan zeigt das potenziell grenzenlose Potenzial der Arbeiterklasse auf, wenn sie in der Lage ist, die Produktion selbst zu lenken. Aktueller denn je ist die Tatsache, dass diese Arbeiter durch ihre Kreativität und ihr gesammeltes Wissen dazu in der Lage waren, ihre Waffenfabrik für sozial nützliche Zwecke einzusetzen.
Heute pumpt die herrschende Klasse hunderte Milliarden in die Aufrüstung. Die Arbeiterklasse hat die Macht: Sie kann der Aufrüstung Einhalt gebieten, sich aber auch die Fabriken aneignen und sie in kurzer Zeit als Waffen gegen den Klimawandel richten.
Kommunisten setzen sich dafür ein, das überall Realität werden zu lassen. Man kann sich die Höhenflüge der menschlichen Gesellschaft nur vorstellen, wenn sie in echter Koexistenz mit der Natur existiert. Die Arbeiterklasse selbst – Milliarden Menschen auf der Welt, die für unsere Bedürfnisse produzieren und weiterentwickeln können – bildet die Grundlage dafür, unsere Technologien zu entfesseln, den Klimawandel zu mildern und vielleicht sogar ganz aufzuhalten.
Das parasitische Eigentum an den Produktionsmitteln der Kapitalistenklasse und der Nationalstaat hindern die Menschheit daran, die Zerstörung ihres Planeten im Kapitalismus aufzuhalten. Die Zukunft der Welt hängt von der Revolution ab.
Klima — von Manon Powrie, marxist.com — 22. 02. 2026
Theorie — von Fred Weston, RKI Grossbritannien — 18. 02. 2026
Lateinamerika — von Jorge Martin, marxist.com — 17. 02. 2026
Schweiz — von Jessica Bamford, Zürich — 16. 02. 2026
Lateinamerika — von Flo Trummer, Zürich — 14. 02. 2026