Um 2 Uhr Ortszeit begann der US-Imperialismus mit einem kriminellen Militärangriff auf venezolanischen Boden. Es gibt Berichte von sechs grossen Explosionen in der Hauptstadt Caracas. Es fanden auch Militärschläge in El Higuerote, Miranda, La Guaira und in Aragua statt. US-amerikanische Militärhubschrauber wurden über Caracas gesichtet. Trump hat bekanntgegeben, dass der venezolanische Präsident Maduro und seine Frau gefangen genommen und ausser Landes geflogen wurden. Delcy Rodríguez, die amtshabende Vizepräsidentin von Venezuela hat das bestätigt. Das ist alles, was wir bisher wissen.

Nichts davon ist aus heiterem Himmel gekommen. Es ist das Ergebnis einer kalten, kalkulierten und zynischen Politik, die die Interessen des US-Imperialismus deutlich zeigt.

Die derzeitigen Aktionen sind die unausweichliche Folge einer langen Reihe von unprovozierten Aggressionen gegen einen souveränen Staat, Venezuela, welcher für die Vereinigten Staaten nie eine direkte militärische Bedrohung dargestellt hat.

Dazu gehören: Unverhohlene Piraterie auf hoher See, Bombenangriffe und Beschuss von kleinen Booten in der Karibik und das gezielte Abschlachten der unglücklichen Personen, die sich an Bord befanden. Die Opfer waren ziemlich sicher unschuldige Fischer. So oder so waren diese Angriffe eine offenkundige Verletzung dessen, was ironischerweise “internationales Recht” genannt wird. Dazu gehörte auch die Kamperung von Tankern, die venzolanisches Öl transportierten – und dessen “Konfiszierung” (das heisst: Diebstahl) durch die USA.

Diese sechsmonatige Kampagne von imperialistischer Schikane und wachsendem militärischen Druck durch den US-Imperialismus und der Trump-Regierung gegen Venezuela ist ein einseitiger Akt der Aggression, der in keinster Weise gerechtfertigt werden kann. Es geht nicht um Drogen, wie wir bereits zuvor erklärt hatten. Es geht auch nicht um “Demokratie”, für die sich die USA kein bisschen interessieren.

Trump – der Mann, der sich selbst als “Friedensstifter” inszeniert und versprochen hat, die USA aus unnötigen Kriegen herauszuholen, hat an Weihnachten Nigeria bombardiert. Jetzt hat er Venezuela bombardiert und wieder dem Iran militärische Aktionen angedroht. In Venezuela sehen wir auch das verbrecherische Entfernen eines ausländischen Staatschefs.

Das ist ein klarer Akt der militärischen Aggression, deren Hauptziel es ist, jedem klar zu machen, dass die USA das Ziel hat, den gesamten Kontinent zu dominieren und unterwerfen und rücksichtslos jede Regierung zu bestrafen, die dem im Weg steht.

Die Konsequenzen davon sind extrem ernstzunehmen. Es gibt gerede davon, dass es sich dabei “nur” um einen Enthauptungsschlag handelte, um den venezolanischen Präsidenten Maduro gefangen zu nehmen und ausser Landes zu bringen. Solche Aktionen sind klar kriminell und haben mehr mit den Methoden der Mafia zu tun als mit internationaler Diplomatie. Hier sehen wir ein klares Beispiel dafür, was sie die “Regelbasierte internationale Ordnung” nennen: Sie sind willkürliche Regeln, die von Washington immer im Interesse des US-Imperialismus durchgesetzt werden.

Jedes Land, jede Regierung und jeder Führer, der sich gegen diese “Regeln” stellt, wird bedroht, sanktioniert, unter Handelsblockaden gestellt, bombardiert, oder, wie wir sehen, sogar entführt. Das ist die Art von Regime, die die Führer der Vereinigten Staaten und ihre europäischen Freunde auf der ganzen Welt versuchen durchzusetzen.

Aber die Erfahrung sagt uns, dass gar nicht klar ist, wie eine Militäraktion, sobald sie einmal begonnen worden ist, wieder enden wird. Krieg ist ein Kampf lebendiger Kräfte. Wie der Konflikt in Venezuela ausgehen wird hängt nicht allein von Donald Trump ab: Kriege haben immer eine Eigenlogik, und ihr Ausgang ist im Vorhinein schwer vorherzusagen.

