Im Interview spricht Nicolas Hächl von der RKP Berlin über die Radikalisierung der Jugend und die Perspektiven der Bewegung gegen den Militarismus in Deutschland.

Nicolas, was ist am 5. März passiert?

Am 5. März 2026 gingen mehr als 50’000 Schüler in 140 Städten auf die Strasse. Das war nach dem 5. Dezember bereits der zweite Schülerstreik gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Der Protest mobilisierte Leute, die es wirklich ernst meinen mit dem Kampf gegen die Wehrpflicht, die sich nicht beirren liessen von der harten Propaganda in den Medien oder von Schulleitungen, die den Streik als Schulschwänzen darstellen wollten.

Die Militarisierung beschäftigt die Jungen sehr. In den Schulen kam die Bundeswehr vorbei, um zu erklären, warum es wichtig wäre, dass sich der deutsche Staat verteidigen könne. Das verunsichert: Die Schüler haben Angst, in den Krieg zu müssen. Die Propaganda der Herrschenden in unserem Land sagt, Russland sei eine akute Bedrohung. Es ist bemerkenswert, dass dennoch über 60 %der jungen Leute die Wehrpflicht ablehnen. Nur etwa 14 % würden aktiv Dienst machen. Die herrschende Klasse schafft es nicht, ihre Ideologie durchzusetzen.

Wie war die Stimmung auf der Demo?

Extrem radikalisiert. Zum einen ging es ganz konkret darum, den Zwangsdienst zu verhindern, wo sie rumkommandiert und behandelt werden wie der letzte Dreck. Zum anderen richteten viele der Schüler ihren Protest gegen das Feindbild der Reichen, die diese Kriegstreiberei für ihre eigenen Interessen durchziehen. Dementsprechend war ​​«Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!» der zentrale Slogan der Proteste.

Auch wenn das Wort Imperialismus nicht so bekannt ist, verstehen die Schüler das Konzept. Sie sehen, was in der Ukraine passiert ist, wo der Krieg verlängert wurde, weil auch die deutsche herrschende Klasse meinte, man könne Russland einfach besiegen. Sie haben gesehen, wie die USA in Venezuela einmarschiert sind und Maduro entführt haben. Und vor allem haben sie beim Genozid in Gaza miterlebt, wie die deutsche Regierung diesen von Anfang an unterstützt und gleichzeitig die Solidaritätsproteste für Palästina im eigenen Land brutal unterdrückt hat.

All das hat das Vertrauen in die Politik der herrschenden Klasse extrem erschüttert. Sie kaufen der Regierung Merz nicht ab, dass sie gute Absichten verfolgt. Viele haben gesagt: Wir wollen nicht zu einem Dienst gezwungen werden, wo wir am Ende an der Ostfront in einem unnötigen Krieg gegen Russland landen. Das zeigte sich auch auf der Demo, mit dem Spruch «Merz leck Eier!». Ein Schüler wurde dafür verhaftet und es gab eine grosse Solidaritätsbewegung.

Was hat die RKP in Berlin gemacht?

Wir sind mit den Schülergenossen an die Schulen gegangen, weil das Thema dort oft noch gar nicht richtig angekommen war. Ein Genosse hat an seiner Schule zum Beispiel ein Treffen organisiert und einen politischen Input gehalten, warum die Wehrpflicht verhindert werden muss. Daraus entstand ein Komitee. Sie haben die Schulleitung überzeugt, dass sie ein Banner aufhängen durften, haben die Schülervertretung eingebunden und am Ende 200 Leute von der Schule mobilisiert.

Auf der Demo selbst waren wir mit einem Block von 25 Genossen und einem fetten Banner da. Wir waren einer der einzigen Blöcke, die wirklich lautstark skandiert haben. Das hat extrem viel Aufmerksamkeit geweckt. Viele Schüler haben zum ersten Mal mitbekommen, dass eine Demo nicht nur ein kleines Strassenfest ist, sondern dass es darum geht, zu kämpfen. Wir konnten mit über 30 Interessierten Kontaktadressen austauschen.

Mit welchen Positionen hat die RKP interveniert?

Trotz aller Radikalität ist in der Bewegung nicht genügend klar, dass sich der Kampf ausweiten und gegen die Aufrüstung und die Sparpolitik richten muss. Dafür sind die Gewerkschaften und die Linkspartei verantwortlich, welche diese Verknüpfungen nicht machen. Sie solidarisieren sich zwar mit den Schülern, aber tun nichts. Sie verbinden es nicht mit den Kämpfen der Staatsangestellten gegen die Sparbudgets oder mit den Debatten um das Sondervermögen der Bundeswehr. Dabei ist das derselbe Kampf gegen Militarisierung.

Das konnten wir sehr fruchtbar mit den Schülern diskutieren und viele fanden unseren Slogan «Keine Wehrpflicht für die Kriegstreiber» sehr gut. In Gesprächen ging es oft darum, dass die Regierung nicht auf uns hört und dass es mehr braucht, als nur einen Schulstreik. Wir erklärten, dass die Jugend einen Kampf führen muss, um die Arbeiterklasse allgemein zu entfachen. Während extrem viel staatliche Mittel in die Aufrüstung fliessen, werden die Arbeiter von Deindustrialisierung getroffen. Alle machen sich Sorgen um die Zukunft und sehen, dass hier nur die Interessen der Mächtigen bedient werden.

Für den 8. Mai ist der nächste Streik angesagt. Wir werden an den Schulen präsent sein. Unsere Aufgabe ist es jetzt, aus dieser Bewegung die radikalsten Schüler zu gewinnen. Wir müssen ihnen zeigen, dass nur eine revolutionäre Perspektive, nur ein klarer Klassenstandpunkt diese Bewegung ausweiten kann. Die Schüler haben gezeigt, dass sie kämpfen wollen. Es geht jetzt darum, diesen Kampfeswillen mit politischer Klärung zu festigen und uns zu organisieren – damit aus dem Protest ein echter Kampf gegen die Kriegstreiber wird.