Die Bombardierung von militärischer und ziviler Infrastruktur in Venezuela wird sicherlich zivile Tote nach sich ziehen. Das wird ein allgemeines Gefühl der Ablehnung und des Hasses gegenüber den amerikanischen Aggressoren nach sich ziehen. Ob diese Gefühle in effektiven Militäraktionen kanalisiert werden, hängt von vielen Dingen ab – allem voran der Moral der Massen.

Padrino, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, hat bereits bekanntgegeben, dass es zivile Opfer gibt und hat im Angesicht dieser unverhohlenen Aggression zum nationalen Widerstand aufgerufen. Er hat ebenfalls die Mobilmachung aller militärischen Kräfte erklärt.  Und weiter: “Sie haben uns angegriffen, aber sie werden uns nicht unterwerfen”.

Wir müssen uns aber den Fakten stellen. Venezuela ist ein kleines Lateinamerikanisches Land, das gegenüber der überwältigenden militärischen Macht des US-Imperialismus, mit der es konfrontiert ist, klar unterlegen ist.

Wie die Massen auf den Aufruf von Padrino reagieren werden, ist daher der entscheidende Faktor. Aus der Entfernung betrachtet und ohne gute Informationen ist es unmöglich zu sagen, was die Reaktion sein wird. Sicherlich wird ein erheblicher Teil der venzolanischen Gesellschaft – die Arbeiter, die Bauern, die Armen in den Städten und all jene, die von der Bolivarischen Revolution profitiert haben weiterhin bereit sein, unter ernsthafter Führung diesen brutalen Akt der imperialistischen Aggression zu bekämpfen. Aber wäre das genug?

Kuba ist zu schwach, um ausreichend militärische Unterstützung zu leisten. Venezuelas Hauptverbündete, Russland und China, sind tausende Meilen entfernt. Daher ist es eindeutig ein Konflikt zwischen David und Goliat. Es ist selbstverständlich, dass in diesem Konflikt die internationale Unterstützung der Arbeiterklasse von enormer Bedeutung sein wird. Das gilt besonders für die Reaktion der Massen in Lateinamerika.

Das ist eine deutliche Warnung an alle anderen lateinamerikanischen Länder, sich zu beugen, sich dem US-Imperialismus unterzuordnen. Das gilt besonders für Kolumbien und den kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro.

Es stimmt, dass viele Menschen, insbesondere auf der Linken, kein Vertrauen in die derzeitige Regierung in Caracas haben. Aber das ist nicht das Kriterium, das unsere Taten in diesen Augenblicken bestimmen sollte. Unabhängig von unserer Haltung gegenüber der Regierung von Nicolas Maduro ist es unsere grundlegende Pflicht, klar und eindeutig Venezuela gegen die aggressiven Aktionen des US-Imperialismus zu verteidigen.

Diese bedingungslose Unterstützung  für Venezuela im derzeitigen Konflikt speist sich nicht aus einem Vertrauen, das wir in die Politik und Handlungen von Nikolas Maduro haben würden – genauso wenig wie unsere Unterstützung für den Iran, als dieser durch Netanjahu und Trump angegriffen wurde, eine Unterstützung für das korrupte und reaktionäre Mullah-Regime in Teheran ausdrückte. Unsere Haltung wird nicht davon bestimmt, ob wir mit einer bestimmten Regierung oder Politik übereinstimmen, sondern vom grundlegenden Prinzip des proletarischen Internationalismus. Jedes Schwanken in dieser Frage ist ein Verbrechen gegenüber der Arbeiterklasse und ein Verrat des proletarischen Internationalismus.

Die richtige Reaktion der internationalen Arbeiterbewegung sollte daher die Mobilisierung gegen und die vollständige Ablehnung von diesem unprovozierten Akt der imperialistischen Aggression sein. Heute werden sicherlich vor allen US-Botschaften auf dem amerikanischen Kontinent und darüber hinaus stattfinden. Die Revolutionäre Kommunistische Internationale steht bedingungslos für die Verteidigung von Venezuela und wir werden uns voll hinter  diese Bewegung stellen.

Unsere Position ist klar: Hände weg von Venezuela! Yankee, go home! Nieder mit dem US-Imperialismus!